Das Universalgenie Ernst Neumann-Neander: Ein Revolutionär im Motorradbau

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Auf Ernst Neumann-Neander passt der Begriff "Universalgenie" wie auf nur wenige andere. Der Motoclub-Konstrukteur wurde vor 150 Jahren, am 3. September 1871, als Ernst Neumann in Kassel geboren. © Opel Automobile GmbH / trd ZEITGESCHICHTE UND HISTORIK

 

(TRD/MID) Auf Ernst Neumann-Neander passt der Begriff „Universalgenie“ wie auf nur wenige andere. Der Motoclub-Konstrukteur wurde vor 150 Jahren, am 3. September 1871, als Ernst Neumann in Kassel geboren. Lebenslang begleitete ihn die Passion für Geschwindigkeit und Technik. Er war Künstler, Designer, Kabarettist, Unternehmer, Rennfahrer und Ingenieur.

Mit Opel verbindet ihn das geniale Motorrad Motoclub, es wurde von 1928 bis 1930 gebaut und war durch seinen Rahmen aus gepresstem Stahlblech einmalig. Diese Bauweise ersann Neumann-Neander. Mit der neuen Technik gelang es Opel, die Montagezeit eines Motorrades von üblicherweise 15 bis 25 Stunden auf rund vier Stunden zu senken – eine Revolution im Motorradbau.

Dadurch konnte Opel in kürzester Zeit ein hervorragendes Produkt zu einem attraktiven Preis etablieren. Ähnlich wie beim Opel 4/12 PS „Laubfrosch“, dem ersten deutschen Auto vom Fließband, machte Opel so individuelle Mobilität für viele erschwinglich.

Nach dem Ersten Weltkrieg legt sich Neumann den Künstlernamen „Neumann-Neander“ (Neander = ‚Der neue Mann‘ im Altgriechischen) zu. Den Schwerpunkt seiner Arbeit stellen ab sofort Konstruktion und Herstellung von Motorrädern unter dem Namen „Neander“ dar. Neben elegantem Design kennzeichnen Leichtbau, Fahrkomfort und unkonventionelle technische Lösungen seinen Stil. 1924 erhält N2 – so jetzt sein Spitzname – beim Erfinderwettbewerb in Stuttgart den ersten Preis „aller Kategorien für die wertvollsten Verbesserungen des Motorrads“.

In dieser Zeit ist er auch Gast auf der Rüsselsheimer Opel-Rennbahn, wo der junge Fritz von Opel Hausherr ist. Der Enkel von Firmengründer Adam Opel und Neumann-Neander verständigen sich im September 1928 auf eine Exklusivlizenz: Das erfolgreiche Neander-Stahlpressmodell soll ab sofort auch als Opel produziert und vertrieben werden.

– Neander fertigt auch einen Seitenwagen namens „Pionier“, der von Opel für den Gespannbetrieb empfohlen wird und bei vielen Opel-Händlern erhältlich ist. © Opel Automobile GmbH /TRD hISTORIK

 

Die „bestliegendste Maschine der Welt“ (Neander-Werbung) bekommt von Opel einen eigenen Fünfhunderter-Einzylindermotor in zwei Leistungsstufen (16 und 22 PS) verpasst. Mit einer großen Werbekampagne wird das neue Modell unter dem Namen „Motoclub“ eingeführt. Es ist etwa zehn Prozent günstiger als vergleichbare Neander-Typen, die nach wie vor gebaut werden.

Neander fertigt auch einen Seitenwagen namens „Pionier“, der von Opel für den Gespannbetrieb empfohlen wird und bei vielen Opel-Händlern erhältlich ist.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 beschert der Firma Neander als auch der Opel Motoclub im Folgejahr ein jähes Ende. Während Opel in den wirtschaftlich schwierigen Jahren seinen Status als erfolgreichste deutsche Automarke festigen kann, zieht sich der mittlerweile 60-jährige N2 Schritt für Schritt als Unternehmer zurück.

Sein bekanntestes konstruktives Spätwerk sind die unkonventionellen vierrädrigen „Fahrmaschinen“ aus den Jahren 1934 bis 1939. Diese Leichtbau-Rennwagen stellen eine Mischung aus Motorrad und Automobil dar und erzielen beachtenswerte Erfolge im Motorsport.

Neumann-Neander bleibt auch im Alter seiner Leidenschaft für kreative technische Lösungen treu. Bis 1950 entstehen etliche ebenso ungewöhnliche wie fortschrittliche Zwei- und Dreiräder – allerdings nicht mehr in Serie.

In der Rüsselsheimer Sammlung von Opel Classic steht heute eine fahrbereite 1928er „Supersport“. Mit diesem außergewöhnlichen Motorrad bleibt das Universalgenie N2 in steter Erinnerung – auch und gerade an seinem 150. Geburtstag.

© Global Press Nachrichtenagentur und Informationsdienste KG (glp) / trd mobil