Eppertshäuser Ernes Erko Kalac erhielt Sportplakette des Landes Hessen

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Der Eppertshäuser Ernes Erko Kalac (r.) ist mit der Sportplakette des Landes Hessen ausgezeichnet worden. Hüseyin Imam (l.) machte er zum Kickbox-Europameister, Karateka Wael Shueb (Mitte) brachte er 2021 zu den Olympischen Spielen in Tokio. (Foto: jedö)

Es ist die höchste Auszeichnung, die das Land Hessen an aktive Sportler, Trainer und Funktionäre verleiht: die Sportplakette. Zehn Sportler und je fünf Trainer und Funktionäre bekamen sie in Wiesbaden kürzlich fürs Jahr 2022 überreicht, darunter illustre Gewinner wie Rennfahrer Sebastian Vettel, Eintracht-Coach Oliver Glasner und der in Langstadt lebende Handbiker Vico Merklein. Unter den fünf ausgezeichneten Funktionären war auch ein Eppertshäuser: Ernes Erko Kalac, Mitgründer und seit 20 Jahren Vorsitzender des Gesundheits- und Kampfsportverein (GKV) Lotus Eppertshausen hat die Sportplakette ebenfalls erhalten.

Für sein Wirken im Sport und in der Gesellschaft hatte der 58-Jährige 2006 bereits den Hessischen Integrationspreis und 2021 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Der gebürtige Montenegriner, der in den 80ern sowohl ein Diplom als Maschinenbau-Ingenieur als auch als Karate-Lehrer machte, tanzt in sportlicher, politischer und vor allem integrativer Hinsicht noch immer auf vielen Hochzeiten, wurde mit der Landesauszeichnung aber fast schon für eine Art Lebenswerk gewürdigt.

Bereits mit 24 eigenen Karate-Club gegründet

Die Basis für vieles legte in Kalacs Vita der Kampfsport. Als Zehnjähriger begann er mit Karate, besitzt heute den 6. Dan (Schwarzgurt). Noch in Montenegro gründete er 1988 seinen eigenen Klub, als damals gerade 24-Jähriger. Im selben Jahr wurde er WM-Dritter im Kumite (Kampf) – ein Jahr zuvor hatte er in dieser Karate-Disziplin bereits EM-Bronze geholt. Zehn Jahre später floh Kalac vor den Balkankriegen nach Deutschland. Im Rhein-Main-Gebiet fand er schnell Anschluss als Kickbox- und Karatetrainer in einem Groß-Zimmerner Fitnessstudio, auch als Coach in Maintal und Offenbach. In Eppertshausen, wo er 2002 zu den Gründern des GKV Lotus gehörte und bis heute dessen Vereinschef und Gesicht ist, wurde er heimisch.

Kalac integrierte sich in jedweder Hinsicht und machte Karriere. Dies zum einen mit dem Eppertshäuser Verein, der schon im ersten Jahren Weltcup-Siege im Team feierte, zum anderen als Trainer zweier Einzel-Europameister (Afrim Latifi im Karate-Kumite, Hüseyin Imam im Kickboxen). 2021 brachte er den syrischen Flüchtling Wael Shueb als Teil des IOC-Integrationsteams zu den Olympischen Spielen nach Tokio.

Von 2002 bis 2006 Kumite-Nationaltrainer für Serbien und Montenegro

Von 2002 bis 2006 fungierte Kalac nicht nur als Kümmerer beim Eppertshäuser GKV, sondern auch als Kumite-Nationaltrainer für Serbien und Montenegro. Der Deutsche Olympische Sportbund machte ihn außerdem zum Integrationsbotschafter. Kalac engagiert sich zudem in der SPD. Für die Landtags-Wahl in diesem Jahr ist er Ersatzkandidat seiner Partei im Wahlkreis 52, der aus den Kommunen des Ostkreises Darmstadt-Dieburg – darunter Eppertshausen – gebildet wird.

Über die Auszeichnung mit der Sportplakette freut sich Ernes Erko Kalac sehr. Er habe sie zum Anlass genommen, „in Gedanken noch einmal bis zu meiner Flucht zurückzugehen“. Er betont: „Ich wollte mein Geburtsland nie verlassen. Leider ging es nicht anders.“ Als großes Glück, verbunden mit großer Dankbarkeit und Demut, empfinde er es, vor 25 Jahren nach Deutschland gekommen zu sein: „Hier darf ich in Freiheit, Frieden und Demokratie leben.“
Zunächst habe er hier allerdings das „Flüchtlingsetikett getragen, ich bin in der deutschen Bürokratie auf eiserne Türen gestoßen, mein Studium wurde nicht anerkannt, ich konnte meine Berufsqualitäten nicht zeigen“. In dieser schweren Phase habe ihm „der Sport die Türen geöffnet. Viele Sportlerinnen, Sportler und Kinder freuten sich, mich als Trainer zu gewinnen. Das war der Aufstieg. Der Verein war das Sprungbrett für alles.“

Bis heute habe er „über 6.000 Menschen betreut“, rechnet Kalac vor. Besonders stolz ist er nach wie vor auf „seinen“ GKV Lotus: „Hier spielen die soziale Herkunft und das Geld keine Rolle. Wer seinen Beitrag nicht zahlen kann, muss es nicht.“ Im Eppertshäuser Gesundheits- und Kampfsportverein zahlen derzeit nur 70 der mehr als 300 Mitglieder ein Entgelt.

(Text: jedö)