Triathleten des VfL Münster: Mit viel „Stallgeruch“ in die 2. Bundesliga

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Sebastian Mais, Sven Theis, Lars Heppner, Steffen Rupp und Mauritz Ehry (v. l.) bildeten in den vergangenen Monaten die Stammbesetzung des VfL Münster in der Triathlon-Regionalliga Mitte. Durch den Titel startet der VfL 2023 in der 2. Bundesliga. (Foto: jedö)

Ab dem kommenden Jahr hat das Rhein-Main-Gebiet einen weiteren Triathlion-Bundesligisten: Der VfL Münster hat am letzten September-Wochenende sein Meisterstück in der Regionalliga Mitte und damit den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. Neben dem DSW Darmstadt (je ein Team in der 1. und 2. Bundesliga), Eintracht Frankfurt, dem TuS Griesheim und dem TSV Amicitia Viernheim (alle 2. Liga) festigen die Münsterer damit ihre Stellung in der Szene. Besonders bemerkenswert ist der Weg, den der Verein für Leibesübungen gen Unterhaus genommen hat.

Denn von den sieben Athleten, die der Klub aus der Gersprenz-Gemeinde in der Regionalliga-Saison 2022 eingesetzt hat, haben sechs „Stallgeruch“, sind beim VfL ausgebildet worden. „Die meisten haben den Triathlon bei uns erlernt“, sagt Andreas Kropp, Zweiter Vorsitzender des Vereins und Schwimmtrainer der Regionalliga-Sportler. Sebastian Mais, Sven Theis, Lars Heppner, Mauritz Ehry und Steffen Rupp bildeten in den vergangenen Monaten die Stammbesetzung. Außer Rupp, der vor drei Jahren zum VfL stieß, sind allesamt Münsterer Gewächse. Was auch für Nils Haase und Fabian Straulino gilt, die ihrerseits Einsätze in den vier Saisonrennen erhielten.

Aufstieg noch gar nicht eingeplant

Dabei war der Aufstieg in die 2. Liga in diesem Jahr noch gar nicht eingeplant. „Den hatten wir uns eigentlich erst für 2023 vorgenommen“, sagt Kropp und nennt den Grund: „Mit Lukas Bugar und Christian Ache kommen dann zwei Landeskader-Athleten aus der Jugend raus und verstärken unsere erste Mannschaft.“ Doch schon diesmal, ohne die beiden Toptalente reichte es.

Im ersten Rennen zeichnete sich die Meisterschaft unterdessen noch nicht ab. Beim Auftaktsprint in Gelnhausen, der in Form zweier „Supersprints“ (jeder Athlet absolvierte mit Unterbrechung zwei halbe Sprintdistanzen) ausgetragen wurde, reichte es fürs Münsterer Quintett nach Abzug des Streichresultats „nur“ zu Platz fünf. Dann aber zeigte die Formkurve steil nach oben: Das zweite Rennen in Bottendorf und das dritte in Viernheim gewann der VfL; nach Platz zwei zum Abschluss vor ein paar Tagen in Gelnhausen war ihm der Titel nicht mehr zu nehmen. Kein anderes Team der Regionalliga Mitte, in der Mannschaften aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland starten und in der der DSW Darmstadt III die Vizemeisterschaft holte, konnte mit dieser Münsterer Konstanz mithalten.
„Für einen kleinen Verein wie uns ist das ein Brett!“, ordnet Andreas Kropp den Erfolg ein. Zwar hat der VfL Münster rund 400 Mitglieder und auch als Veranstalter des traditionsreichen „Moret-Triathlons“ einen Namen. Allerdings ist er ein Mehrspartenverein, in dem auch Leichtathletik, Breitensport und Volleyball stattfinden und in dem der Triathlon nur eine Abteilung unter mehreren ist.

Zum hohen Niveau im nahen Umfeld von hochkarätigen Konkurrenten wie Darmstadt (mit dem Ex-VfL-Athlet Lars Anders) und Griesheim (wo der frisch gebackene „Moret“-Sieger des VfL, Julian Becker, in der Mannschaft startet) trügen neben dem personellen Einsatz im Verein maßgeblich die guten Trainingsbedingungen in Münster und der Umgebung bei, betont Kropp. Zwar ist der Münsterer Hallenbad wegen technischer und baulicher Mängel seit 2019 geschlossen und wird abgerissen, doch nutzt der VfL seit einem Jahr umfänglich das neue Sportbad des WSV Dieburg. In Münster bietet das Gersprenzstadion mit seiner Tartanbahn sehr gute Bedingungen, „und die Region ist perfekt fürs Radtraining“, wie Kropp mit Blick auf die Anstiege im vorderen Odenwald verweist.

VfL-Athleten Mike und Sven Theis starten auf Hawaii

Wie im nebenstehenden Text geschildert, rotierte der VfL Münster in der Triathlon-Regionalliga mitunter personell und stellte über die vier Rennen hinweg sieben verschiedene Athleten ins Fünferteam. Im letzten Saisonrennen fehlte aus der Stammbesetzung Sven Theis, was einen spektakulären Grund hatte.
Denn Theis wurde in diesem Rennen (vor allem wegen der Vermeidung einer Erkältung angesichts des nasskalten Wetters) geschont, weil er sich in der M20 für den „Ironman“ auf Hawaii qualifiziert hat. Dies war Theis als Zweiter seiner Altersklasse bei der Langdistanz der Marke im Sommer in Frankfurt gelungen, mit einer Zeit von 9:02 Stunden.

Bemerkenswert: Theis wird am 7. Oktober (die Hawaii-Rennen sind in diesem Jahr auf drei Tage aufgeteilt, mit dem Profirennen der Frauen am 6., den Altersklassen-Athleten am 7. und den männlichen Profis am 8. Oktober) nicht als einziger Münsterer Athlet am Start stehen und auf die zunächst fast vier Kilometer im Pazifik warten. Denn auch sein Vater Mike Theis ist dabei – er hatte sich in der M60 über ein Ironman-Rennen in Kopenhagen qualifiziert.

Anlässlich der Teilnahme des Vater-Sohn-Gespanns plant der VfL am Renntag – in Deutschland durch die Zeitverschiebung mitten in der Nacht – ein vereinsinternes Public Viewing.

(Text: jedö)