Hochtaunuskreis: Aus der Kleiderkammer wird das Spendenzentrum

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Volle Regale: Im Spendenzentrum können sich ukrainische Flüchtlinge nicht nur mit Kleidung versorgen, sondern auch mit Schuhen, Geschirr, Töpfen und Spielzeug. (Foto: Hochtaunuskreis)

Unmittelbar nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 riefen die Hochtaunus-Kliniken eine Spendenaktion ins Leben. Die Resonanz in der Bevölkerung war überwältigend. Bereits Anfang März konnte ein Hilfskonvoi in Richtung Lviv losgeschickt werden. Und auch jetzt noch ist die Spendenbereitschaft für die Menschen in der Ukraine und für die, die vor der Gewalt geflüchtet sind, ungebrochen.

Die Hochtaunus-Kliniken hatten seinerzeit im Untergeschoss des Impfzentrums die Spendenstelle eingerichtet, da dort die Platzkapazität sowohl für die Annahme gespendeter Waren als auch für die Abgabe der Waren gegeben war. Doch mit der Schließung des Impfzentrums musste die Kleiderkammer umziehen. Denn eines war klar: eine solche Spendenstelle ist auch im elften Monat des Krieges unverzichtbar, eine Schließung kam daher nicht in Frage.

„Auf der Suche nach einem neuen Standort wurde man im Gluckensteinweg 101 in Bad Homburg fündig, wo zuvor die Corona-Schwerpunktpraxis im früheren Gemeindezentrum St. Franziskus untergebracht war“, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete Thorsten Schorr. Der Hochtaunuskreis beauftragt die Servicegesellschaft der Hochtaunus-Kliniken die Einrichtung zu betreiben. Unterstützt wird die Servicegesellschaft von Helfern des Vereins „Gemeinsam für die Ukraine“ um die Vorsitzende Tetyana Fischer und Erwin Paske sowie weitere Aktive.

Name Kleiderkammer ist mittlerweile nicht mehr passend

Mit dem Umzug ist auch eine Umbenennung in „Spendenzentrum“ verknüpft. „Der Name Kleiderkammer ist mittlerweile nicht mehr passend“, erklärt Kreisbeigeordnete Katrin Hechler. Denn längst geht es nicht mehr nur um Kleidung, sondern es werden auch Spielzeug, Medikamente, medizinisches Gerät, Lebensmittel, Powerbänke und ähnliches entgegengenommen, die vom Verein in die Ukraine zu den Menschen gebracht werden, die ebenfalls Hilfe benötigen. „Powerbänke sind beispielsweise sehr wichtig“, erklärt Erwin Paske. Denn durch die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fällt die Stromversorgung immer wieder aus. In den Zeiten, in denen Strom vorhanden ist, müssen Smartphones und Computer aufgeladen werden, denn sie sind für die ukrainische Bevölkerung die wichtigsten Informations- und Kommunikationsmittel. Auch Medikamente werden in der Ukraine dringend benötigt. „Gerne nehmen wir im Spendenzentrum beispielsweise abgelaufene Verbandskästen aus Autos entgegen“, ergänzt Tetyana Fischer. Angebrochene Medikamente, sofern diese sich noch in einer Blisterverpackung befinden, werden ebenfalls angenommen.

Gleichzeitig benötigen aber auch die Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine im Taunus Zuflucht gesucht haben, weiterhin Unterstützung bei der Beschaffung von Dingen des alltäglichen Gebrauchs wie Schuhe, Kleidung, Bettwäsche, aber auch Spielzeug, Geschirr und Handtücher. All diese Dinge sind weiterhin im Spendenzentrum erhältlich.

„Das Spendenzentrum wird an seinem neuen Standort schon jetzt sehr gut angenommen“, weiß Klinik-Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty. „Zu den Öffnungszeiten ist hier immer viel Betrieb. Wir sind daher sehr froh, dass wir viele Helfer haben, die das Spendenzentrum betreuen, die den Menschen helfen, sich hier zurechtzufinden, die Spenden annehmen und die Waren für die Ausgabe vorbereiten.“

Hausregeln treten zum 1. Februar in Kraft

Doch gerade weil der Andrang nach wie groß ist, ist es auch wichtig, dass wir dafür sorgen, dass alles in geordneten Bahnen abläuft, so Sozialdezernentin Hechler. Deshalb wurden Hausregeln vereinbart, die zum 1. Februar in Kraft treten sollen. Die Regeln werden in deutscher und ukrainischer Sprache ausgehängt. Danach herrscht im Gebäude eine FFP-2-Maskenpflicht. An der Eingangskontrolle werden die persönlichen Daten auch weiterhin erfasst. Ein Besuch im Spendenzentrum ist nur einmal wöchentlich möglich. Der Einkauf erfolgt mittels einer ausgegebenen großen Tasche, deren Inhalt 5 Euro kostet. Von ukrainischen Flüchtlingen, die im Hochtaunuskreis gemeldet sind und die ein entsprechendes Schreiben vorweisen können, wird dieser Betrag nicht erhoben. Eingekauft werden dürfen nur haushaltsübliche Mengen, lediglich beim ersten Besuch des Spendenzentrums ist ein Großeinkauf möglich.

Aber auch die Personen, die spenden möchten, müssen sich an Regeln halten. So ist eine Abgabe von Spenden nur während der Öffnungszeiten möglich. Gespendete Kleidung sollte gewaschen und von guter Qualität sein. Gleiches gilt für Schuhe und Spielsachen.
„Wir werden genau beobachten, wie sich die Dinge hier entwickeln und gegebenenfalls nachsteuern“, verspricht Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr. So könnten bei Bedarf auch noch einmal die Öffnungszeiten angepasst werden. „Wir wollen uns bei allen bedanken, die dazu beitragen, dass hier im Spendenzentrum den Menschen, die nahezu alles verloren haben, geholfen werden kann. Das sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier im Spendenzentrum, die Vereinsmitglieder und natürlich auch die vielen Spender“, betonte Schorr. Gemeinsam mit der Kreisbeigeordneten Katrin Hechler und Kliniken-Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty übereichte er deshalb den Helferinnen und Helfern Kapuzenpullis mit blau-gelbem Aufdruck und Hochtaunus-Logo.

Infos auf einen Blick

Spendenzentrum für ukrainische Flüchtlinge: Bad Homburg, Gluckensteinweg 101, 61350 Bad Homburg

Öffnungszeiten: Dienstag: 10 bis 13 Uhr, Donnerstag: 15 bis 18 Uhr, Samstag: 10 bis 13 Uhr

Folgende Gegenstände werden aktuell im Spendenzentrum entgegengenommen:
Geschirr, Besteck, Töpfe, Pfannen, Gläser, Küchenzubehör (Kaffeemaschine, Wasserkocher, etc.) aller Art, Bettwäsche, Wolldecken, Iso-Matten, Schlafsäcke, Decken und Kissen, Handtücher und Geschirrtücher, Winterkleidung (Damen, Herren, Kinder), Kleidung (gewaschen und neuwertig), Schuhe (derzeit keine Sommerschuhe), Medikamente (auch geöffnete Medikamentenverpackungen, sofern diese noch in Blisterpackungen stecken, auch abgelaufene Verbandskästen), Verbandsmaterial, Hygieneartikel, Babypflegeartikel, Windeln für Kinder und Erwachsene, haltbare Lebensmittel (Dosenkonserven, Mehl, Zucker, Reis, Nudeln, etc., keine Gläser), Schokolade, Nüsse, Energieriegel, Fahrräder (Damen, Herren, Kinder), Koffer, Taschen, Kinderwagen, Kleinmöbel, Spielwaren und Kuscheltiere, Powerbanks bis hin zu Stromerzeugern.

(Text: PM Hochtaunuskreis)