RLT-Rodgau: Abenteuer Bergtrailrunning

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Walsertrail (Foto: RLT Rodgau)

Bei sehr warmen Temperaturen starteten am Samstag, 13. August, beim 25. Jubiläums-Volkslauf in Güttersbach, der bei den RLT-lern sehr beliebt ist, fünf Wettkämpfer auf verschiedenen Strecken: Marita Hermes holte sich beim Halbmarathon mit 2:30:15 den Sieg in ihrer AK. Gerda Pinnow walkte mit ihrem Rollator in 1:38:28 über die 7-Kilometer-Distanz und gewann die AK W90. Auch ihr Mann, Wolfgang Pinnow gewann über 10,5 Kilometer in 1:35:42 die AK M90. Joachim Quaiser lief, bei seinem ersten Wettkampf nach 2,5-jähriger Pause, die 10,5 Kilometer in 1:08:12 und Gerhard Walper in 1:09:22. Auf den Anstiegen in den Wald wehte eine angenehme kühle Priese und zur Abkühlung standen frische Wasser-Bottiche mit Schwämmen und Bechern bereit. Während der Siegerehrung in gemütlicher Runde ließen die Akteure den Abend zufrieden ausklingen.

Hausener Volkslauf

Am Sonntag, 31. Juli, wurde bei herrlichem Wetter der Hausener Volkslauf ausgetragen. Vereinsvorsitzender Hartmut Wirth gewann, wie im Vorjahr – aber 2 Minuten schneller, beim Halbmarathon in 1:49:15 seine AK. Gerhard Walper belegte in 2:11:28 den 4. Platz seiner AK. Auf der 10 Kilometer Strecke überlief Harald Stadtmüller in 50:52 die Ziellinie und Julia Steinbach wurde in 58:57 4. in ihrer AK. Vielwalker Sigurd Haarstark startete im Juli bei 3 Bergsprints: Am 15.Juli an der Burg Frankenstein über 1,5 Kilometer und einer Höhendifferenz (HD) von 155 m in 16:43; am 21. und am 29.Juli auf den Feldberg im Taunus über 1,249 Kilometer und einer HD von 170 Metern in 15:54 und 16:58 Minuten.
Den Königsschlösser-Marathon in Füssen gönnte sich Markus Müller am 24.Juli und lief in 3:39:30 über die Ziellinie.

Gletscher-Ultratrail in Obergurgl

Als Saisonhöhepunkt hatte Thomas Fischer in diesem Jahr den Gletscher-Ultratrail in Obergurgl ausgewählt – 62 Kilometer mit einer Höhendifferenz von 3.600 Meter. Am Start, Samstag, 9. Juli, um 2 Uhr nachts herrschten noch einstellige Temperaturen. Im Dunkeln schlängelten sich die 51 Starter den, nur mit Stirnlampen beleuchteten Pfad, bergan und wieder hinunter zum tiefsten Punkt des Trails, der Lenzer Alm auf 1891 m bei Kilometer 17 zum ersten Getränkepunkt. Die nächsten gut 2 Kilometer ging es im beginnenden Dämmerlicht 500 Höhenmeter steil bergauf. Oben war die karge Vegetation noch gereift und es blies ein kalter Wind. Auf einem schmalen Pfad, rechts steil bergan, links steil bergab war höchste Aufmerksamkeit gefordert und der Körper neigt sich beim Laufen dem Berg entgegen, aus Angst, das Gleichgewicht zu verlieren. Denn hier gibt es beim Straucheln keinen Halt, man stürzte einige 100 m Richtung Ort hinunter, der noch in tiefem Schlaf im Tal liegt. Ein überwältigendes Gefühl ergreift die Läufer, wenn endlich die Sonne über den Berg blitzt. Noch immer geht es bergauf, die Vegetation verschwindet als endlich die Öztaler Gletscherwelt mit dem höchsten Punkt, der Ramolhütte auf einem Felsvorsprung 3006 m über NN in den Blick rückt. Während die Läufer 2019 noch mehrfach Schneefelder passieren mussten, haben sich die Gletscher 2022 weit zurückgezogen und zurück blieb eine bizarre, zerklüftete Felsenlandschaft. Tief unter dem Pfad toste der Gletscherfluss, aber zu sehen war er nicht. Nur die Piccard Brücke war als schmaler Streifen zwischen den Felsen auszumachen. Der Weg bestand seit Stunden nur noch aus Fels und lockeren Steinen. Beim näher kommen wurde klar, dass es auf dieser Seite keinen Aufstieg zum Ramolhaus gab und es ging weit unterhalb vorbei auf die andere Seite. Bärbel Fischer konnte ihren Mann Thomas als kleinen Punkt beim steilen Abstieg in Kehren zur Brücke hinabrennen sehen, bevor sie zur 1. Verpflegung bei Kilometer 34 hinaufklettert. Die Verpflegung nach 7:33 Stunden war enttäuschend – hier bekommt die Pflichtausrüstung „Eigenverpflegung“ eine ganz neue Bedeutung. Die nächsten zwei Kilometer verliefen im Downhill 500 Höhenmeter (HM) steil bergab, die letzten rund 100 Meter war der Fels vom ehemaligen Gletscher so glatt gescheuert, dass auf Profileisen an Stahlseilen zur Piccard Brücke hinabgeklettert werden musste. Auf der schwankenden Hängebrücke konnte man den laut reißenden Fluss endlich auch schäumend tief unter sich sehen. Auf der anderen Seite kletterten die Läufer wieder auf Eisen hinauf. Sie Strecke von Sonnenaufgang bis hierher zeigte sich als der interessanteste und beeindruckendste Teil des Ultratrails. Während der schmale Pfad durch die lockeren Steine und Felsen kaum laufbar war, gab es auf dieser Seite des Gurgltals immer zwischen 2.000 und 2.500 Höhenmeter einige gute Kilometer Weg, über die Langtalereckhütte zur zweiten Verpflegung an der Schönwieshütte. Nach tiefem Einblick ins Rotmoostal ging es noch einmal steil bergan zur dritten Verpflegung an der Hohe Mut Alm auf 2.670 Meter. Die letzten 10 Kilometer führten erst steil, später wellig abwärts dem Ziel in Obergurgl entgegen. Während die Läufer der Strecken 14 und 26 Kilometer direkt ins Ziel durften, liefen die Marathonis und Ultras enttäuscht oberhalb des Ortes vorbei in Richtung Hochgurgl. Die Füße schmerzten, mit Tunnelblick wollten die Akteure nur noch ins Ziel und endlich ausruhen.

Thomas Fischer finshte in 13:08 als 5. seiner AK. Hier gibt es nur 3 Klassen: Hauptklasse, Master 1 und 2. Bärbel Fischer kam pünktlich zur Siegerehrung nach 14:58 Stunden vor dem Gurgl-Karat an und gewann die Master Women 2.

Walsertrail in Hirschegg/Kleinwalsertal

Während des Laufes ging beiden durch den Kopf: „Hier lauf ich nie wieder“. Aber bereits auf der Heimfahrt am nächsten Tag relativierte sich der Gedanke, denn der Ausflug in die Alpen war eine außergewöhnliche Erfahrung in einem beeindruckenden Landstrich und ein gutes Training für den nur drei Wochen später statt findenden Walsertrail in Hirschegg/Kleinwalsertal. Hier wollte Bärbel Fischer eigentlich auch nie wieder laufen, denn 2016 war sie nach 36 Kilometer wenige Minuten über dem Zeitlimit und aus dem Rennen. Auch Thomas Fischer hatte noch eine Rechnung offen: Durch ein Gewitter und Starkregen war damals der 2. Teil des Laufes nicht über die Originalstrecke, sondern eine abgespeckte Route beendet worden. Also starteten Thomas und Bärbel Fischer am 31.Juli um 6 Uhr auf dem Dorfplatz zwischen 125 Läufern und nahmen die 63 Kilometer lange Strecke mit 3.900 Höhenmetern erneut unter die Trailschuhe. Wieder führte der Weg gleich bergan ins Nebental, vorbei an Wäldle steinig dem höchsten Punkt des Trails entgegen. Die alpinen Bergpfade erforderten Kraft, Ausdauer und Aufmerksamkeit, besonders das „Gottesacker Plateau“, dessen Felsenweg mit tiefen Schlitzen durchfurcht ist und den Blick auf den Aufstieg im Geröll zum Hohen Ifen (2.200 Meter) eröffnete und die bevorstehende Anstrengung erahnen ließ. Wieder waren die steinigen Wege kaum laufbar und bis Kilometer 10 hatten die Läufer bereits 1200 HM geschafft. Der Abstieg mit 1000 HM erfolgte genauso spektakulär über Stahlprofile und an Drahtseilen ins Schwarzwassertal und der Verpflegung an der Auenhütte bei Kilometer 22 entgegen. Erneut begann der Aufstieg zum Walmedinger Horn. Hier wurden die Läufer von den Wanderern angefeuert die zwischen den Alpenhöfen unterwegs waren. Das Grünhorn lag erneut über 2000 Meter NN und auf dem schmalen Grad (rechts und links geht’s steil bergab) erhaschten die Läufer einen atemberaubenden Weitblick über die Gipfel der Alpen. Vom Schwarzeltal führte ein tief ausgewaschener Waldweg, so das die Wurzeln mannshoch frei lagen, im Zick-Zack zur nächsten Verpflegung nach Baad bei Kilometer 34 auf 1.200 Meter. Hier wartete Familie Fischer und feuerte die Läufer an. Diesmal brauchten sie Bärbel Fischer nicht mitzunehmen, denn mit 7:13 Stunden lag sie deutlich unter dem Zeitlimit. Thomas Fischer war bereits 6:45 durchgekommen und schon wieder im nächsten Anstieg, vorbei an der Bärgunthütte, zur Widdersteinhütte und über das Gemstelkoblat zur Mindelheimer Hütte. Bis hier war Thomas Fischer bereits 2016 gekommen, bevor die Strecke geändert wurde. Während für Bärbel Fischer immer der erste lange steile Anstieg am anstrengendsten ist (danach wird’s leichter), ist es bei Thomas Fischer genau umgekehrt, jeder neue Anstieg wird Kräfte zehrender. Über den Krumbacher Höhenweg quälten sich die Läufer den letzten langen Pfad in der heißen Nachmittagssonne hinauf über die Fiederescharte 2.200 Meter, hinab zum Fiederepass und zur letzten Verpflegung, der Fiederehütte bei Kilometer 53. Hier wollten Thomas und Bärbel Fischer immer mal hin. Ziel erreicht! Die letzten 10 Kilometer waren dann fast ein Selbstläufer, denn Start und Ziel waren die tiefsten Punkte des Trails. Thomas Fischer war mit 13:13:13 nur wenige Minuten länger unterwegs als beim Gletscher-Trail und Bärbel Fischer mit 14:18:22 40 Minuten schneller. Sie wurde im Ziel mit einem Pokal für den 3. Platz ihrer AK überrascht. Während beim GletscherTrail in Obergurgl nur eine Läuferin gleich nach dem Start im nächsten Ort ausstieg, gaben beim Walsertrail 22 Läufer und 2 Läuferinnen auf bzw. schafften das Zeitlimit nicht. Das Fazit der Beiden für Ultraläufe in den Alpen lautet: „Extrem anstrengend – nur für Geübte – aber ein unvergessliches Erlebnis!“

Heinrich-Appel-Lauf

Eine Woche später am Sonntag, 7. August, richtete der RLT Rodgau seinen Heinrich-Appel-Lauf am Goldberg am Martinsee zwischen Heusenstamm und Obertshausen aus. Dieser ist bei den Mitgliedern und Freunden beliebt, denn zwischendurch kann man sich gut unterhalten und neben kalter und warmer Verpflegung die selbstgebackenen Kuchen oder Salzgebäck genießen. Zwischen 9 und 16 Uhr werden die Runden auf der 400 Meter langen Strecke (mit kurzem steilen Anstieg) gezählt. Jeder läuft soviel, wie er möchte und schafft. Keiner der Anwesenden hatte bei der sengenden Hitze den Ehrgeiz einen Ultramarathon, mindestens 106 Runden, zu laufen. Thomas Fischer schaffte 100 Runden = 40 Kilometer, Gunther Winter wurde mit 60 Runden = 24 Kilometer Zweiter. Ebenfalls 60 Runden schafften Birgit Schrottenbaum und Bärbel Fischer, die sich den 1. Platz bei den Frauen teilten, Markus Schrodt belegte mit 50 Runden = 20 Kilometer den 3. Platz bei den Männern und Annett Sovonja mit 45 Runden = 18 Kilometer bei den Frauen.

Der offizielle RLT Rodgau-Lauftreff findet jeden Mittwoch um 18 Uhr und jeden Samstag um 15 Uhr an der Waldfreizeitanlage Hainhausen statt. Weitere Informationen sind unter rlt-rodgau.de einzusehen. Alle Interessierte – auch Anfänger – sind herzlich eingeladen mitzulaufen!

(Text/Fotos: PM RLT Rodgau)