Münster feiert Low-Budget-Kerb

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Trotz einiger Sparzwänge und einem Festtag weniger: Der Umzug am Sonntagnachmittag wird in Münster auch diesmal stattfinden und das Publikum unter anderem an die Darmstädter Straße locken, wo dieses Foto entstand. (Foto: jedö)

Nach zwei Corona-Jahren praktisch ohne Feier zelebriert Münster am kommenden Wochenende wieder seine Kerb. Schon die Terminierung, die das Fest für den 16. bis 18. September und damit ohne Kerbmontag vorsieht, zeugt von den kleineren Brötchen, die der örtliche Kerbverein diesmal backen muss.

Stefan Schneider, Kerbvadder von 2006 und Vorsitzender des 55 Mitglieder zählenden Münsterer Kerbvereins, schildert den Spagat, den man in der Gersprenz-Gemeinde dieses Jahr hinkriegen möchte: „Wir versuchen, mit kleinem Budget was Ordentliches anzubieten.“
Denn das Geld sitzt im Kerbverein alles andere als locker. „Uns hat Corona richtig wehgetan“, berichtet Schneider, auch von Berufswegen ein Mann der Zahlen. „Unsere Kosten, zum Beispiel für Steuerberater und Versicherung, liefen teilweise weiter, wir hatten aber keine Einnahmen.“ 2021, im zweiten Corona-Jahr, gab es zwar eine kleine Veranstaltung mit Kerbspruch vor dem Rathaus, die die Tradition ein bisschen über die nicht selbst zu verantwortende Durststrecke rettete. Finanziell war damit freilich kein Staat zu machen.

Hinzu kommen personelle Herausforderungen: „Das ein oder andere Mitglied ist nach den zwei Jahren ohne Kerb nicht mehr dabei.“ Insofern gestalte es sich für der Verein nun noch schwieriger, von Freitag bis Sonntag die Dienste etwa beim Getränkeausschank zu besetzen. Und obwohl das Virus für gesellschaftliche Anlässe dieser Art hierzulande aktuell keine nennenswerte Rolle mehr spielt, torpediere erneut die übergeordnete Gemengelage eine ausgelassene Kerb, so Schneider: „Nach zwei Jahren Corona sind die Leute jetzt zwar wieder lustig drauf und wollen feiern. Auf der anderen Seite muss man wegen der hohen Inflation und der steigenden Energiekosten mal gucken, wie viel Geld sie jetzt noch auf der Kerb ausgeben wollen.“

„Kosten“ war für den Kerbverein in der Planungsphase der vergangenen Wochen das permanente Stichwort. „Wir müssen es diesmal einfach Low Budget machen“, stellt Schneider die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen heraus. Direkt ins Auge fällt der gestrichene Kerbmontag: „Den gibt es diesmal nicht, das spart uns zum Beispiel die Zeltmiete für einen weiteren Tag.“ Der Frühschoppen, der sonst montags war, wird auf den Sonntag (ab 11 Uhr) vorverlegt. Apropos Zelt: „Das Zelt wird auch deutlich kleiner“, sagt der Vorsitzende. „Stattdessen setzen wir rund ums Storchenschulhaus weitgehend auf eine Open-Air-Veranstaltung.“

Auch auf die Verpflichtung von Live-Musik hat der Münsterer Kerbverein aus Kostengründen verzichtet. Stattdessen legt sowohl am Freitag- als auch Samstagabend DJ Wicked Wilz unter wechselndem Motto (Freitag Schlager, Samstag 90er) auf. Zehn Kerbburschen gibt es diesmal, sowohl aus dem ausgebremsten Kerbjahrgang des Vorjahrs als auch aus dem, der regulär an der Reihe ist. Der Kerbvadder wird erst am Wochenende bekannt. Am Samstagabend, um 20.30 Uhr, erhalten die neuen Kerbburschen von ihren Vorgängern die Insignien Schlüssel und Sirene.

Am Sonntag ab 14 Uhr zieht der Kerbumzug mit voraussichtlich 15 Gruppen – vor allem ehemalige Münsterer Kerbjahrgänge – von der Darmstädter Straße über Leibnizstraße, Bahnhofsplatz und Bahnhofsstraße zum „Platz des Friedens“. Gegen 16 Uhr wird Edgar Kreher unter freiem Himmel den Kerbspruch halten, den einmal mehr Maximilian Hotz getextet hat. Danach klingt die Münsterer Kerb langsam aus.

An allen drei Tagen lockt gerade Kinder ein kleiner, von der Gemeinde organisierter Vergnügungspark auf der gesperrten Straße am Storchenschulhaus. Die abgespeckte 2022er-Version muss unterdessen kein Dauerzustand werden, blickt Stefan Schneider voraus: „Das ist bewusst eine Entscheidung nur für dieses Jahr!“

(Text: jedö)