Frankfurt: Kinderkrebsforschung für bessere Heilungschancen fördern

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Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg bei ihrer Rede. (Foto: Ben Kilb)

Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg empfing die Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder anlässlich des Weltkinderkrebstags

Jedes Jahr erkranken etwa 2200 Kinder und Jugendliche in Deutschland neu an Krebs. Eine Diagnose, die Familien an ihre Grenzen bringt. Die Heilungschancen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert und etwa 80 Prozent der jungen Patientinnen und Patienten überleben heute. Für die vor knapp 30 Jahren gegründete Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder ist das längst nicht genug. In dem von ihr in Niederrad errichteten Dr. Petra Joh-Forschungshaus arbeiten rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Ursachen und neue Behandlungsmöglichkeiten für Krebs bei Kindern zu erforschen.

Anlässlich des Weltkinderkrebstags am gestrigen Donnerstag, 15. Februar, hat die Stadt Frankfurt am Main zum Empfang für die Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder eingeladen. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg begrüßte die Gäste im Namen der Stadt in Vertretung von Oberbürgermeister Mike Josef.

„Ich bin sehr froh, dass wir in Frankfurt die Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder haben. Sie betreibt und unterstützt Forschungsprojekte zur Bekämpfung von Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Sie wurde von Eltern, deren Kinder an Krebs erkrankt waren, ins Leben gerufen und verfolgt seitdem das Ziel, die Kinderkrebsforschung zu fördern, damit eines Tages alle jungen Patientinnen und Patienten geheilt werden können“, sagte Eskandari-Grünberg.

Die Bürgermeisterin machte auf die goldene Schleife aufmerksam, die auch sie an diesem Tag trug: „Die Schleife dient als Symbol nach außen und bietet Anlass, über das Thema Krebs bei Kindern zu sprechen. Sie soll aber auch unsere Solidarität mit den Betroffenen zeigen – und das ist mir wichtig. Ich möchte allen betroffenen Familien Mut machen. Und die Hoffnung teilen, dass der Krebs möglichst bald bei Kindern und Jugendlichen besiegt werden kann.“

„Füreinander. Miteinander. Handeln gegen den Krebs“

Unter dem Motto „Füreinander. Miteinander. Handeln gegen den Krebs“ haben am diesjährigen Weltkinderkrebstag Schülerinnen und Schüler und die Schulleitungen des Gymnasiums Süd, der IGS Süd sowie Künstlerinnen und Künstler der Goldstein Akademie mit einer Tagesausstellung im Erdgeschoss des Rathauses und im Foyer vor dem Kaisersaal auf die Forschung im Dr. Petra Joh-Haus der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder aufmerksam gemacht.

Im Dr. Petra Joh-Forschungshaus lagert die weltweit größte und einmalige Zellbank des Interdisziplinären Labors für Pädiatrische Tumor- und Virusforschung (IDL) mit über 2700 Tumorzellen, die gegen Chemotherapie resistent gemacht wurden – „Resistant Cancer Cell Line (RCCL) Collection“ genannt. Rein rechnerisch sind das 2700 Jahre Arbeit, denn es dauert mindestens ein Jahr, um eine Zelle resistent zu machen. In rund 40 Jahren wurde diese Zellbank aufgebaut. Die 2700 Krebszelllinien werden zu Forschungszwecken und für die Entwicklung neuer Krebstherapien von rund 120 Forschungseinrichtungen aus der ganzen Welt abgerufen.

„Die speziell entwickelte Krebszellbank ist die größte Sammlung weltweit. Die Arbeit mit den Zelllinien bildet die Grundlage, um neue Wirkstoffe zu entwickeln und bestehende Wirkstoffe auf Resistenzen zu untersuchen. Eine Zelllinie zu etablieren, ist aufwendig und kostenintensiv. Ich bin dankbar, dass die Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder diesen entscheidenden Schritt der Forschungskette geht“, teilte Oberbürgermeister Josef mit. Er wies darauf hin, dass die Stiftung keinerlei finanzielle Zuschüsse der öffentlichen Hand für diese Grundlagenarbeit erhalte. Sie finanziere ihre bedeutende Arbeit über Spendengelder, Nachlässe und private Fördermittel.

Mehr als 80 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen in Deutsch­land können geheilt werden

Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder, Dr. Jürgen Vogt, erklärte in seiner Rede den Aufbau der Stiftung und gab einen Einblick in die Forschungsarbeit. Vogt betonte: „Zahlreiche neue Erkenntnisse durch die intensive wissenschaftliche Arbeit haben dazu beigetragen, dass mittlerweile mehr als 80 Prozent der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen in Deutsch­land geheilt werden können. Ein Erfolg, der uns stolz und glücklich macht. Doch es wird auch eine Lücke deutlich: Immer noch stirbt jedes fünfte an Krebs erkrankte Kind, weil es keine passende Therapie gibt. Immer noch leiden viele geheilte Kinder an Spätfolgen durch die derzeitigen Behandlungsmethoden. Diese Lücke wollen wir schließen, diese Lücke müssen wir schließen.“

Im Anschluss stellte Prof. Dirk Heckl, seit September 2023 neuer Leiter des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (EPHO), die Arbeit des Instituts vor. Das EPHO ist neben dem IDL das zweite Institut, welches im Forschungshaus tätig ist.

Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg hob hervor: „Der große und unermüdliche Einsatz der Forschung und der Stifterinnen und Stifter hat die Heilungschancen erkrankter Kinder erheblich verbessert.“ An die Begrüßung schloss sich eine Podiumsdiskussion über das Thema „Die Zelle“ an. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Chor der Frankfurter Spatzen.

Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder

Die Stiftung wurde 1994 von Eltern krebskranker Kinder in Frankfurt am Main gegründet, um die Krankheit zu erforschen und zu bekämpfen. Durch den Nachlass der mit 32 Jahren verstorbenen Dr. Petra Joh konnte 2004 ein Forschungshaus in Niederrad gebaut werden, das ihren Namen trägt. Hier forschen seither bis zu 60 Wissenschaftler zu Ursachen der Krankheit bei Kindern und Jugendlichen und an neuen Behandlungsmethoden. Die Stiftung finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Spendenkonto: DE43 5005 0201 1245 6354 40.

Weitere Informationen finden sich unter kinderkrebsstiftung-frankfurt.de.

(Text: PM Stadt Frankfurt)