Point Alpha: Die Deutschen und Gorbatschow

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Michail Gorbatschow (am Tisch, Mitte) ist am 17. Juni 2005 Ehrengast im US Camp der Gedenkstätte Point Alpha. Wie auch Helmut Kohl (rechts) und George Bush sen. wurde er mit dem Point-Alpha-Preis ausgezeichnet. Links der Point-Alpha-Initiator Berthold Dücker. (Foto: Point Alpha Stiftung)

Buchvorstellung, Vortrag und Gespräch am 2. Juni mit dem Autor Hermann Wentker auf Point Alpha in Gaisa/Rasdorf

Kein anderes Volk verfolge den Wandel in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow so aufmerksam wie die Deutschen, so der damalige US-Botschafter, Richard Burt. Diese Beobachtung galt für die West- und die Ostdeutschen gleichermaßen. Hermann Wentker ist dem Phänomen „Gorbi“ gefolgt. Sein Buch „Die Deutschen und Gorbatschow“ stellt der Autor am Donnerstag, 2. Juni, bei einem Vortrag im Haus auf der Grenze vor. Das Gespräch mit dem Publikum moderiert anschließend Franz-Josef Schlichting, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen. Beginn ist um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Hermann Wentker, geboren 1959, ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Leipzig und leitet zudem die Außenstelle Berlin des Institutes für Zeitgeschichte, München-Berlin. Er untersuchte zuletzt die Wahrnehmungen des KPdSU-Generalsekretärs und seiner Politik im deutsch-deutschen Kommunikationsraum. Auf Point Alpha analysiert er den Wandel der Gorbatschow-Bilder im diskursiven Prozess zwischen Medien, Politik, Experten und Öffentlichkeit und fragt nach deren Relevanz für das Denken und Handeln der politischen Akteure. „Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis einer Epoche, in der Deutschland, Europa und die Welt dramatische Veränderungen erlebten“, betont Point-AlphaStudienleiter Philipp Metzler.

„Gorbi“ wurde zum Faktor in der Politik der DDR und der Bundesrepublik. Wenig weiß man allerdings darüber, wie der “Mann mit den vielen Gesichtern”, als den Wentker ihn sieht, im geteilten Deutschland wahrgenommen wurde und welche Wirkung das oszillierende Bild entfaltete. Mit „Glasnost“ und „Perestroika“ läutete der heute 91-Jährige das Ende der Sowjetunion und damit das Ende der DDR ein. Grund genug, in ihm einen der entscheidenden Figuren zur Beendigung des Kalten Krieges zu sehen. Jenseits des Eisernen Vorhangs und vor allem im heutigen Russland fällt das Urteil über Gorbatschow mitunter weitaus weniger wohlwollend aus. Kooperationspartner der Veranstaltung, die unter dem Titel „Die Deutschen und Gorbatschow. Der Gorbatschow-Diskurs im doppelten Deutschland 1985 bis 1991“ steht, ist die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

(Text: Point Alpha Stiftung)