Heißes Sommerwetter: Was tun, wenn Wildtiere verdursten?

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Die Zwergfledermaus lässt sich normalerweise nicht am Tage blicken. Dieses Weibchen ist allerdings so geschwächt, dass es sich auf einer kleinen Steinmauer niedergelassen hatte. (Foto: yfi)

OBERTSHAUSEN (yfi) 36 Grad und es wird noch heißer – so lautet eine Zeile aus dem 2014 erschienen Lied von 2RaumWohnung. Genau das zeigte uns den vergangenen Tagen das Außenthermometer an. Darunter leiden nicht nur Menschen, sondern auch Tiere gleichermaßen. Wie sehr erlebte unsere Redakteurin Yvonne Fitzenberger vor kurzem.

Der Auftrag war simpel: Die elterlichen Blumen während des Urlaubs vor dem Verdursten bewahren. Überraschenderweise gesellt sich dazu noch ein anderes Lebewesen – eine Zwergfledermaus. Das Weibchen liegt geschwächt auf dem steinernen Mäuerchen vor dem Wasserhahn im Obertshausener Garten. Es kann kaum die Augen offenhalten und versucht noch nicht einmal, sich zu verstecken. Was tun? „Generell sollte jedes in der Hitze gefundene Tier als erstes Mal Wasser bekommen“, rät Tanja Reichstetter, zuständig für das Praxismanagement der Tierklinik Dr. Trillig in Obertshausen. Sei es durch Eingeben oder einfach mal vorsichtig nass spritzen. Gesagt, getan! Aus einem kleinen Deckel eines ausgespülten Marmeladengläschens trinkt das kleine Säugetier.

Aber wie geht es weiter? Die Fledermaus liegt immer noch auf dem Stein, bewegt sich nur minimal, um im Schatten zu bleiben. „Bei gefundenen Wildtieren sollte man sich mit der für die Art zuständige Pflegestelle in Verbindung setzen“, sagt Reichstetter. „Denn nur diese sind befugt, Wildtiere zu versorgen.“ Für Obertshausen und Umgebung kann unter anderem die Wildtierarche Rodgau Hilfe anbieten. In diesem Fall gibt es sogar Hilfe direkt im Ort: Ute Wernicke. Wernicke kümmerte sich jahrelang aktiv um Fledermausfunde. Nun hilft sie, Fundtiere an offene Pflegestellen zu vermitteln.

Mit Handschuhen und Handtuch geht es mit der heimischen Zwergfledermaus zu Wernicke, die das ausgewachsene Weibchen erst einmal untersucht. Wie vermutet, ist es dehydriert und leicht untergewichtig. Die hohen Temperaturen machen nicht nur die Suche nach Wasser schwieriger, auch die Nahrung – Insekten – lässt sich nicht so einfach finden. Zumindest für Wasserquellen kann so gut wie jeder Mensch sorgen. Um zu helfen, können Garten- und Balkonbesitzer Behältnisse in verschiedenen Größen, Tiefen und Höhen aufstellen und -hängen, gibt Tanja Reichstetter als Tipp weiter.

Die Tierschutzorganisation Peta weist darauf hin, dass gut gemeint nicht immer gut sei. Gerade bei Jungtieren raten die Tierschützer zunächst einmal das Tier zu beobachten: „In den meisten Fällen sollte man Jungtiere allein lassen. Ausnahmen sind, wenn das Tier ganz eindeutig krank, verletzt, verwaist oder in direkter Gefahr ist.“

Wer ein Wildtier findet, kann sich im Kreis Offenbach beispielsweise an die Wildarche Rodgau, www.wildarche-rodgau.de wenden. Mehr Informationen zum Fledermausschutz und -hilfe gibt es unter www.fledermausschutz-suedhessen.de. Auch der örtliche Nabu kann Auskunft zu regionalen Wildtierstationen geben.