Rödermark: „Mortsche“ eines der besten Dorfgasthäuser in Hessen

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Vinzenz Schrod nach der Preisverleihung mit Christin Reinsch, Carina-Fee Nagel und Edit Eckhard aus seinem Team sowie Boris Rhein, Jörg Rotter und DEHOGA-Hessen-Präsident Gerald Kink. (Foto: PS)

Kürzlich hatte das Gasthaus „Zum Löwen“ Betriebsferien. Die konnten die Mitarbeiter diesmal ganz besonders genießen. Ging es doch quasi von einer Preisverleihung, bei dem das „Mortsche“ zu einem der besten Dorfgasthäuser in Hessen gekürt wurde, direkt in den Urlaub.

Unter den mehr als 170 Bewerbern für „Die besten Dorfgasthäuser in Hessen” gehören Vinzenz Schrod und seine Mutter Rita, die von acht Aushilfen unterstützt werden, zu den 50 Preisträgern. Vor rund 250 Gästen in Eichenzell bei Fulda gratulierte Ministerpräsident Boris Rhein den Gewinnern, die von einer Fachjury ausgewählt wurden. „Das ist eine riesige Auszeichnung für uns“, sagt Vinzenz Schrod. Der 36-Jährige leitet das seit 142 Jahren bestehende Gasthaus in der fünften Generation. Bei Rita Schrod war die Freude über die Auszeichnung ebenfalls groß, auch wenn sie aufgrund eines länger gebuchten Urlaubs nicht an der Preisverleihung teilnehmen konnte.

„Wenn nicht wir, wer dann?“, hatte sich Rita Schrod gefragt, als sie auf den Dorfgasthaus-Wettbewerb aufmerksam wurde. „Alles, was eine hessische Dorfgaststätte ausmacht, das haben wir“, war sich Schrod schon vor der Bewerbung sicher. Da sei etwa die lange Tradition des Gasthauses, das viele unterschiedliche Gäste, Vereine und auch Stammtische zu schätzen wissen. Der älteste Stammgast ist gerade 100 Jahre alt geworden. Der Köchin liegen besonders saisonale Gerichte mit Produkten aus der Region am Herzen. Der separate Saal im ersten Stock etwa für Familienfeiern oder der Biergarten sorgten ebenfalls für Pluspunkte. Das Gasthaus versteht sich als „Stammkneipe an der Ecke“, das aber auch ein Eventlokal für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten sein kann.

Kürzlich brachten Rita und Vinzenz Schrod die Auszeichnung „Die besten Dorfgasthäuser in Hessen” am Eingang des „Löwen“ an. (Foto: PS)

Um von der Jury beurteilt zu werden, mussten die Schrods eine Bewerbung einreichen. „Das war schon arbeitsintensiv“, so Vinzenz Schrod. Unter anderem sind in der Bewerbung Bilder und Zeitungsartikel enthalten. Schrod bat seine Stammgäste außerdem um Texte, Audio-Nachrichten und Videos, in denen sie erklären, was das Gasthaus für sie so besonders macht. Da wurden beispielsweise das „beste Schnitzel weit und breit“, eine bunte Mischung unterschiedlicher Persönlichkeiten unter den Gästen oder das „wunderbare Preis-Leistungs-Verhältnis“ genannt.

Spürbares Signal der Anerkennung und der Wertschätzung gegenüber der Branche setzen

Das Land hatte den Wettbewerb zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen veranstaltet, auch „um ein spürbares Signal
der Anerkennung und der Wertschätzung gegenüber der Branche zu setzen”, wie es Schirmherr Boris Rhein ausdrückte. Der Ministerpräsident schaute übrigens zu einem etwas längeren Plausch am Tisch des Mortsche-Teams vorbei. Bürgermeister Jörg Rotter, der mit zur Preisverleihung gereist war, kennt Rhein aus früheren Zeiten bei der Jungen Union.
Vor zwei Jahren wollte man beim „Mortsche“ das 140-jährige Bestehen groß feiern. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts. Ansonsten hat das Gasthaus die Coronazeit aber gut überstanden. Das to go-Geschäft, das man schon vor der Pandemie anbot, lief gut. „Die Stammgäste haben uns sehr gut unterstützt“, ist Vinzenz Schrod froh, auch wenn natürlich die Veranstaltungen und Feiern im Saal im ersten Stock wegfielen. Mittlerweile herrscht auch wieder im Gasthaus Hochbetrieb. Wünsche hat der Wirt dennoch. Er hofft – das verwundert auf den ersten Blick – auf mehr Konkurrenz, sprich vielfältigere Gastronomie im Ort. „Uns fehlt ein bisschen die Konkurrenz. Wir hätten gerne, dass hier mehr Leben im Ort ist. Mehr Gastronomie im Ort wäre für alle gut.“

Vinzenz Schrod, der von den meisten Vini gerufen wird, ist quasi im Gasthaus aufgewachsen und hat, mit einer Unterbrechung durch eine zweijährige Ausbildung zum Hotelfachmann, auch immer dort gearbeitet. Sein Vater Hermann starb früh, da war Vinzenz gerade erst 15 Jahre alt. Bald darauf sei in Gesprächen mit seiner Mutter darüber entschieden worden, ob man das Gasthaus weiter betreibt oder es sein lässt. „Da haben wir eine Entscheidung getroffen – und die leben wir jetzt“, so Vinzenz Schrod. „Als ich Anfang 20 war und die ganzen Freunde zum Feiern fortgegangen sind, war das natürlich schon schwierig. Rückblickend war es aber die richtige Entscheidung.“ Ein großer Vorteil sei die freie Zeiteinteilung.

Zum 140. Bestehen vor zwei Jahren hat Rita Schrod, die in der Küche die Chefin ist, ihrem Sohn, der sich um den Service kümmert, den „Löwen“ offiziell übergeben. In der bestens eingespielten Zusammenarbeit hat sich dadurch nicht viel geändert. „Früher war das letzte Wort bei der Mutter, seit zwei Jahren ist das letzte Wort bei mir“, meint Vinzenz Schrod schmunzelnd.

(Text: PS)