Radfahrlust in Hessen on Tour: „MS – Meine Spur“ machte Halt in Darmstadt

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BeimBeim Pressetermin vorm Klinikum Darmstadt: (v.l.): Klaus Vock, Dagmar Spill (Vorsitzende DMSG Hessen), Günter Hedtmann und Jochen Partsch. Bild: Sonja Thelen Pressetermin vorm Klinikum Darmstadt: (v.l.): Klaus Vock, Dagmar Spill (Vorsitzende DMSG Hessen), Günter Hedtmann und Jochen Partsch. Bild: Sonja Thelen

Im Rahmen der hessenweiten Aktionswoche „MS – Meine Spur“ machte eine Kerngruppe der Darmstädter MS-Gruppe Radfahrlust mit ihren Liegedreirädern jetzt in Darmstadt Halt. Beim verbindenden Weg zwischen der örtlichen MS-Beratungsstelle in der Ahastraße und Klinikum trat auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch, langjähriger Unterstützer der „Radfahrlust“, in die Pedale.

„Vom Radverlust zur Radfahrlust“: Auf diesen Nenner brachte Klaus Vock, Gründer und Organisator der Darmstädter MS-Selbsthilfegruppe „Radfahrlust“, die für ihn persönliche Wende zurück in ein selbstbestimmtes Leben, nachdem ihm die Diagnose „Multiple Sklerose“ vor knapp 20 Jahren den Boden unter den Füßen weg gezogen hatte. Nach der Begrüßung von Dagmar Spill (Vorsitzende DMSG Hessen) zum Pressegespräch von Klinikum Darmstadt, DMSG Hessen und der „Radfahrlust“ erzählte der 59-Jährige, wie nach der Diagnose seine Mobilität zusehends eingeschränkt wurde. Das hatte zur Folge, dass er ausgerechnet in dieser schweren Lebenskrise seine Leidenschaft Fahrradfahren aufgeben musste. Dann entdeckte Vock für sich die Liegedreiräder, auf denen er trotz Gleichgewichts- und Sehproblemen in die Pedale treten kann. Er begann, andere Menschen mit MS für das Radfahren auf drei Rädern zu begeistern, und gründete 2008 in seiner Heimatstadt Darmstadt die „Radfahrlust“. Bei den sonst alljährlichen einwöchigen Touren sind bis zu 50 Teilnehmer auf Spezialrädern unterwegs.

Die Behandlung der Erkrankung Multiple Sklerose habe sich in den vergangenen 30 Jahren erheblich zum Positiven gewandelt. Darauf verwies Günter Hedtmann (Oberarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Darmstadt und Mitglied im Ärztlichen Beirat DMSG Hessen). Weitere wichtige Bausteine sind die sozialrechtliche wie psychosoziale Beratung und die Selbsthilfe, betonte Inke Reinhardt von der MS-Regionalstelle: „Wir sind aber eine Anlaufstelle für viele Angebote wie Malkurse, Stammtisch oder eben die Radfahrlust.“

Die Finanzierung der Räume in der Ahastraße 5 und der Personalkosten stemmt zu einem großen Teil der Freundeskreis Darmstadt der MS-Gesellschaft, betonte deren Vorsitzende Meike Rieken.

Dass Menschen mit MS und Handicaps in der Stadtpolitik und Gesellschaft wahrgenommen werden müssen, darauf legte Oberbürgermeister Jochen Partsch Wert. Benno Rehn, Geschäftsführer der DMSG Hessen, betonte: „Wir sind sehr auf Netzwerke angewiesen. Das sind entscheidende Bausteine, auch um Menschen mit MS Teilhabe zu ermöglichen. Darmstadt ist hier Vorreiter.“ Zugleich könne heute ein MS-Patient durch Ernährung, psychosozialer Beratung und Sport für sich viel Gutes tun. Etwa mit dem neuen „Funktionstraining bei MS“, das Sportwissenschaftlerin Dr. Stephanie Woschek bei der DMSG Hessen entwickelt und aufgebaut hat. So haben sportliche Aktivitäten positive Auswirkungen auf die MS und die psychische Stabilität. „Daher ist meine Bitte an Neurologen, ermuntert MS-Patienten zu Sport und Bewegung“, so Woschek. Bei diesem virtuellen oder Live-Training auf Verordnung zeigen geschulte Trainer, welche Bewegungen und Übungen sich für den Betroffenen eignen.

Weitere Infos: https://www.dmsg-hessen.de/