Eppertshäuser Triathlet Michael Braunsdorf lag vier Wochen vor Ironman im Krankenhaus

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„Eisenmann“ mit Finisher-Medaille: Der Eppertshäuser Michael Braunsdorf hat beim „Ironman“ in Frankfurt seine erste Triathlon-Langdistanz gemeistert. Foto: jedö

EPPERTSHAUSEN (jedö) Eppertshausen hat einen neuen „Eisenmann“: Seit zwei Wochen und seiner Zielankunft bei der „Ironman European Championship“ in Frankfurt darf sich Michael Braundorf so nennen. Der 36-Jährige finishte erstmals bei einer Triathlon-Langdistanz – und das nicht nur drei Jahre nach seiner Aufgabe an selber Stelle, sondern auch nur vier Wochen nach einem Krankenhaus-Aufenthalt.

„Eisenmann“ nach einem „total verrückten Jahr“

„Das war ein total verrücktes Jahr“, erzählt der Eppertshäuser. Schließlich sei die Vorbereitung auf die Herausforderung über 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 180 Kilometer auf zwei anspruchsvollen Radrunden durch den Main-Kinzig-Kreis und den abschließenden Marathon (42,195 Kilometer) am Frankfurter Main-Ufer alles andere als reibungslos verlaufen.

„Ich bin dieses Jahr nur zweimal geschwommen“, erzählt Braunsdorf beispielsweise. Was man „eigentlich gar nicht laut sagen“ dürfe, entpuppte sich beim Wettkampf Ende Juni nicht mal als Problem. „Ich bin nach einer Stunde zwanzig aus dem Wasser gekommen“, berichtet er. „Damit war ich sehr zufrieden und bin euphorisch aufs Rad gewechselt.“ Das Training in dieser Disziplin hatte der Berufs-Feuerwehrmann in seinen Arbeitsweg zum Frankfurter Flughafen, wo er 24-Stunden-Schichten schiebt, integriert. „Die ersten 140 Kilometer auf dem Rad liefen auch gut“, sagt er. Dann begann die Tortur.

Denn inmitten der zweiten 90-Kilometer-Radrunde begann Braunsdorfs Rücken zu schmerzen. Damit hatte er einen Monat vor dem Ironman bereits arge Probleme gehabt: So schlimm waren die Beschwerden, dass der Eppertshäuser Ende Mai deshalb zwei Tage ins Krankenhaus musste. „Zwei Wochen lang habe ich danach pausiert.“ Erst zwei Wochen vor dem Rennen entschied er: „Ich probier’s!“

Langdistanz in 13:30 Stunden gemeistert

Seine Entscheidung habe nicht allein an den 600 Euro Startgebühr gelegen, die bei Nichtantritt futsch gewesen wären, sagt Braunsdorf. Vielmehr hatte er seinen Start wegen der Corona-Umstände schon aus 2021 in 2022 verlegt – und mit dem EM-Rennen in Frankfurt aus 2019 noch ein Hühnchen zu rupfen: Damals geriet die an sich schon extrem strapaziöse Sache wegen extremer Hitze zur noch größeren Qual. Auch der Eppertshäuser fiel ihr zum Opfer, musste das Rennen 2019 nach der Hälfte des Marathons abbrechen.

Nachdem sich Braunsdorf diesmal mit am Ende schmerzendem Rücken durchs Radfahren gebracht hatte, hätte er erneut selbst nicht mehr viel drauf verwettet, dass er 2022 ins Ziel am Römerberg kommen würde. „Nach den sechs Stunden und acht Minuten im Sattel hat der Rücken ziemlich gezogen. Da noch der ganze Marathon vor mir lag, dachte ich: Das wird wieder nix!“

Dann aber sah der zweifache Familienvater, dessen älterer Sohn acht Jahre jung ist und dessen jüngerer Sohn dieses Jahr zwei wird („Mit einem Kleinkind ist die Vorbereitung auch nicht immer leicht zu planen, außerdem hatte meine Frau ebenfalls gesundheitliche Probleme“), seinen mitgereisten Fanclub. „Der hat mir Kraft und einen Schub gegeben und ich bin einfach mal losgelaufen.“ Die folgenden 42 Kilometer wurden zum Mix aus Joggen und Gehen, zum Kampf mit sich selbst. „Das ist aber auch das Faszinierende an einem Ironman“, meint Braunsdorf, der bis Ende zwanzig Handball beim BSC Urberach spielte, von einem Kollegen mit dem Triathlon-Fieber infiziert worden war und seit sechs Jahren Ausdauersport betreibt. „Die 13 Stunden sind ein ständiges Auf und Ab, man muss das die ganze Zeit lang mit sich selbst ausmachen.“

Der Eppertshäuser blieb im Kopf stark, und auch sein Körper hielt durch: Nach 13:30 Stunden lief er ins Ziel, „ein unbeschreibliches Gefühl!“ Schon jetzt seien die Schwierigkeiten und Schmerzen, die mit seiner ersten erfolgreichen Langdistanz einhergegangen seien, wieder zu den Akten gelegt, lacht Michael Braunsdorf: „Die nächsten Ironman-Wettkämpfe stehen schon in der Planung!“ Im Oktober will der Athlet zudem den Frankfurt-Marathon absolvieren – und schon am 25. September den „Storchenlauf“ des TAV Eppertshausen.