Gaststättenaufgabe in Eppertshausen: „Nicht ein oder zwei, sondern 15 oder 20 Gründe“

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Andreas und Sybille Frank hören Ende des Jahres als Pächter der TAV-Gaststätte auf. „Es gibt nicht ein oder zwei, sondern 15 oder 20 Gründe“, sagt der Koch. Das Paar bleibt in Eppertshausen aber gastronomisch aktiv. (Foto: jedö)

Der Eppertshäuser Andreas Frank dazu, warum er Ende des Jahres die TAV-Gaststätte aufgibt

Seit einiger Zeit ist es raus: Andreas und Sybille Frank hören Ende des Jahres als Pächter der Eppertshäuser TAV-Gaststätte „Bei Andy und Billy“ auf. Nach einem Nachfolger sucht der Turn-Athletik-Verein noch, doch das gastronomisch erfahrene Ehepaar biegt in diesen Wochen auf die Zielgerade ein. Nun hat Andreas Frank zu seiner beruflichen Zäsur Stellung genommen. Ganz von der gastronomischen Bühne wird der 49-Jährige in Eppertshausen aber auch dann nicht verschwinden, wenn er nach seinem letzten Tag beim TAV am 26. Dezember die Tür abschließt.

Im Ort ist der gelernte Koch vielen schon lange ein Begriff, machte sich erst als Pächter der FVE-Gaststätte (und als Vorsitzender des Fußball-Vereins) sowie später im „Valentin’s“ einen Namen. Bis Anfang 30 war Andreas Frank angestellt und arbeitete in Frankfurter Restaurants. Im Job lernte er auch seine Frau Sybille kennen, die die Gäste der TAV-Gaststätte bedient. 2003 machte sich Frank – noch parallel zur Arbeit in der Main-Metropole – mit einem Party-Service selbstständig und setzt seit 2005 komplett auf diese Karte. „Eigentlich haben mir alle von der Selbstständigkeit abgeraten“, blickt der Eppertshäuser zurück. „Aber wie es so oft ist, bin ich da dann doch reingerutscht.“

Das Valentin’s und die TAV-Gaststätte samt Saal, wo er bis Ende 2022 sechs Jahre lang mit regionaler Küche bewirtet haben wird, betrieb der Unternehmer zunächst ein Jahr lang parallel. „Beim Wechsel zum TAV ging’s mir ganz viel um den Saal“, erinnert er sich an das damals neue und nun bald endende Kapitel seines Geschäftslebens. Der Saal ermöglichte ihm, Gesellschaften mit bis zu 80 Personen bedienen. Was wie die Gaststätte lange gut angenommen worden sei. „Dann kam Corona“, sagt Frank.

Dann kam Corona

Einen Atemzug später konkretisiert er, was das für ihn bedeutete und mitunter sogar bis heute bedeutet. „Da meine Zahlen in Ordnung und das Personal angemeldet waren, haben die staatlichen Hilfen in den Lockdowns schon geholfen“, berichtet er, der ansonsten auf 18 000 Euro Fixkosten monatlich („Den Hauptanteil machen die Personalkosten aus, die vom TAV erhobene Pacht ist wirklich fair“) sitzengeblieben wäre. Im November und Dezember 2021 allerdings durfte er zwar (ohne Hilfen) öffnen, diverse Corona-Regeln, Infektionen und der Respekt vor ebendiesen hätten aber allein in diesen beiden Monaten für 1.800 (!) Stornierungen in seinem Lokal gesorgt. Selbst jetzt sei es „noch nicht normal geworden“, so Frank. „Erst kürzlich hätte ich ein Büffet für 35 Personen nach Messel liefern sollen. Das ist dann kurzfristig abgesagt worden, weil der Jubilar Corona bekommen hat.“

Dennoch stellt Andreas Frank heraus, dass nicht die virulente Problematik und die damit verbundenen Probleme seiner Branche alleiniger Grund für den Abschied aus der TAV-Gaststätte seien. „Es gibt nicht ein oder zwei, sondern 15 oder 20 Gründe“, sagt er. So sei es zunehmend schwer gewesen, genug gutes, zuverlässiges und bezahlbares Personal für Küche und Service zu finden. Auch drückten zunehmend die Einkaufs- und Betriebskosten, gleichwohl er bislang habe finanziell „gut davon leben“ können. „Aber allein Strom und Gas verursachen nun 1.000 Euro Mehrkosten im Monat.“ Auch eine erträgliche Work-Life-Balance sei nicht machbar gewesen: „Bei 18.000 Euro Fixkosten kann ich nicht einfach vier Wochen am Stück zumachen.“ Generell arbeite er „seit 32 Jahren jedes Ostern, jedes Weihnachten“. Seit er selbstständig sei, sei zudem die Sechs-Tage-Woche die Regel. Mehr als 60 freie Tage jährlich blieben so nicht. Ein Angestellter kommt auf rund 140 freie Tage.

Aus diesem Hamsterrad brechen Andreas und Sybille Frank nun aus. „Wir haben hier Geld verdient – aber das ist nicht alles“, weiß der Koch. Der Branche bleibt das Paar indes erhalten: Ab dem 1. Februar 2023 will es sich auf den Cateringbetrieb konzentrieren. „Dafür bauen wir daheim unsere Garage zur professionellen Küche um“, blickt Andreas Frank voraus. Dort könne man dann auch Essen abholen. Aber nicht mehr sechs Tage wöchentlich: „Montags und dienstags wird dann geschlossen sein.“ Die Kundschaft gibt den Franks bereits einen großen Vertrauensvorschuss: „Für Juli und August 2023 ist bei uns schon jetzt das Catering für acht Hochzeiten gebucht!“

(Text: jedö)