Rödermärker Umweltfreunde sind seit drei Jahren aktiv

49
Gesammelte „Werke“ der Umweltfreunde. (Foto: Stadt Rödermark)

Ausblick auf Sauberkeitskampagne ab Herbst 2022

Dass neben dem leider „üblichen“ Verpackungsmüll manchmal auch skurril anmutende Objekte achtlos in die Landschaft geworfen werden: ein Tresor, ein Schwangerschafts-Testset, ein Stapel Porno-Filme, verschlissene Unterhosen… Das mag all jenen, die sich beim Rausfischen solcher Dinge aus Büschen und Gestrüpp nicht die Finger schmutzig machen, ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Doch die Umweltfreunde Rödermark, die seit nunmehr drei Jahren auf ehrenamtlicher Basis als Müllsammler für ein gepflegte(re)s Ortsbild im Einsatz sind, lächeln über derart außergewöhnliche Funde mit bizarrer Note eher müde – wenn überhaupt. Denn schließlich sind die Gesamtmengen der illegalen Ablagerungen, die im Laufe eines Jahres auf Gehwegen, rund um Parkbänke sowie in Feld und Wald entdeckt, aufgehoben und in Säcke verfrachtet werden, geradezu schwindelerregend. Jeweils rund 6.000 Kilogramm Abfall der Kategorie „wild entsorgt“ wurden 2020 und 2021 verbucht. Ein riesiger Haufen also, den ein überschaubares Häufchen von Idealisten zum Wohle der Allgemeinheit zusammengetragen hat. Wer wollte widersprechen? Keine Frage: Sowohl optisch als auch unter biologisch-chemischen Aspekten (Stichwort: Giftstoffeinträge in den Boden) ist die Flut von Unrat ein Unding.

Michael Ihm und seine Frau Nicole hatten 2019 den Anstoß in Sachen „Umweltfreunde“ geliefert. Sie scharten eine kleine Gruppe um sich – und die trifft sich seither am zweiten Samstag eines jeden Monats um 9.30 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Badehaus zum Ausschwärmen. „Wir sind ein Verband von Einzelkämpfern, ganz locker strukturiert, ohne kompliziertes Regelwerk, ohne Hierarchie. Die meisten von uns sind auch jenseits der kollektiven Müllsammeltermine sehr aktiv, weil wir einfach alle erkannt haben, dass sich die ausufernde Problematik schon längst nicht mehr mit einem Gemarkungsputz pro Jahr eindämmen und kaschieren lässt.“ So klingt es, wenn Michael Ihm die Frage „Was treibt Sie an?“ beantwortet. Er erwähnt in diesem Zusammenhang auch exemplarisch Karl-Otto Donners, der das Projekt mit viel Energie und Ausdauer tatkräftig unterstützt. Gleiches gilt für Frank Schemm, einen Rödermärker, der sich dem „Plogging“ verschrieben hat. Wer den Begriff noch nie gehört hat, dem sei ein Klick auf Wikipedia empfohlen: „Plogging ist ein Kofferwort, gebildet aus den Bestandteilen plocka (Schwedisch für ‚aufheben, pflücken‘) und Jogging. Es handelt sich um eine Natursportart, bei der die Vermüllung der Landschaft bekämpft und der Abfall dem Recycling-Kreislauf zugeführt wird.“

Was gibt einem Kraft und Motivation, im Kampf gegen die Schattenseiten der Konsumgesellschaft und das ignorante Verhalten vieler Zeitgenossen so zäh und ausdauernd am Ball zu bleiben? Oder sogar einen Sport daraus zu machen? Nicole Ihm muss nicht lange überlegen, sie sagt: „Einer muss doch damit anfangen, etwas gegen diese schlimme Entwicklung zu tun.“ Zu resignieren und irgendwann im Müll zu ersticken: Das könne keine Lösung sein. Und so fühlen sich die Umweltfreunde auch nicht isoliert und im Stich gelassen. Gelobt wird die Kooperation mit den Kommunalen Betrieben der Stadt (KBR), die die Abfuhr der Müllsäcke übernehmen. Mehr noch: Dass im September dieses Jahres eine groß angelegte Sauberkeits- und Nachhaltigkeitsoffensive vom Stapel gehen soll und dass die Stadt bei eben dieser Info- und Aufräum-Kampagne auch Kindergärten und Schulen im Blick hat… Das sei ein guter Ansatz, denn gerade junge Menschen müssten in noch viel stärkerem Maße für die Materie sensibilisiert werden. Sie wolle den Dialog suchen und sich auf diesem Feld engagieren, erläutert Nicole Ihm. „Verbesserung der Umwelterziehung in Bildungsstätten“: Das ist das dazu passende Projekt, eines von insgesamt elf, die unter KBR-Regie angeschoben und zur besagten Kampagne gebündelt werden sollen.

Wie Michael Ihm ein Erfolgserlebnis definieren würde? „Erfolg“: Gibt es den überhaupt beim Kampf gegen Vermüllung in diesem unendlichen Räderwerk, das immer wieder neuen Dreck ausspuckt und hässliche Szenarien hervorbringt? „Ich freue mich, wenn Leute anerkennen, was ich und meine Mitstreiter tun und wenn ich dafür auch mal ein ‚Danke‘ zu hören bekomme. Und noch schöner ist es natürlich, wenn neue Gesichter bei uns auftauchen und mitmachen“, betont Ihm in der Hoffnung, auch künftig immer wieder Gleichgesinnte zu finden. Umweltfreunde Rödermark – der Name gibt die Richtung vor. Nicht Singular, sondern Plural ist angesagt.

Wer sich näher informieren und mithelfen möchte, findet Termine und Kontaktdaten im Internet auf blog.ufrm.de.

(Text: PM Stadt Rödermark)