Frauenpower und innovative Techniken in Langener Endoskopie

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Im Bild (v.l.): Dr. Isabell Reiffenstein, Leitende Oberärztin Med. Klinik III/ Gastroenterologie und Dr. Sohailla Hayati, Oberärztin, Med. Klinik III/ Gastroenterologie. (Foto: LPR)

Die Gastroenterologinnen Dr. med. Isabel Reiffenstein und Dr. med. Sohailla Hayati haben neue minimalinvasive Untersuchungs- und Therapiemethoden in der Med. Klinik II an der Asklepios Klinik Langen etabliert. Sie finden es „faszinierend, wie man durch endoskopische Techniken Operationen verhindern kann“.

Zu den Schwerpunkten der Medizinischen Klinik II gehört die Gastroenterologie; dieser Begriff umfasst alle Erkrankungen, die das Verdauungssystem von der Speiseröhre bis zum Enddarm einschließlich Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase betreffen. Im Team von Chefarzt, Professor Dominik Faust, sind dort fünf Oberärzte, zwölf Assistenzärzte und das entsprechende Pflegepersonal tätig. Bei vielen Krankheiten sind minimalinvasive Eingriffe möglich, die vor noch nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen wären. Davon profitieren gerade auch Patienten, die an schweren Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts leiden und insbesondere von den neuen Therapiemethoden, die Reiffenstein und Hayati d in den vergangenen Jahren in Langen initiierten. Dazu gehört die Endosonografie, mit der sich minimalinvasiv feststellen lässt, ob sich zum Beispiel Gallenblasen- oder Gallengangsteine gebildet haben: Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung wird bei einem in Kurzschlafnarkose befindlichen Patienten durch den Mund ein flexibles Endoskop eingeführt, an dessen Ende sich eine Mini-Kamera und ein Ultraschallkopf befinden. Mittels Ultraschall werden durch die Magenwand Bauchspeicheldrüse und Gallengänge untersucht. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist so ebenfalls zu entdecken. Auffällige Befunde lassen sich dabei gleich von innen punktieren. Bei einer Punktion von außen bestehe immer die Gefahr, Tumorzellen ins Bauchfell zu verschleppen und damit Metastasen zu erzeugen, machte Hayati deutlich.

Erfolgsquote von über 90 Prozent

Auch bei anderen Erkrankungen hilft die Endosonografie weiter. Heftige Bauchschmerzen, Fieber, Völlegefühl beim Essen und Erbrechen können etwa auf eine massive Bauchspeicheldrüsenentzündung hindeuten; sie kann in seltenen Fällen Eiteransammlungen hervorrufen, die dann meist um den Magen herum auftreten. Diese sogenannten Pseudozysten werden von Reiffenstein und Hayati mittels Endoskop punktiert. Ein exakt in die Pseudozyste gesetzter Metallstent sorgt dafür, dass die Eiterflüssigkeit in Magen oder Dünndarm ablaufen kann. Mediziner sprechen hier von einer transgastralen oder transduodenalen Drainage. An den Arzt, der den Eingriff ausführt, stellt dies hohe Anforderungen: „Man muss die geeignete Punktionsstelle sorgfältig auswählen und stets konzentriert bleiben“, hebt Hayati hervor. Früher hätten alle Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündung operiert werden müssen, sagt Reiffenstein. Häufig habe es dabei jedoch Komplikationen gegeben. Bei der transgastralen Drainage mittels Endosonografie liegt die Erfolgsquote nach Angaben der beiden Ärztinnen weit über 90 Prozent.

Reiffenstein studierte Medizin in Frankfurt; ihre Facharztausbildung zur Internistin, Gastroenterologin und Notfallmedizinerin absolvierte sie anschließend am Klinikum Hanau, wo sie als Oberärztin tätig war. Die 40 Jahre alte Medizinerin wuchs in Langen auf, kennt die Stadt daher sehr gut und wechselte im Frühjahr 2021 als Leitende Oberärztin an die Langener Asklepios Klinik. Ihre 36 Jahre alte Kollegin Hayati hat afghanische Wurzeln und kam mit ihrer Familie als Fünfjährige nach Deutschland. Nach dem Medizinstudium in Frankfurt fing sie ebenfalls am Klinikum Hanau an. Ebenso wie Reiffenstein kann sie die erfolgreich abgeschlossene Facharztausbildung zur Internistin, Gastroenterologin und Notfallmedizinerin vorweisen. Seit Juni 2019 wirkt sie als Oberärztin an der Medizinischen Klinik II in Langen.

Der Chefarzt der Medizinischen Klinik II, Professor Faust, war für Reiffenstein bei ihrem Wechsel nach Langen kein Unbekannter: Bei ihm habe sie während eines Praktikums an der Universität ihre erste Magenspiegelung gesehen. Das habe ihre Leidenschaft für die Gastroenterologie „schon damals geweckt“. Sowohl Faust als auch die Geschäftsführung der Langener Klinik seien „sehr offen für neue Therapiemethoden“, machten Reiffenstein und Hayati deutlich. Eine solche Aufgeschlossenheit gebe es nicht überall.

ERCP-Untersuchungstechnik gerade bei unklaren Befunden

Schon seit längerer Zeit nutzen die Ärzte der Medizinischen Klinik II die sogenannte ERCP-Untersuchungstechnik zur endoskopischen Untersuchung der Gallengänge unter Röntgenkontrolle. Gerade bei unklaren Befunden vertrauen Reiffenstein, Hayati und ihre Kollegen bei der Gallengangspiegelung vermehrt aber auch auf eine über das Endoskop eingeführte Kamera. Der Fachbegriff hier lautet Cholangioskopie. Die kleine Kamera liefert so gute Bilder des Gallengangs, dass sich der Arzt die Schleimhaut genau anschauen, eventuell vorhandene Tumoren erkennen und Proben unter Sicht entnehmen kann. Ebenso können auch Steine im Gallengang vor Ort zertrümmert werden. Mit der Cholangioskopie habe man schon bei einigen Patienten Krebs im Frühstadium diagnostiziert, hoben Reiffenstein und Hayati hervor. Wurden früher bei einem Patienten Steine im Gallengang festgestellt, habe es nur die Möglichkeit einer aufwendigen Operation gegeben. Anschließend sei auch hier fast immer mit Komplikationen zu rechnen gewesen. Mit ERCP und Cholangioskopie bleibe dies den Patienten heute in der Regel erspart, sagte Hayati.

Jährlich rund 350 ERCP-Untersuchungen und 50 Cholangioskopien werden an der Medizinischen Klinik II der Asklepios Klinik Langen derzeit vorgenommen
Aussackungen am oberen Ende der Speiseröhre, die von einer Bindegewebsschwäche hervorgerufen werden, können ebenfalls in Langen endoskopisch behandelt werden. In diesen sogenannten Zenker-Divertikeln können sich Nahrungsreste festsetzen und auf die Speiseröhre drücken. Betroffene leiden an Schluckstörungen oder stellen fest, dass nachts unverdaute Nahrungsreste wieder in den Mund gelangen. Oft haben sie über Jahre mit dieser seltenen Erkrankung zu tun und können sich zunehmend nicht mehr richtig ernähren. In Langen setzen Reiffenstein und Hayati darauf, ein Gastroskop mit flexiblem Schlauch, wie es auch bei Magenspiegelungen verwendet wird, durch den Mund des Patienten einzuführen. Dadurch wird vermieden, den Hals zu überstrecken. Eine Mini-Kamera im Gastroskop ermöglicht es dem Arzt, den Eingriff am Bildschirm zu verfolgen. Der Muskelsteg zwischen Speiseröhre und Aussackung wird dabei durchtrennt, so dass die Aussackung aufklappt und die Nahrung den vorgesehenen Weg durch die Speiseröhre nehmen kann. Der Patient wird nur in Kurzschlafnarkose versetzt.

„Uns macht die Gastroenterologie mit allen Interventionen große Freude“, so Reiffenstein und Hayati. Die Patienten wissen das Wirken der beiden Medizinerinnen zu schätzen: Ein Patient, bei dem die Ärztinnen kürzlich ein Zenker-Divertikel entfernten, konnte danach zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Schnitzel essen. Er versprach, das gesamte Team der Endoskopie künftig in sein Abendgebet einzuschließen.

(Text: PM LPR)