Orwischer Kerb bleibt so, wie sie ist

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Die Feuerwehr geleitete die Kerbpuppe auf ihren Panoramaplatz hoch über dem Dalles. (Foto: PS)

Die Orwischer Kerb hat während ihrer Zwangspause nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Das bewiesen die vier Festtage vom inoffiziellen Auftakt am Freitag bis hin zum Finale am „blauen Montag“ ziemlich eindrucksvoll. „De Braune Märddsche“ hatte jedenfalls reichlich Spaß, als er von seinem Panoramaplatz hoch über dem Dalles das Festgeschehen beobachtete.

Erstmals seit 2019 – in den beiden vergangenen Jahren konnte nur in kleinerem Kreis Kerb gefeiert worden – wurde mit „De Braune Märddsche“ endlich wieder eine Kerbpuppe am 18 Meter hohen Baum inthronisiert. Der diesjährige Kebborsch erinnert an ein Original aus längst vergangener Zeit. Die Kerbborsche-Inthronisation gehörte beim offiziellen Auftakt ebenso traditionell zum Programm wie der Bier- und Apfelweinanstich von Bürgermeister Jörg Rotter und dessen Amtskollegen aus der ungarischen Partnerstadt Bodajk, Lóránt Wurczinger. Gemeinsam mit den ungarischen Gästen feierte man am Kerbwochenende das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft.

Mit dem Bieranstich fiel am Samstag der offizielle Startschuss zur Kerb.

Vor der Eröffnung hatte Thomas Herrmann die Kerbborsche und Kerbmeedsche der Jahrgänge 1995 bis 1997, teils nachträglich, für ihr Silberjubiläum geehrt. Gemeinsam mit dem aktuellen Jahrgang waren sie unter Begleitung des Musikvereins 06 zum Kerbplatz gezogen. Dort gab es am Samstag auch traurig-nachdenkliche Momente. Moderator Werner Popp erinnerte an Peter Stein. Das Mitglied der Kerbkommission, viele Jahre als Schausteller auf den Volksfesten in der Region unterwegs, war kürzlich verstorben.

Beim Kerb-Comeback gab es bestes Spätsommerwetter. In den Vereinszelten und auf den Plätzen wurde fröhlich gefeiert, auch an den Buden, bei „Rock an Kerb“ der Offenen Arbeit, beim Autoscooter oder beim Riesenrad herrschte ordentlich Betrieb. „Unserer Orwischer Kerb bleibt wie sie ist: ein großer Fest der Urberacher Vereine, der Gaststätten und Schausteller mitten im Ort“, meinte Moderator Werner Popp bei der Eröffnung.

Ein weiterer Höhepunkt des Wochenende war am Sonntag natürlich der Kerbspruch von Kerbvadder Patrick Ott. Natürlich brachte Ott seine Freude darüber zum Ausdruck, dass endlich wieder richtig Kerb gefiert werden durfte, auch wenn es das Ersatzprogramm im kleinen Kreis durchaus ebenfalls in sich hatte. Über Weinfest und Bulau-Bahnübergang kam der Kerbvadder schließlich zur immer wieder aufkommenden Bahn-Unterführungsdiskussion im Nachbarort. Die legte Ott gleich etwas großzügiger aus. „Un aach die Bahniwwergäng solle Unterführunge weiche, mir tät schon en Tunnel unner Owwerode dorsch reiche!“

Es gab aber auch versöhnliche Töne. Ott freute sich, dass der Orwischer Kerbbaum nun auch vom Wappen von Bodajk und Tramin geschmückt wird. Eventuell heißt es ja im kommenden Jahr „Owwerode bald auch!“, griff der Kerbvadder ein Gerücht auf und erinnerte an den von Radio FFH ausgerufenen Ortsfrieden zwischen Urberach und Ober-Roden. „Man glaubt es kaum! Die jahrhunnerde alte Barrier konnt wohl iwwerwunne werrn, Orwisch un Owwerode ham sisch endlisch gern!“

(Text: PS)