Kegeln: Alina Dollheimer aus Münster holt Bronze mit dem Nationalteam

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Keglerin Alina Dollheimer aus Münster hat mit dem Nationalteam ihre dritte WM-Medaille gewonnen. (Foto: jedö)

Ihre Bronze-Medaille hat Alina Dollheimer zum Interview nicht mitgebracht, „die hängt schon zu Hause im Schrank“, sagt sie. Am Pfingstmontag ist die 32-Jährige aus Münster mit dem Nationalkader von den Team-Weltmeisterschaften im Kegeln aus Varazdin (Kroatien) zurückgekehrt. Am Dienstag steht die Produktionsplanerin für Arbeitgeber Merck schon wieder ihre Frau; in der Mittagspause ist sie zum Gesprächs- und Fototermin aber auf die Kegelbahn ihres Heimatvereins DJK Blau-Weiß geeilt. Dort lässt die Weltklasse-Spielerin ihre bereits vierte WM Revue passieren. Zum dritten Mal endete sie für Dollheimer mit Edelmetall – und doch wirkt sie ein bisschen unzufrieden.

„Die Bronze-Medaille ist im Moment noch eine Enttäuschung“, sagt sie dann auch. „Wir hätten es uns einfacher machen können.“ Das deutsche Frauen-Nationalteam war neben Ungarn und Gastgeber Kroatien als einer von drei Titelfavoriten in die WM gegangen, die faktisch eine EM war, weil Länder anderer Kontinente keine Rolle spielten. Im Kegeln spielt die internationale Musik in Europa, und der aktuelle Vize-Titel für die deutschen Männer unterstreicht ebenfalls, dass die Bundesrepublik zu den absoluten Topnationen zählt.

Mit dem „einfacher“ meint Dollheimer: Die deutschen Frauen hätten sich ihren Hardcore-Weg in der K.-o.-Runde ersparen können. Doch in der Gruppenphase schlug dem Sextett – neben Siegen gegen Frankreich und Nordmazedonien – eine Niederlage gegen Österreich böse ins Kontor. „Beim Kegeln entscheidet der Kopf“, weiß die Münstererin. „So war es gegen die Österreicherinnen, die uns diesmal nicht ins Stolpern gebracht, sondern auf den Boden gelegt haben.“ Spiele sich im Hinterstübchen zu viel ab, gehe das zulasten der Wurfausführung: „Dann kommt es halt zu kleinen Störungen im Bewegungsablauf.“ Und damit zu Ungenauigkeiten in einem Sport, in dem die Asse der Mittelklasse insbesondere voraushaben, den immergleichen Bewegungsablauf möglichst oft ganz genau zu reproduzieren.

Durch die Niederlage gegen Österreich schlugen die Deutschen bei der WM den schwierigeren Pfad gen Finale ein. Gegen Ungarn ging das im Viertelfinale noch gut, gegen Kroatien – das schließlich auch Weltmeister wurde – kam im Halbfinale das Aus. Allerdings nicht wegen Alina Dollheimer: Die Südhessin gewann ihr Duell, wie sie auch in allen anderen ihrer Einzelpartien die Nase vorn hatte. Gegen Österreich und Kroatien konnte das mehrere Niederlagen ihrer fünf Teamkolleginnen indes nicht wettmachen. Platz drei wurde nicht ausgespielt, beide Halbfinale-Verlierer bekamen Bronze.

Mit etwas Abstand dürfte sich bei der Münstererin, die sich neben ihrem Sport und der Arbeit derzeit auch noch einem Dualen Studium widmet, trotzdem noch Freude über das Abschneiden einstellen. Immerhin hat sie ihre Medaillensammlung erweitert: Bei der Team-WM 2019 in Tschechien hatte sie ebenfalls Bronze mitgenommen, bei der Heim-WM 2017 mit den deutschen Frauen den Titel und damit Gold geholt. Bei der Team-WM 2021 hatte sie aus gesundheitlichen Gründen passen müssen. Ihre bislang einzige Einzel-WM endete 2018 in Rumänien hingegen schon in der Qualifikationsrunde.

Von dieser WM nimmt sie außer dem dritten Platz mit, dass die Kroaten ein eher mittelprächtiger Gastgeber gewesen seien. „In Sachen Zuschauer war es schon ein bisschen enttäuschend. Bei unserem Halbfinale waren 250 Leute da, davon mehr als die Hälfte aus Deutschland.“ Vor allem hätte es der Ausrichter mit den Eintrittspreisen – 15 Euro aufwärts pro Partie – übertrieben. Viel günstiger kommt es da die Fans hierzulande, die Alina Dollheimer in der nächsten (im September startenden) Bundesliga-Saison sehen wollen. Dann hofft sie bei Zweitligist KSC Mörfelden auf „gut Holz“ und will mit dem einstigen Erstligisten zurück ins Oberhaus.

(Text: jedö)