Offenbach: Land Hessen fördert weitere Projekte zur Bespielung des Stadthofes mit 300.000 Euro

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Im BIld (v.l.): Hessischer Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, Anna-Maria Rose von der Agentur Mitte und der Direktor des Hessischen Städtetages, Stephan Gieseler. (Foto: Hans-Jürgen Herrmann)

Beim Gang durch die Offenbacher Innenstadt wird schnell deutlich: „Vieles ist nicht so, wie wir uns das alle wünschen“, betont Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Deshalb hat die Stadt Offenbach ein Zukunftskonzept für die Innenstadt entwickelt, das dazu beitragen soll, die Innenstadt positiv zu entwickeln. Wir müssen den Menschen neue und gute Gründe geben, in das Herz der Stadt zu kommen“, so Schwenke. Diese Erkenntnis gewinnen zunehmend auch andere Städte, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie Offenbach: Der Einzelhandel ist auf dem Rückzug, Leerstände bleiben oft aufgrund überhöhter Mietforderungen der Eigentümer bestehen. „Die Innenstädte werden künftig nicht mehr dieselben sein wie früher, der Handel wird nicht zurückkehren, das kann keine Kommune versprechen.“ Deshalb arbeitet die Stadt an neuen Ideen und Konzepten für Kultur, Teilhabe und Wohnen in der Innenstadt. Für diese Ideen und Konzepte wurde die Stadt Offenbach nun zum dritten Mal vom Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ mit der Höchstsumme ausgezeichnet.

Nachdem die Stadt Offenbach in der ersten Förderrunde Ende 2021 bereits über eine Million Euro für die „Station Mitte“ sowie 250.000 Euro für weitere Projekte erhalten hatte, überreichte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bei der Preisverleihung des Landesprogramms „Zukunft Innenstadt“ am vergangenen Dienstag, 27. Juli, einen Bescheid über 300.000 Euro für weitere Projekte. Mit dem Landesprogramm fördert das hessische Wirtschaftsministerium die innovativsten Konzepte für eine lebendigere Innenstadt. Entgegengenommen haben den Preis Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke und Anna-Maria Rose von der Agentur Mitte bei der Wirtschaftsförderung. Die Preisverleihung fand in den Räumen der IHK Offenbach an der Frankfurter Straße statt.

Positive Veränderungen funktionieren nicht mit einem Handstreich

Oberbürgermeister Schwenke: „Positive Veränderungen, wie wir sie für unsere Innenstadt brauchen, funktionieren nicht mit einem Handstreich. Wir benötigen dafür einen langen Atem und vor allem auch die Bereitschaft der Eigentümer hier mitzumachen. Nur dann kann unser Zukunftskonzept erfolgreich sein. Und weil mir bewusst ist, dass das alles seine Zeit braucht, war das Zukunftskonzept eine der ersten Dinge, die ich als Oberbürgermeister mit dem Verein Offenbach offensiv direkt angegangen bin. Das alles in engem Schulterschluss mit Eigentümern, Händlern und den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in den Prozess einbringen konnten und noch immer können.“ Die erneute Preisverleihung gibt den Beteiligten Rückenwind für diesen Weg: „Es freut mich, dass die gemeinsame Arbeit hier in Offenbach ein weiteres Mal so viel Anerkennung von außen erfährt und Offenbach sich gegen gute andere Konzepte in der Jury durchgesetzt hat. Mit der Förderung können wir nun weitere Projekte zur temporären Bespielung am Stadthof und der Aufwertung von öffentlichen Flächen finanzieren und anschieben“, sagt Anna-Maria Rose von der Agentur Mitte, die für die Gesamtkoordination aller Projekte des Zukunftskonzepts verantwortlich ist.

Oberbürgermeister Schwenke zeigt Verständnis für das Gefühl einiger, wonach die Umsetzung des Konzeptes nicht schnell genug vorangehe: „Die Umsetzung ist ein Prozess, bei dem vieles erstmal ausprobiert werden muss. Das machen wir bereits sehr aktiv: Mit der Klima- und Wetterwerkstatt, dem noch bis 7. August offenen Beachclub, der Sanierung des Marktplatzes, und verschiedenen Zwischennutzungen wie dem Superladen, Offenbachs Neue oder dem Kaufhaus UND haben wir bereits viele Anreize geschaffen, um wieder in die Innenstadt zu kommen. Und genau dafür gewinnen wir Preise. Weil unabhängige Expertinnen und Experten diese Projekte als gut und zukunftsweisend bewertet haben. Die Förderung des Landes Hessen ermöglicht uns, weitere Projektideen in die Planung und Umsetzung zu bringen.“

Zuschuss von bislang 1,55 Millionen Euro

Mit einem Zuschuss von nunmehr 1,55 Millionen Euro unterstützt das Land Hessen die Offenbacher Ansätze zur Aufwertung der Innenstadt im Rahmen des Zukunftskonzepts Innenstadt. Für das Projekt der „Station Mitte“ hatte Offenbach 2021 in der ersten Runde des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ den ersten Preis des Landes erhalten, der alleine mit einer Million Euro prämiert war. Die „Station Mitte“ ist als zentraler Treffpunkt für Bildung und soziales Miteinander vorgesehen. Dabei ist die Idee, den Neubau der Stadtbibliothek in die Innenstadt zu verlegen. Aktuell erfolgt dazu eine Machbarkeitsstudie, eine Empfehlung zur politischen Entscheidung soll bis Ende des Jahres erfolgen.

Mit weiteren 250.000 Euro Fördergeld des Landes, das bereits 2021 an die Stadt ging, wurden zudem vier weitere Schlüsselprojekte des Offenbacher Konzeptes unterstützt. Dazu gehörte unter anderem das Projekt UND, das gemeinsam von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, dem Verein VAIR e.V. und der Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach organisiert wurde. Das UND Offenbach bot als kommunikativer Treffpunkt im Stadthof einen Mix aus internationalen und regionalen, merkantilen wie kulturellen Angeboten: Lebensmittel, Essen und Trinken, Handwerk, Textilien, Musik, Performance, Film, Literatur, Alltagskultur, Wissenstransfer, Gemeinschaft und Teilhabe. Zu den weiteren Projektideen gehört auch die „Testraum-Allee“ als eine öffentlich-private Kooperation. Das Projekt soll dabei unterstützen, Ladenflächen neu zu beleben und kreativen Stadtmachern den Raum zu geben, um innovative Geschäftsideen auszuprobieren.

Mit weiteren Projekten, wie der Umnutzung des Rathaus-Pavillons auf dem Stadthof, sollen neue Orte geschaffen werden, die Nutzerinnen und Nutzern sowie Besucherinnen und Besuchern Lust auf die Innenstadt machen. Die Räumlichkeiten des Pavillons sollen bis zum Umbau für die dauerhafte Nachnutzung verschiedene Verwendung finden. Die bisher angedachten Nutzungen gehen von einem Info- und Veranstaltungs-Raum, der Themen rund um das Zukunftskonzept und dessen Projekte aufgreift, über temporäre Kunst-Installationen, bis hin zu möglichen Testpiloten verschiedener Zukunftsprojekte.

Hierfür müssen die Räumlichkeiten ertüchtigt werden. Um dies möglichst nachhaltig zu erreichen, verfolgt die Stadt Offenbach die Erstellung eines veredelten Rohbaus durch teilweisen (vorgezogenen) Rückbau. Die Anschaffung der temporären Grundausstattung ist durchgehend mobil und soll nach dem Ende der Zwischennutzung weiterhin für andere Zukunftsprojekte in der Innenstadt verwendet werden.

Hilfe für Start-Ups und lokale Erzeuger

Des Weiteren möchte die Stadt Offenbach in zwei Verkaufsautomaten investieren, die Start-Ups und lokalen Erzeugern die einfache Möglichkeit geben sollen, Produkte zentral in der Innenstadt zu bewerben und zu verkaufen. Wichtiger Vorteil der Automaten: man kommt ohne (zusätzliches) Personal aus und profitiert von einer fortlaufenden Kommunikations-Kampagne des Stadt-Marketings. Die Automaten können innerhalb der Innenstadt flexibel weiterziehen.

Eine weitere Idee, wie man den Pavillon temporär weiter beleben kann, ist die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern. Die Stadt Offenbach hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit solchen Kooperationen in anderen Stadtteilen gemacht. Davon soll nun auch die Innenstadt profitieren und dazu laufen bereits erste Gespräche mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern. Ermöglicht werden soll eine unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem Ort in der Offenbacher Innenstadt. Der ehemalige Polizeiladen soll sich für den Zeitraum der Aktion mehrmals in der Woche für ein vielfältiges Publikum öffnen und so helfen, dem Leerstand einen besonderen Platz in der Wahrnehmung der Offenbacherinnen und Offenbachern zu geben.

Weiterhin soll mit dem als Schlüsselprojekt ausgewiesenen Vorhaben „Grünes Band“ der öffentliche Raum aufgewertet werden und wieder mehr zum Verweilen einladen. Die Ideen hierfür sind vielfältig, unter anderem sollen Initiativen zur Begrünung der Innenstadt gefördert werden. Die Planungen zu den verschiedenen Zukunftsprojekten erhalten nun 300.000 Euro Landesförderung und sollen wichtige Bausteine zur Umsetzung des Zukunftskonzeptes Innenstadt sein.

„Alle Projekte werden gesamtorganisatorisch begleitet. Das heißt, neben der Stadt sind auch Vereine, Ladeninhaber und die Bürgerinnen und Bürger involviert. Wir müssen dabei auf das Engagement der Eigentümerinnen und Eigentümer setzen, da wir als Stadt kaum über eigene Räume und Immobilien verfügen“, so Anna-Maria Rose.

Programm „Zukunft Innenstadt“

Das Land hatte Anfang 2021 das Programm „Zukunft Innenstadt“ ins Leben gerufen, um die hessischen Städte bei der Bewältigung der Pandemiefolgen zu stärken und negativen Veränderungen in den Stadtzentren durch innovative, zukunftsweisende Konzepte entgegen zu treten. In Offenbach konnte man bei der Bewerbung um die Landesfördermittel auf das Zukunftskonzept Innenstadt mit dem Titel „Offen Denken“ zurückgreifen, das 2020 bereits als Richtschnur für die künftige Entwicklung der Innenstadt beschlossen worden war. Es wurde gemeinsam mit dem Verein Offenbach offensiv e. V. unter Beteiligung vieler Innenstadtakteure erarbeitet und beinhaltet Projektideen, die jenseits klassischer Einzelhandelskonzepte neue Nutzungen im Stadtzentrum verwirklichen sollen.

(Text: PM Stadt Offenbach)