Erfolgreicher Artenschutz: Vorkommen der Sand-Silberscharte in Südhessen verdoppelt

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Sand-Silberscharte (Foto: Thomas Huntke auf WikipedieCommons)

Erfolg beim Artenschutz für die extrem gefährdete Sand-Silberscharte: Die Zahl der Standorte in Südhessen hat sich seit 2003 von 16 auf 32 Habitatflächen verdoppelt. Das geht aus dem durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) aktualisierten Artenhilfskonzept hervor. Mehrere zwischenzeitlich erloschene Populationen konnten durch erfolgreiche Wiederansiedlung wieder neu aufgebaut werden.

„Das ist ein riesiger Erfolg für den Artenschutz“, dankte Umweltstaatssekretär Oliver Conz allen beteiligten Akteuren bei seinem Besuch von Pflege- und Schutzmaßnahmen. Insbesondere dankte er Reiner Stürz und seinem Team vom Landschaftspflegehof Stürz, das sich seit Jahren für den Naturschutz einsetzt und durch gezielte Beweidung mit Schafen, Ziegen und Eseln wichtige Flächen für die Sand-Silberscharte erhält oder neu schafft.

„Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Die Sand-Silberscharte steht stellvertretend für die landesweit gefährdeten und mit besonderem Artenreichtum ausgestatteten Sandtrockenrasen“, erklärte der Umweltstaatssekretär. Den entscheidenden Durchbruch beim Schutz der Sand-Silberscharte gab es durch das Etablieren von an den Naturschutz angepassten Beweidungssystemen in den beiden wichtigsten Vorkommensgebieten in Südhessen. Zudem seien spezifische Schutzmaßnahmen für die einzelnen Standorte notwendig gewesen, erläuterte Conz.

Klimakünstlerin mit wunderschönen lila Blüten

„Die Sand-Silberscharte ist eine Klimakünstlerin mit wunderschönen lila Blüten, erträgt Hitze und Trockenheit wie kaum eine andere Pflanze – und trotzdem ist die Sand-Silberscharte bundesweit extrem gefährdet“, erklärte der Umweltstaatssekretär. So besitzt die krautige Pflanze verzweigte Pfahlwurzeln, die sogar bis zu 2,5 Metern Länge in den Boden reichen. Trotz dieser Anpassung an klimaextreme Standorte ist die Pflanze bedroht, denn ihr Lebensraum – typisch sind Sandtrockenrasen auf offenen, kalkreichen Sanden oder Waldlichtungen – wurden in der Vergangenheit überbaut, durch Sandabbau abgegraben oder aufgeforstet. Zudem sind Standorte durch eine intensivierte landwirtschaftliche Nutzung oder das Zuwachsen mit Büschen und Gräsern gefährdet.

Der gelungene Schutz der Pflanze in Hessen soll nun auch Impulse für andere Artenschutzprojekte geben: „Der Erfolg bei der Sand-Silberscharte ist ein besonders schönes Beispiel dafür, dass durch praxisorientierten Einsatz eines kenntnisreichen Kümmerers in enger Zusammenarbeit mit den Naturschutz- und Landschaftspflegebehörden sehr schnell positive Entwicklungen, auch bei extrem gefährdeten Arten, erreicht werden können“, so der Umweltstaatssekretär abschließend.

Hintergrund

Die Sand-Silberscharte mit dem botanischen Namen Jurinea cyanoides befindet sich in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union und wird hier als prioritäre Art für Schutzbemühungen nochmals hervorgehoben. Die Mitgliedstaaten haben für diese Arten einen günstigen Erhaltungszustand zu gewährleisten. Die Art ist somit streng geschützt. In Deutschland existieren nur noch wenige, stark isolierte Vorkommen der Art. In Hessen beschränken sich diese auf die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Bergstraße. Die hessischen Bestände sind für die Gesamtpopulation Europas von großer Bedeutung. Entscheidend für das Überleben der Art ist der Erhalt und die sachgemäße Pflege der Sandtrockenrasen-Standorte.

Weitere Informationen sind dem Artenhilfskonzept Sand-Silberscharte und dem entsprechenden Artensteckbrief zu entnehmen:

Artenhilfskonzept: https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/artenschutz/steckbriefe/Farn_und_Bluetenpflanzen/Hilfskonzepte/Artenhilfskonzept_2020_Sandsilberscharte_Jurinea_cyanoides_.pdf

Artensteckbrief: https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/artenschutz/steckbriefe/Farn_und_Bluetenpflanzen/Steckbriefe/Artensteckbrief_2015_Sand_Silberscharte_Jurinea_cyanoides_01.pdf