Eppertshausen: Cosmetic Service weiht Lager ein und hat nun fast 100 Mitarbeiter

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„Aus meiner Sicht ist der Facharbeiter-Mangel das größte Problem in Deutschland“: Klaus Grabowsky, Inhaber und Geschäftsführer der Cosmetic Service GmbH, am Freitag bei der Einweihung des neuen Lagers am Unternehmenssitz im Eppertshäuser Gewerbegebiet Ost. (Foto: jedö)

Drittgrößtes Eppertshäuser Unternehmen erreicht zwei Meilensteine / Krieg in der Ukraine hat Folgen

Das nach Mitarbeitern drittgrößte Unternehmen Eppertshausens hat zwei Meilensteine erreicht: Die Cosmetic Service GmbH im Gewerbegebiet Ost hat am vergangenen Freitagnachmittag ihre neue Lagerhalle eingeweiht – und ihre Belegschaft auf mittlerweile fast 100 Personen vergrößert. Inhaber und Geschäftsführer Klaus Grabowsky skizzierte im Rahmen der Feierstunde, mit welchen Herausforderungen seine Firma trotz einer fulminanten Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren zu kämpfen hat.

„Ich will nicht jammern, es geht uns gut“, sagte Grabowsky, dessen Familie das Unternehmen 2012 übernommen hatte und es seither auf einen rasanten Wachstumskurs geführt hat. Cosmetic Service besteht seit 1976. und hat sich seither als Lohnhersteller für Kosmetikprodukte und Desinfektionsmittel im Markt etabliert. In Eppertshausen werden die Rezepturen für die Kosmetik kreiert und die Waren zugleich produziert. Kunden sind Abnehmer aus dem Bereich der „Studio-High-End-Marken“, aber auch Lieferanten von Drogerieketten. Aus der Straße Im Weißen Holz gehen die Produkte beispielsweise zu Kunden in Berlin, Amsterdam und Hongkong.

„Facharbeiter-Mangel größtes Problem in Deutschland“

Bei der Übernahme vor einem Jahrzehnt produzierten zehn Mitarbeiter 3.000 Einheiten täglich. Das hat sich inzwischen jeweils vervielfacht: Die Belegschaft beträgt jetzt 95 Mitarbeiter; nur Habasit und AC Motoren beschäftigen in Eppertshausen noch mehr Menschen. „Wir könnten noch 20 weitere Mitarbeiter einstellen, wenn wir sie denn finden würden“, sagte Grabowsky. Unter anderem Chemikanten und „Facharbeiter, die kleine Teams mit zwei, drei Leuten führen können“, fehlten. Zwar schmerzten derzeit auch die Corona-Lage in China, Nachwirkungen der Pandemie und der Krieg in der Ukraine, „denn zum Beispiel wird aus Weizen auch Alkohol für die Kosmetik gemacht“. Die zentrale und auf absehbare Zeit kaum lösbare Schwierigkeit sei aber eine andere: „Aus meiner Sicht ist der Facharbeiter-Mangel das größte Problem in Deutschland.“

Das neue Lager ist auf einer Fläche von 25 mal 36 Quadratmetern entstanden, 8,80 Meter hoch, hat 1 900 Palettenplätze und ein effizientes Schieberegal, das eigenständig fahren kann. (Foto: jedö)

In Eppertshausen arbeitet ein zu 80 Prozent weibliches und überwiegend aus Mitarbeitern nichtdeutscher Herkunft bestehendes Team in einer Branche, die zwar als zukunftsfest gilt, in der aber sogar mancher Platzhirsch mitunter auch Jobs streicht – wie es kürzlich etwa der im Waschmittel- und Kosmetikgeschäft tätige Henkel-Konzern angekündigt hat. Zwar stehe man selbst gut da, betonte Klaus Grabowsky am Freitag, unterstrich aber auch, „dass wir uns als Mittelstand von der Politik alleine gelassen fühlen“.

Ein konkretes Beispiel dafür gab der Firmenchef mit Fingerzeig auf die neue Lagerhalle, die im kalkulierten Kostenrahmen von rund einer Millionen Euro geblieben sei und auf einer Fläche von 25 mal 36 Quadratmetern (bei einer Höhe von 8,80 Metern) 1.900 Palettenplätze und ein effizientes Schieberegal bietet, das eigenständig fahren kann. Durch den so zusätzlich geschaffenen Platz und ebenfalls millionenschwere Modernisierungen im Bestandsgebäude konnte das Unternehmen, das keine Umsätze kommuniziert, mittlerweile auf die zuvor extern in einer Jügesheimer Lagerhalle gemieteten Palettenstellplätze verzichten. Mit Blick aufs Dach der neuen Halle berichtete Grabowsky derweil, dass in diesen Tagen zum Preis von 160.000 Euro eine Photovoltaik-Anlage bestellt werde. Hierfür werde man weder öffentliches Fördergeld noch die staatliche Übernahme einer Bürgschaft erhalten, merkte er an.

Lange behördliche Bearbeitungsdauer bis zur Baugenehmigung

Grabowsky kritisierte zudem die lange behördliche Bearbeitungsdauer bis zur Baugenehmigung für die neue Halle: „Das Genehmigungsverfahren hat 23 Monate gedauert, der Bau selbst nur neun.“ Wenngleich die offizielle Einweihung mit der Belegschaft, Geschäftspartnern und Vertretern der Gemeinde erst am Freitag erfolgte, ist die neue Halle sukzessive schon seit März in Betrieb gegangen. Nächstes großes Ziel in der Standortentwicklung im Gewerbegebiet Ost ist das Erreichen der Klimaneutralität. Neben der Photovoltaik-Anlage für die Erzeugung des Stroms sollen auch eine neue Solarthermie-Anlage und ein Blockheizkraftwerk mit Holzhackschnitzeln Wärme produzieren und pro Jahr auf nachhaltige Weise insgesamt 280.000 Kilowattstunden aus bislang fossilen Energieträgern ersetzen.

(Text: jedö)