Frankfurt: Beisetzung der Soldaten der „Grande Armée“

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Von links nach rechts: Andrea Hampel, Birgit Großkopf, Generalkonsulin Ilde Gorguet, Stadtrat Mike Josef. (Foto: Denkmalamt Stadt Frankfurt am Main)

Am vergangenen Mittwoch sind auf dem Frankfurter Südfriedhof die Gebeine der 209 napoleonischen Soldaten, die während der Ausgrabungen 2015 dokumentiert wurden, beerdigt worden.

Die Gebeine wurden bei Bauarbeiten in Rödelheim gefunden. Als der Neubau am Rödelheimer Bahnhof begann, war das Denkmalamt der Stadt Frankfurt vor Ort, um die Baumaßnahme archäologisch zu begleiten. Denn: Die Fundstelle ist bereits seit 1979 bekannt, als erste Skelettteile bei einer Kanalbaumaßnahme entdeckt wurden. Damals konnten die beigabenlosen Befunde jedoch nicht zeitlich eingeordnet werden, was durch die neue Ausgrabung 2015 nun präzise gelang.

In der Zeit von 1813 bis 1814 verstorben

Die Toten waren in Einzel- und Massengräbern außerhalb eines Friedhofes, das heißt, damals im freien Feld, bestattet worden. Sie sind in der Zeit von 1813 bis 1814 verstorben, als während der Befreiungskriege und nach der letzten Schlacht auf deutschem Boden in Hanau die französische Armee auf dem Rückzug nach Mainz war und von den Alliierten Truppen verfolgt wurden. Am wichtigen Niddaübergang in Rödelheim kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen an der Brücke.

Trotz der großen Soldatenzahlen, die zeitgenössisch und durchaus glaubhaft mit insgesamt rund 500.000 Uniformierten angegeben werden, sind nur sehr wenige Gräber bekannt. Nicht nur für das Frankfurter Stadtgebiet, sondern auch für das gesamte Rhein-Main-Gebiet sind Soldatengräber dieser Zeit ein sehr seltener Befund.

Entsprechend schlecht ist die Kenntnis über den Zustand der Soldaten. Dies vor dem Hintergrund, dass zeitgenössische Berichte von kranken, ausgemergelten und zerlumpten Gestalten sprechen, während zeitgleiche Darstellungen stets adrette und wohlgenährte junge Uniformierte in heroischem Kampf abbilden. Aus diesem Grund sind alle Toten im anthropologischen Institut der Universität Göttingen unter der Leitung von Birgit Großkopf umfassend untersucht worden.

Die archäologischen Befunde sind im Denkmalamt bearbeitet und restauriert worden. Anthropologie und Grabungsergebnisse sollen zusammen mit einer historischen Betrachtung der Zeit der Befreiungskriege in einem gemeinsamen Buch im kommenden Jahr veröffentlich werden.

Bereits Grabfeld der Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 in der Nähe

Die Stadt Frankfurt hat für die Beerdigung auf Wunsch des französischen Generalkonsulats ein Grabfeld auf dem Südfriedhof zur Verfügung gestellt, da sich in der Nähe bereits ein Grabfeld der Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 befindet.

Mit diesem Areal auf dem Südfriedhof hat das Grünflächenamt eine sehr gut geeignete Fläche für die letzte Ruhestätte der Soldaten gefunden, diese hergerichtet und einen Gedenkplatz angelegt, der bereits seit 2019 mit einem zweisprachigen Gedenkstein geschmückt ist. Außerdem übernehmen die Gärtnerinnen und Gärtner die künftige Pflege des Grabfeldes. Mit der Feier vom 2. November finden die Toten aus Rödelheim einen würdigen und abschließenden Ruheplatz.

Die Gedenkfeier fand statt in Anwesenheit von Ilde Gorguet, Generalkonsulin der Französischen Republik in Frankfurt am Main, Stadtrat Mike Josef, Karin Mosch, stellvertretende Amtsleitung des Grünflächenamts, Andrea Hampel, Amtsleitung Denkmalamt, Légion étrangère (Fremdenlegion), Bundeswehr, Armée française (Französische Armee), Le Souvenir français, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie Birgit Großkopf, Universität Göttingen, statt.

(Text: PM Stadt Frankfurt)