Stadt Darmstadt erhält 270.000 Euro für Projekt „Corona Datenlage“

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Oberbürgermeister Jochen Partsch mit Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus (Foto: HMinD)

Die Entwicklung der Corona-Pandemie besser verstehen. Das ist Anlass für das Projekt „CoDa – Corona Datenlage Darmstadt“. Mit diesem will die Wissenschaftsstadt Darmstadt gemeinsam mit weiteren Beteiligten Erkenntnisse zu Infektionsherden gewinnen, die bereits frühzeitig und gegebenenfalls lokal begrenzt konkrete Maßnahmen ermöglichen. Das Land Hessen unterstützt das Projekt durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ mit 270.000 Euro. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat die Zusage an Oberbürgermeister Jochen Partsch überreicht.

„Dem Virus möglichst dicht auf den Fersen zu sein, ist eine wünschenswerte und sinnvolle Absicht. Wenn es gelingt, die Infektionsherde lokal einzugrenzen, müssen auch keine großflächigen Verbote und Schließungen ausgesprochen werden, sondern können räumlich begrenzt werden“, sagte Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. „Dies ist sinnvoll, um nicht immer wieder große Teile der Bevölkerung zu belasten, sondern kleinräumigere Maßnahmen vorzuschreiben. Dies schafft sicherlich mehr Verständnis und Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern.“

Neue Erkenntnisse und Einschätzungen des Infektionsgeschehens

Kern des Projekts ist die digitale Verknüpfung der Gesundheits- und Mobilitätsdaten mit den Daten aus Abwasserproben, die Nachweise einer vorhandenen Virenlast erbringen. Die Proben werden drei Mal pro Woche an den beiden Kläranlagen entnommen und können bei Bedarf durch zusätzliche Proben aus bis zu 14 Pumpstationen ergänzt werden, so dass sich das Geschehen weiter eingrenzen lässt. Die Mobilitätsdaten kommen vom Mobilitätsamt sowie der Datenplattform der Digitalstadt Darmstadt und werden um weitere externe Daten wie zum Beispiel des stadteigenen WLANs oder Besucherfrequenzen ergänzt. Durch die Kombination von Abwasserproben sowie Mobilitäts- und Bewegungsdaten versprechen sich die Projektverantwortlichen einen besseren Aufschluss über die Verbreitungswege der Viren. Die automatisierte Erfassung, Visualisierung und Auswertung von anonymisierten Gesundheits- und Mobilitätsdaten lasse Rückschlüsse auf die Entwicklung von Pandemiegeschehen zu. Dazu arbeitet die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit mehreren Beteiligten zusammen. Konkret entnimmt die Entega AG Abwasserproben, welche die TU Darmstadt auswertet. Die Visualisierung der Daten und die Prognoseberechnung erfolgt durch Fraunhofer IGD. Analyse und Interpretation der Ergebnisse übernimmt dann der Zweckverband Gesundheitsamt Stadt Darmstadt und Landkreis Darmstadt-Dieburg zusammen mit dem Klinikum Darmstadt.

„Wir möchten unsere Kompetenzen vor Ort nutzen und mehr über das Virus und dessen Verbreitung lernen. Zu den wesentlichen Informationen gehören die Ergebnisse aus den Abwasserproben. In der Kombination mit den Bewegungs- und Gesundheitsdaten versprechen wir uns neue Erkenntnisse zur Einschätzung des Infektionsgeschehens. Damit wird Darmstadt in die Lage versetzt, über Allgemeinverfügungen örtliche Maßnahmen besser und gezielter zu steuern. Begleitend können dort auch verstärkt Test- und Impfangebote geschaffen werden, um den Infektionsgeschehen entgegen zu wirken“, sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Hintergrund

Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung eingerichtet. Diese ist ein zentraler Anlaufpunkt für alle Belange im Bereich smarter Kommunen.

Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Dazu zählen unter anderem Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung oder die Stärkung des ÖPNVs. Rund 20 Millionen Euro stehen jährlich von 2020 bis 2024 im Bereich der Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung zur Verfügung, die in drei Maßnahmen aufgeteilt sind. Jeweils vier Millionen Euro fließen von 2020 bis 2024 in die Digitalisierungsplattform Civento, die vom Land Hessen den Kommunen flächendeckend kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Die Plattform bildet einen zentralen Baustein für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes im kommunalen Bereich. Zudem können Kommunen darauf Anträge elektronisch bearbeiten – ein wichtiger nächster Schritt hin zur Volldigitalisierung der kommunalen Verwaltung. Weitere knapp 16 Millionen Euro wurden 2020 für die Verwaltungsdigitalisierung zur Verfügung gestellt. Und drittens werden von 2021 bis 2024 jeweils bis zu 16 Millionen Euro für die Förderung kommunaler Vorhaben verwendet, die innovative Projekte in Themenfeldern der Digitalisierung kommunaler Handlungsfelder im Sinne von Smart City / Smart Region betreffen. Projekte werden mit 100.000 Euro bis 2,5 Millionen Euro unterstützt – bei einer Förderquote von 90 Prozent und einer maximalen Laufzeit von zwei Jahren.

Nähere Informationen unter www.digitales.hessen.de/Foerderprogramme/Starke-Heimat oder www.smarte-region-hessen.de.

(Text: Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung)