Ein Designprojekt mit Krimischer Herkunft erhielt eine internationale Auszeichnung.

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Am 29. Oktober wurde im Berliner Schauspielhaus der international renommierteste Preis für Designer „Red Dot Design“ verliehen. Die Auszeichnung wurde dem Kiewer Unternehmen „Plai Büro“ für ein Projekt in der Kategorie „Brand Design“ verliehen, das sich der Entwicklung einer Identität für die Soldaten der ukrainischen Armee widmet, die von 2014 bis 2021 in Kämpfen mit russischen Aggressoren starben. Die wichtigste Umsetzerin des Projekts, die ukrainische Designerin Milena Babina, Binnenflüchtlinge aus der Krim, äußerte sich zur Bedeutung der entsprechenden Identität.

– Wie sehen Sie die Bedeutung des Projekts für die Erinnerung an die gefallenen Verteidiger des Mutterlandes?

– Das Hauptziel des Projekts ist es, die Erinnerung an jeden gefallenen Verteidiger zu bewahren. Denn jeder von ihnen ist eine bestimmte Person, ein Individuum, und jeder von ihnen war ein wichtiger Teil der Gemeinschaft.

Jetzt wirft uns das benachbarte Terrorland sein Kanonenfutter entgegen, das niemand zählt und ohne Namen oder Begräbnis auf unseren Feldern verrotten lässt, um später zu versuchen, irgendeinen „unbekannten Kämpfer“ zu sakralisieren.

Ich glaube, dass dies eine der Manifestationen des grundlegenden Unterschieds zwischen unserer Gesellschaft und der russischen ist. Aber jetzt ist es wichtiger denn je, der Ukraine und der Welt diesen Unterschied aufzuzeigen.

– Hat die russische Aggression die Dimensionen des Projekts verändert?

– Ohne Zweifel wurde die Dimension des Projekts angepasst. Leider erfordert diese umfassende Aggression in ihren schrecklichen Folgen für die Zivilbevölkerung eine erhebliche soziale und geografische Ausweitung der Projekte und stellt das Gedenken an das nationale Gedächtnis vor neue Herausforderungen.

Das ist der Fall, wenn Sie davon träumen, das Projekt so schnell wie möglich abzuschließen, damit sich das Gespräch nur noch um die Vergangenheit dreht. Aber das ist unsere Gegenwart.

– Welche Rolle spielte die Krim in diesem Projekt?

– Da es während der russischen Besetzung keine militärischen Operationen auf der Krim gab, wurde seine Rolle in dem Projekt symbolisch. Das ist immer noch ein unheilbarer Schmerz für jeden Ukrainer, unser großer Verlust.

Für mich als Artdirektorin und Chefdesignerin des Projekts ist die Krim eine verlorene Heimat. Sowie für  die deportierten und dann gefolterten Menschen. Ich hoffe, dass das Projekt das Andenken dieser Menschen ehren wird.

– Wie sollte moderne Kunst auf Bedrohungen durch Atomwaffen und Staatsterrorismus Russlands reagieren?

– Die Kunst freier Länder spiegelt immer die wahre Einstellung der Gesellschaft zu bestimmten politischen Ereignissen wider. Es ist unmöglich, die Aufrichtigkeit von Graffiti auf den Überresten der Berliner Mauer nachzuahmen.

In einem terroristischen Staat dient die Kunst historisch dem Regime. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ungeachtet aller Drohungen für die Freiheit kämpfen und offen sprechen sollen.