Hat Altheimerin „Deutschlands schönste Kurven“?

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Die Altheimerin Nicole Müller steht im Finale des Wettbewerbs „Fräulein Kurvig“. (Foto: jedö)

Nicole Müller steht im Finale des Wettbewerbs „Fräulein Kurvig“  / Siegerin kriegt Model-Vertrag

Mitunter steht Nicole Müller in Gummistiefeln in der Wurstküche – schließlich betreibt die 39-Jährige mit ihrem Mann Holger einen Partyservice. Am 1. Oktober wird die Altheimerin indes schickes Schuhwerk tragen: Dann nimmt sie an der Endrunde des Wettbewerbs „Fräulein Kurvig“ teils, als eine von acht Finalistinnen des Teilcontests „Big Twisters“. Dabei wird Müller als Teil einer Frauengruppe Mode in tänzerischer Bewegung präsentieren; der auffälligsten Finalistin winkt ein Vertrag als Plus-Size-Model.

Hinter Fräulein Kurvig steht das gleichnamige Unternehmen mit Melanie Hauptmanns an der Spitze. Oberflächlich betrachtet hat es sich zum Ziel gesetzt, „Deutschlands schönste Kurven“ zu küren. Dies derweil nicht nur in der Kategorie Big Twisters, sondern auch im Rahmen einer „Miss Kurvig“- und einer „Mister Big“-Wahl. Bei genauerem Hinsehen geht es um deutlich mehr als „nur“ üppige Schönheit: „Es geht um Selbstliebe und Body Positivity“, stellt Müller heraus und liegt damit auf einer Wellenlänge mit der Veranstalterin.

Die Altheimerin präzisiert, was sie damit meint. Vorab: Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ und andere Formate, die (zumindest lange Zeit) ein bestimmtes Schönheitsideal propagier(t)en, seien „schon immer an mir abgeprallt“. Mit ihrem Körper habe sie nie gehadert und im Großen und Ganzen sei die deutsche Gesellschaft bereits recht tolerant und vielfältig unterwegs. „Wir dürfen den Blickwinkel aber gern noch erweitern“, findet sie. „Es gibt immer mehr Frauen, die diese Normalmaße haben“, sagt sie. Voraussetzung für die Teilnahme bei der Miss Kurvig ist mindestens eine Konfektionsgröße von 42.

Positivere Einstellung zum Leben

Müller ist sich sicher: „Wenn wir offener mit unserem Körper umgehen, gewinnen wir unheimlich viel!“ Wer das Vertrauen in sich habe, dass er gut ist, wie er ist, „hat auch insgesamt eine positivere Einstellung zum Leben, so dass ihm vieles leichter fällt“. Die Unternehmerin will das mit ihrer Teilnahme am Wettbewerb untermalen und auch andere inspirieren: „Wir dürfen ruhig mehr Kurven zeigen! Deshalb gehe ich raus auf die große Bühne.“

Dort steht sie am 1. Oktober ab 19 Uhr in der Kulturlocation „Kunstwerk“ in Mönchengladbach im Rampenlicht. Allerdings reist Müller schon vorher an: Am 29. und 30. September trainieren die Big-Twisters-Finalistinnen ihre Choreografie ein, die sie am Tag der Gala auch noch in einer Generalprobe perfektionieren. Die Altheimerin hatte sogar noch eine andere Option: Bei ihrer Bewerbung („Ich bin über Social Media drauf aufmerksam geworden, habe dann auf mein Bauchgefühl gehört und mich beworben, ich bin der intuitive Typ“) hatte sie offen gelassen, ob sie beim Einzelwettbewerb oder den Big Twisters mitmachen wollte. Vor wenigen Wochen gehörte sie dann zu den 100 von zunächst 1.700 Bewerberinnen, die sich nach Einreichung von ein paar Fotos und Zeilen in Düsseldorf persönlich im Halbfinale vorstellen durften. „Jede Kandidatin hatte fünf Minuten – ich habe einfach mal ,Jingle Bells’ in einer Swingversion gesungen“, lacht sie.

Ihre Darbietung kam offenbar an. Schließlich folgten die Festlegung auf die Fashion-Tanzgruppe und ihre Nominierung fürs Finale der (in den Augen der Jury) acht spannendsten Bewerberinnen. Überzeugt sie die Juroren und das Publikum, das eine zur Jury gleichwertige Stimme vergibt, auch in der Endrunde, winkt im Falle des ersten Platzes der eingangs erwähnte Modelvertrag. „Der wäre schön ein Träumchen“, gibt Nicole Müller zu. „Im Vordergrund stehen aber vor allem die Gemeinschaft und die Botschaft!“

(Text: jedö)