Offenbach: Neue Räumlichkeiten des Standesamtes im Bernardbau

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Blick aus dem Trauzimmer auf den Farbholzschnitt von Peter Behrens. Im Bild (v.l.): Leiter des Standesamtes Lars Uhlig, Bürgermeisterin Sabine Groß, Kuratorin im Haus der Stadtgeschichte Katja M. Schneider, Ehemaliger Leiter des Klingspor Museums Stefan Soltek und Michael Herzberg vom Standesamt. (Foto: Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach)

Heiraten erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. In diesem Sinn hat das Standesamt der Stadt Offenbach, gemeinsam mit den beiden städtischen Museen, neue Räumlichkeiten im Bernardbau eingerichtet. Die zwei zunächst schlicht erscheinenden Vorräume und das Trauzimmer liegen direkt im ersten Stock. Die Räume sind gut geschnitten, hell und schaffen durch sorgfältig ausgewählte Kunstwerke und Ausstattungsstücke eine ganz besondere Atmosphäre und Wertigkeit.

Bürgermeisterin Sabine Groß: „Sich das Ja-Wort zu geben, ist ein ganz besonderer Augenblick im Leben. Die standesamtliche Trauung soll daher natürlich auch im passenden Ambiente erfolgen. Mit dem neu gestalteten Trauzimmer im Bernardbau haben wir dafür die passenden Räumlichkeiten geschaffen.“

Unterstützung bei der Gestaltung fanden das Standesamt und das für die Einrichtung zuständige Hauptamt bei den beiden städtischen Museen. Katja Schneider vom Haus der Stadtgeschichte und Stefan Soltek ehemaliger Leiter vom Klingspor Museum beratschlagten mit den Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Ämter, wie mit verschiedenen Kunstwerken der gewünschte Effekt erzielt werden kann. Dabei galt es, zum einen Bilder und ihre Motive so zu wählen, dass sie kulturell übergreifend den Aspekt der Verbindung betonen. Zum anderen sollten die Werke so ausgewählt werden, dass die künstlerische Qualität dem Anlass gerecht wird. Im Ergebnis wurden drei Akzente in den Räumen aufeinander abgestimmt.

Für den lichtgeschützten Vorraum haben die Museums-Fachleute Fotografien des Offenbacher Künstlers Thomas Lemnitzer ausgesucht. Sie thematisieren das Rathaus der Stadt, das bewusst und bildhaft als bürgerschaftliche Zentrale in den Raum des Bernardbaus einbezogen wird. Lemnitzer hat dabei ungewöhnliche Blickwinkel ausgesucht und fotografiert. Die Fotografien lassen die Gliederung des Raumes durch die charakteristischen Betonpassagen des Treppenhauses und der Wände in ein spannungsreiches Geflecht aus Tiefen- und Vordergrund auf der Fläche der Fotografie entstehen. In das feingestufte Grau dringen winzige Farbpartikel, die von der kolorierten Ausstaffierung der Wände herrühren. Stille und Spannkraft der Fotografien übertragen sich unmittelbar auf den gestreckten Raum des Trauareals.

„Zeitlich zur Entstehung des Rathauses, 1971 gebaut, passt die Tafelmalerei, die das Trauzimmer einrahmt. 23 kleinformatige Holztafeln, jede individuell konturiert, sind ein- oder zweifarbig bemalt. Sie stellen damit zwar eine zugegebenermaßen sehr intellektuelle, aber nicht weniger reale Verbindung zum städtischen Rathaus und damit zu der Stadt her, in der die Trauung stattfindet“, so Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. Die hauchfein aufgezogene Farbe verleiht den kleinen Tafelobjekten zusätzliche Delikatesse. Der Basler Maler Rolf Hans (1938-1996) hat mit diesem Ensemble eine Art Kabinett vorgegeben – eine Möglichkeit, die sich im neuen Trauzimmer anschaulich realisiert hat. Der warme Zusammenklang der Farbtöne schafft eine Atmosphäre, die mit dem festlichen Akt der Heirat so unaufgeregt wie auch markant wirken kann. Rolf Hans war Meisterschüler des Quadriga-Künstlers Henz Kreutz, der einige Jahre lang als Dozent an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach tätig war.

Unmittelbar vor dem Trauzimmer begrüßt das angehende Ehepaar ein Kuss. Deutlich vergrößert, prangt jener berühmte Farbholzschnitt, mit dem Peter Behrens 1899 das sinnfällige Motiv eingefangen und in ein dem Jugendstil gemäßes reich bewegtes Linienspiel gerahmt hat. Ein Originalabzug der empfindlichen Grafik befindet sich im Klingspor Museum, lichtgeschützt im Depot. Peter Behrens hat in Offenbach seine Meisterschaft weit über die Architektur hinaus, auch als Schriftkünstler unter Beweis gestellt. Bei Gebr. Klingspor entstand 1901 die Dokumentation seiner für die Schriftgießerei konzipierten Behrens-Schrift, eine der markantesten Schöpfungen ihrer Art überhaupt – sichtbar gemacht unter anderem im Schriftzug „Dem Deutschen Volke“ am Berliner Reichstag.

(Text: PM Stadt Offenbach)