Hochtaunuskreis: Startschuss für Forschungsprojekt zum nachhaltigen Pendeln

114
(Symbolbild: Sahin Setzer auf Unsplash)

Nachhaltige Mobilität und Alternativen zum Autofahren im Alltag sind gefragter denn je. Das spiegelt sich auch im Interesse für das Reallabor zum Pendeln im Hochtaunuskreis wider: Über 60 Bewerbungen sind eingegangen, unter denen 20 Teilnehmer aus verschiedenen Teilen des Landkreises ausgewählt wurden.

Letzte Woche fand der Auftakt zum Realexperiment statt. Um unnötige Fahrten zu vermeiden, selbstverständlich online. In der zweistündigen Veranstaltung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen, sich über ihr Pendelverhalten auszutauschen und mehr über das Experiment und die Maßnahmen zu erfahren.

Um die passende Alternative für den Arbeitsweg zu finden, folgt jetzt für jeden Einzelnen eine umfassende individuelle Mobilitätsberatung. Dabei wird nicht nur der Arbeitsweg betrachtet, sondern es werden auch die weiteren Faktoren, die das Pendeln beeinflussen, unter die Lupe genommen. Das sind beispielsweise Einkäufe, die nach der Arbeit erledigt werden, oder auch das Absetzen von Kindern morgens an der Schule.

Anschließend haben die Teilnehmenden bis Dezember dieses Jahres die Möglichkeit, kostenfrei die für sich passende Alternative zum eigenen Pkw auf dem Arbeitsweg auszuprobieren. Ein Online-Forum zum Austausch mit anderen Teilnehmenden und dem Projektteam soll den Umstieg zusätzlich erleichtern.

Maßnahmen an individuelle Wege und Lebensumstände angepasst

Die angebotenen Maßnahmen umfassen das Arbeiten in einem Co-Working-Space, die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, eines Pedelecs, oder eines Elektroautos – je nach den individuellen Wegen und Lebensumständen. Zusätzlich erhalten alle Teilnehmenden eine Pauschale ausgezahlt, die sie nach Bedarf investieren können. Ziel ist selbstverständlich auch hier die Erleichterung des Umstiegs vom motorisierten Individualverkehr. Konkret kann das bedeuten, dass Regenkleidung fürs Fahrrad angeschafft wird, Fahrradtaschen oder ein Einkaufstrolley. Andere mögliche Anschaffungen, um Transportwege zu vermeiden, sind der Kauf eines Wassersprudlers oder einer Gemüsekiste.

Ideen für passende Maßnahmen im Hochtaunuskreis wurden zuvor gemeinsam mit Vertretern aus allen Städten und Gemeinden des Kreises sowie der Mobilitätsbeauftragten des Kreises, dem Verkehrsverbands Hochtaunus (VHT) und dem ADFC gesammelt. Das Projektteam des ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung) hat diese Ideen strukturiert und für die Umsetzung im Rahmen des Forschungsprojektes ausgearbeitet.

Für die Teilnehmenden beginnt mit dem Auftakt eine spannende Zeit: Sie werden ihre tagtäglichen, teilweise seit Jahren etablierten Pendelroutinen auf den Kopf stellen. Viele haben sich bereits vor oder mit Beginn des Experimentes Gedanken über eine nachhaltige Gestaltung ihres Arbeitsweges gemacht. Nicht immer ist es jedoch einfach, umzusteigen und das Auto komplett stehen zu lassen. Hier soll die Mobilitätsberatung helfen, Hürden abzubauen und für jeden eine passende Lösung zu finden.

Hintergrund

Das Pendleraufkommen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. Allein in der Region Frankfurt Rhein-Main pendeln täglich mehr als eine halbe Million Menschen, überwiegend mit dem Auto. Das hat nicht nur Folgen für die Umwelt und für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen, die pendeln, sondern auch für die Bewohnerinnen und Bewohner in den sogenannten Einpendlerstädten. Im Forschungsprojekt „PendelLabor“ des Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BMFB) unter der Leitung des ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach tragfähigen Alternativen zu gängigen Pendelroutinen.

(Text: PM Hochtaunuskreis)