AOK Hessen: Initiative will Gewalt in der Pflege enttabuisieren

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Mit Gewalt in der Pflege beschäftigt sich eine neue AOK-Initiative, an der sich etliche weitere Organisationen aus der Pflegebranche beteiligen. (Foto: Pixabay)
(Symbolfoto: Pixabay)

Mit Gewalt in der Pflege beschäftigt sich eine neue AOK-Initiative, an der sich etliche weitere Organisationen aus der Pflegebranche beteiligen. Es gibt vielfältige Gründe, warum es zu Gewalt im Pflegekontext kommen kann – in Familien oder auch in Einrichtungen. Besonders herausfordernd ist die Lage, wenn Demenz vorliegt.

Ziel der Aktion ist es, auf die verschiedenen Formen der Gewalt aufmerksam zu machen. Sie reichen von körperlicher über psychische bis hin zu sexualisierter Gewalt. Seelischer Druck, Diskriminierung, Einschränkungen von persönlicher Freiheit und des freien Willens, aber auch Vernachlässigung zählen dazu. Die Pandemie hat lange Zeit das Stress-Level zusätzlich erhöht: Angehörige konnten nicht zu ihren Verwandten, Räume in Heimen konnten teilweise über Monate nicht genutzt werden, die Zahl der Sterbefälle war bedeutend höher. „Die mitunter ungewöhnlich hohen Belastungen in diesem Beruf oder auch, wenn Angehörige pflegen und dadurch enorm überlastet sind, können situativ zu Konflikten führen. Allerdings gibt es auch viele Wege, um die Lage wieder zu deeskalieren, in gemäßigte Bahnen zu lenken“, merkt Markus Schindler, bei der AOK Hessen verantwortlich für Prävention in der Pflege, an. Wobei mit Gewalt nicht zwangsläufig Handgreiflichkeiten gemeint sind. Auch das Feststellen der Rollstuhlbremsen sein, wenn die pflegebedürftige Person diese nicht selbstständig lösen kann oder das bewusste Übersehen einer längst übergelaufenen Windel zählen dazu, sofern dies regelmäßig vorkommt.

Seit sechs Jahren bietet die AOK Hessen in Kooperation mit der BAHN-BKK acht Qualifizierungsmodule im Bereich Gewaltprävention für Fachpersonal an. „Gewalt beginnt oftmals schleichend und kann sich wie ein Gift langsam, aber stetig verbreiten“, weiß Schindler. Es sei ein gutes Zeichen, dass sich die allermeisten Einrichtungen diesem Phänomen stellen und Fortbildungen buchen. Zusätzlich bietet die AOK-Pflege-Mediathek grundlegende Informationen und Schulungen, die Pflegeeinrichtungen als Einstieg zu Förderprojekten nutzen können. Wie sich Gewaltereignisse und daraus resultierende gesundheitliche Folgen in der professionellen Pflege vermeiden lassen, zeigen Handbücher, die die AOK entwickelt und in der Praxis erprobt hat.

(Text: PM AOK Hessen)11