Tigermücke: Exemplare auch im Kreis Groß-Gerau nachgewiesen

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Symbolbild Asiatische Tigermücke (Foto: WikiImages auf Pixabay)

Sie mag es warm, legt ihre Eier bevorzugt in kleine, künstliche Wasseransammlungen wie Regentonnen oder Blumentopfuntersetzer und kann zur Überträgerin verschiedener Virusinfektionen werden – die Rede ist von der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die sich in hiesigen Breiten zunehmend breit mach. Jetzt sind Exemplare der Steckmücke in Nauheim im Kreis Groß-Gerau entdeckt worden. Mit gezielten präventiven Maßnahmen kann verhindert werden, dass sich die Mücke bei uns weiter vermehrt.

Das Gesundheitsamt Groß-Gerau nimmt die Funde in Nauheim zum Anlass, um die Menschen im Kreis über die Asiatische Tigermücke aufzuklären. Fälle von Krankheitsübertragungen durch die Asiatische Tigermücke sind in Deutschland bisher nicht bekannt, daher geht von einem Stich einer solchen Mücke derzeit keine besondere Gefahr für die Betroffenen aus. Allerdings können im Fall einer weiteren Ausbreitung dieser Mückenart in Deutschland zukünftig Übertragungen von Krankheiten durch diese nicht ausgeschlossen werden. Daher ist es jetzt wichtig, bereits vorhandene Populationen zu bekämpfen und durch geeignete Maßnahmen deren weitere Vermehrung zu unterbinden. „Wir wollen verhindern, dass sich die Mücke bei uns rasch ausbreitet“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernent des Kreises, Walter Astheimer.

An Leben in Menschennähe angepasst

Die Tigermücke sei an das Leben in Menschennähe angepasst. Die Beseitigung möglicher Brutstätten sei als präventive Maßnahme entscheidend, betonte Dr. Angela Carstens, die Leiterin des Gesundheitsamts Groß-Gerau. „Wir wissen, dass die Mücken jegliche Behälter, in denen sich Regenwasser ansammeln kann oder sich stehendes Wasser befindet, als Brutstätten nutzen.“ Also hilft es bereits, Abflüsse, Blumenvasen, Blumentopfuntersetzer, Dachrinnen, Planschbecken, Autoreifen auf Wasserreste zu untersuchen und das Wasser zu entfernen. Außerdem rät das Gesundheitsamt dazu, Regentonnen abzudecken. Mit den aus der Schnakenbekämpfung bekannten B.t.i-Tabletten, die auch als Tropfen unter anderem im Baumarkt zu bekommen sind und auf komplexe Weise nur auf Mückenlarven wirken, kann das Wasser in Regentonnen behandelt werden. Belebte Teiche etwa mit Fischen und fließende Gewässer sind für die Mücken keine Brutstätten. Ob in Nauheim besondere Maßnahmen zur Prävention, Überwachung und Bekämpfung des Insekts nötig seien, wolle man nun mit der Gemeinde und dem Land besprechen.

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Mückenart hat sich durch den weltweiten Warenverkehr und die Klimaerwärmung auch in Europa ausgebreitet. 2007 erfolgte der erste Nachweis in Deutschland, 2018 in Hessen. Der internationale Flughafen Frankfurt und die A5 sind möglichen Einschleppungswege. Seit 2019 findet man die schwarz-weiß gestreifte Mücke in Oestrich-Winkel im Rheingau-Taunus-Kreis. Dort hat die Mücke offenbar überwintert. Dort führt die KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) e.V. die allgemeine Stechmückenbekämpfung durch. 2021 erfolgten weitere Nachweise in Flörsheim am Main (Main-Taunus-Kreis) sowie Hirschhorn am Neckar (Kreis Bergstraße). Auch auf Friedhöfen im Wiesbadener Stadtgebiet wurden 2021 Larven der Tigermücke, jedoch bislang keine adulten Tiere, gefunden.

Nun also wurde diese Mücke auch in Nauheim entdeckt. Das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen – Zentrum für Gesundheitsschutz – in Dillenburg (HLPUG) hat den Fund bestätigt. Das Gesundheitsamt des Kreises Groß-Gerau hat mittlerweile Nauheims Bürgermeister Jan Fischer informiert. Der Kreis hat einen Flyer des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI) zur Tigermücke ebenso wie Fragen und Antworten des Ministeriums auf seine Homepage gestellt.

Funde melden

Funde der Tigermücke sollen gemeldet werden – das HMSI empfiehlt aktuell der Bevölkerung, Mücken zur Artbestimmung an den „Mückenatlas“ (www.mueckenatlas.com) zu schicken. Das bundesweite Mitmachprojekt (Citizen Science) des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg, und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Institut für Infektionsmedizin (Riems) (IMED) unterstützt seit April 2012 die wissenschaftlichen Arbeiten zum Stechmücken-Monitoring, das von den genannten Forschungseinrichtungen durchgeführt wird. Die HLPUG Geschäftsstelle Klimaanpassung steht den Gesundheitsämtern bzw. den betroffenen kommunalen Behörden bezüglich der Risikobewertung sowie geeigneter Maßnahmen beratend zur Seite. Fotos von erlegten Exemplaren oder von fraglichen Mückenfunden können an die Mail-Adresse der Geschäftsstelle Klimaanpassung des HLPUG unter: klimaanpassung-muecken@hlpug.hessen.de gesendet werden.

Natürlich könne die Tigermücke gefährliche virale Krankheitserreger auf den Menschen übertragen, sagte Astheimer, der gleichwohl vor Panik warnte. Die potenzielle Gefahr einer Übertragung durch die Tigermücke sei zwar auch in Hessen als gegeben zu erachten. Allerdings müsste für eine solche Übertragung ein Infizierter von einer Tigermücke gestochen werden, damit die Mücke das Virus weitergeben könne. Das sei nicht ausgeschlossen, doch noch gelten diese Übertragungen als unwahrscheinlich. In Deutschland sei eine solche Übertagung durch die Asiatische Tigermücke bisher nicht bekannt.

Detaillierte Informationen über die Asiatische Tigermücke gibt es auf der Seite des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration unter https://soziales.hessen.de/gesundheit/klimawandel-und-gesundheit/faq-zur-tigermuecke.

(Text: PM Kreis Groß-Gerau)