Projekt Catcallsofoffenbach mit dem Sophie von La Roche-Preis 2022 ausgezeichnet

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Im Bild (v.l.): Stadträtin Gertrud Marx, Leiterin des Frauenbüros Dr. Inga Halwachs, die Initiatorinnen des Projekts Catcallsofoffenbach Karin Henkes und Dora Starck, Laudatorin Fatmagül Tuncay, Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke Foto: Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach).

Auf das Rufen verliebter Kater geht das sogenannte Catcalling zurück. Das klingt erstmal niedlich, ist aber kein Kavaliersdelikt. Sondern bezeichnet Anzüglichkeiten und verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt im öffentlichen Raum.

Seit 2020 machen Dora Starck und Karin Henkes mit dem Projekt #Catcallsofoffenbach Frauen und Mädchen gegen Alltagssexismus und sexualisierte Belästigung stark: Via Twitter können Betroffene Catcalls, also Aussagen wie wie „Hey, geiler Arsch“ oder „Ey, willste gef**** werden?“ melden. Diese werden gesammelt und an dem Ort, an dem die Belästigung erlebt wurde, mit Kreide sichtbar gemacht. Ein Foto und die anonymisierte Originalnachricht mit den Hashtags #stopptbelästigung und #metoo werden dann auf Twitter gepostet.

Mit der Verleihung des diesjährigen Sophie von La Roche-Preis an das Projekt Catcallsofoffenbach zeichnet die Stadt Offenbach das Engagement für die Gleichstellung von Frauen und Mädchen und gegen Alltagssexismus und sexualisierte Belästigung im öffentlichen Raum aus. Der mit 1.500 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre an Privatpersonen oder Initiativen verliehe, die sich auf kulturellem, sozialem und gesellschaftspolitischem Gebiet für die Geschlechtergleichstellung und gegen Diskriminierung engagieren. Die Preisverleihung fand am gestrigen Mittwoch, 13. Juli 2022, im Klingspor Museum statt.

„Catcalling“ ist kein Kompliment!

„Catcalling ist Ausdruck patriarchaler Gewalt und damit ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ich danke Dora Starck und Karin Henkes für ihr Engagement in unserer Stadt. Sie geben betroffenen Menschen eine Stimme, machen Unrecht sichtbar und signalisieren: Catcalling ist kein Kompliment“, sagte Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke in der Begrüßung. Aufdringliche Blicke, Pfeif- oder Kussgeräusche, anzügliche Sprüche auf offener Straße oder übergriffige Nachrichten auf Social Media sind grundsätzlich eine Belästigung und unangemessen.

Nach einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erleben 44 Prozent der Frauen, aber auch 32 Prozent der Männer, in Deutschland Situationen, in denen sexistische Zeichen und Übergriffe an sie adressiert sind. Während verbale sexuelle Belästigung in Frankreich, Belgien, Portugal als mit Geldstrafen bewehrte Straftat gilt, wird die Gesetzeslage in Deutschlage noch diskutiert.

„Dass Frauen und Mädchen scheinbar selbstverständlich und tagtäglich mit Catcallings leben müssen, ist unfassbar. Catcallings schränken die Bewegungsfreiheit ein, Frauen und Mädchen beginnen, Bereiche im öffentlichen Raum zu meiden und können nicht mehr selbstbestimmt in der Öffentlichkeit auftreten“, weiß Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Zumal sich Belästigungen auf der Straße bei Betroffenen auch körperlich und emotional auswirken: Sie berichteten von körperlichen Symptomen wie Muskelverspannungen, Atembeschwerden, Schwindel und Übelkeit sowie starker Angst, beispielsweise vor Vergewaltigung oder dem Verlust von Privatsphäre.

Sprachrohr für Betroffene von sexueller Belästigung

„Wir verstehen uns als Sprachrohr für Betroffene von sexueller Belästigung und möchten diese darin bestärken, dass sie nicht alleine sind. Wir möchten dazu beitragen, dass Catcalls nicht als unbeholfene Komplimente kategorisiert werden, die ausgehalten werden müssen, sondern als sexuelle Belästigungsform erkannt und eingeordnet werden“, erklären die Initiatorinnen der Catcallsofoffenbach, Karin Henkes und Dora Starck. Ihr Projekt ist Teil der internationalen ChalkbackBewegung, die ihren Ursprung in New York hat.

„Catcalling ist kein Einzelschicksal bestimmter Frauen oder Mädchen. Es kommt überall vor und zu jeder Zeit. Es betrifft junge und alte, unabhängig von Herkunft oder Religion. Deshalb dürfen wir Catcalling nicht länger tolerieren. Ich danke den Initiatorinnen von Catcallsofoffenbach für ihren mutigen Einsatz in unserer Stadt und hoffe, dass das Projekt zukünftig noch größere Unterstützung und Aufmerksamkeit erhält“, lobte die Stadträtin Gertrud Marx, Vorsitzende der Gleichstellungskommission und Juryvorsitzende, die Initiatorinnen in ihrem Grußwort.

(Text: PM Stadt Offenbach)