Frankfurt: Im Krisenfall gut vorbereitet sein

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(Symbolfoto: Pixabay)

Workshop zum bevölkerungsmedizinischen Krisenmanagement im Gesundheitsamt Frankfurt

Auf dem Weg zum Hauptbahnhof Frankfurt entgleist eine S-Bahn. Bei dem Unglück werden mehrere Dutzend Insassen verletzt, innerhalb kürzester Zeit müssen sie in den Frankfurter Kliniken versorgt werden. Ein Szenario wie dieses, ein sogenannter Massenanfall von Verletzten (MANV), kann jederzeit passieren. Darum üben die an der Notfallversorgung beteiligten Frankfurter Kliniken Krisenfälle wie einen MANV regelmäßig unter der Leitung der Stabsstelle Krisenmanagement des Gesundheitsamts.

„Im Krisenfall ist es immens wichtig, einen funktionierenden Plan in der Schublade zu haben. Nur, wenn man weiß, was zu tun ist, kann man schnell reagieren“, sagt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl. Um gut auf einen MANV oder diverse andere Lagen von bevölkerungsmedizinischer Relevanz vorbereitet zu sein, hat das Gesundheitsamt für Freitag, 23. Februar, Vertreter verschiedener Gesundheitsämter aus dem Umkreis von Polizei, Feuerwehr und Flughafen, Akteure der WHO und der Bundewehr sowie aus Bund und Land zum einem Workshop zum bevölkerungsmedizinischen Krisenmanagement eingeladen. Gemeinsam identifizieren sie mögliche Szenarien zur Krisenvorbereitung in der Metropolregion Rhein-Main, der bevölkerungsmedizinische Gesundheitsschutz steht dabei im Fokus.

Bevölkerungsmedizinische Krisenmanagement in der Metropolregion Rhein-Main zukunftsfähig machen

„Mit unserem Workshop wollen wir das bevölkerungsmedizinische Krisenmanagement in der Metropolregion Rhein-Main zukunftsfähig machen“, sagt Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts. Mit der Covid-19-Pandemie, dem Ukrainekrieg und der daraus resultierenden Energiemangellage in Deutschland mussten sich die Gesellschaft und die Systeme innerhalb kürzester Zeit mit mehreren Krisen auseinandersetzen. „Insgesamt haben uns die vergangenen Jahre gezeigt, wie wenig resilient Gesellschaft und Systeme sind und wie wichtig es ist, auf Krisensituationen vorbereitet zu sein. Wir wollen die Lehren aus diesen Krisen nutzen, um im Fall des Falles künftig möglichst schnell und effektiv handeln zu können“, erläutert Tinnemann.

Die Idee, bei einem Workshop viele verschiedene Akteure an einem Tisch zu versammeln, soll hierbei als Initialzündung dienen: Jeder Akteur hat bereits verschiedene Szenarien für seinen Bereich durchgespielt, entsprechend liegen Handlungsanweisungen für unterschiedliche mögliche Krisenfälle vor. „Beim Workshop geht es darum zu identifizieren, welche Pläne es bereits gibt und zu prüfen, an welchen Themen wir arbeiten müssen“, erklärt Tim Westphal. Der Diplom-Ingenieur für Umwelt- und Hygienetechnik ist seit über 20 Jahren im Gesundheitsamt tätig, wechselte während der Corona-Pandemie in den Bereich der Medizinischen Gefahrenabwehr und verantwortete gemeinsam mit einer Kollegin die Einrichtung des städtischen Impfzentrums.

Bereits im Jahr 2000 wurden für das Land Hessen systematisch alle denkbaren Gefahren erfasst, die in Hessen und damit auch in der Metropolregion Rhein-Main zu Katastrophen führen können. Bahnunglück, Flugzeugabsturz, Pandemie, Chemieunfall, Großbrand – Gefahren bestehen in den unterschiedlichsten Bereichen und können zu Katastrophen führen.

Treffen im Zeichen der Vernetzung

Die Teilnehmenden des Workshops deuten gemeinsam Szenarien aus, bewerten sie empirisch und erarbeiten erste Lösungsansätze. Das Treffen steht auch im Zeichen der Vernetzung. „Besonders in einer Krise ist es wichtig, Köpfe zu kennen“, unterstreicht Westphal. Wenn ein Aktuer für eine bestimmte Situation selbst gegebenenfalls noch keinen Plan in der Schublade hat, aber Akteure kennt, deren Expertise er sich zunutze machen kann, ist das bereits ein Vorteil. Vorstellbar ist zudem, auch Gesundheitsämter und Akteure über die Teilnehmerliste des Workshops hinaus künftig mit Wissen zu versorgen, zu beraten und bei Übungen zu unterstützen.

„Viele Katastrophen können sich auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Die Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdiensts und somit des Gesundheitsamts Frankfurt ist es, die Gesundheit der Menschen zu schützen“, unterstreicht Tinnemann. „Wir freuen uns sehr über die rege Teilnahme an unserem Workshop. Die verschiedenen Player bringen hier ihr Know-how ein – davon wird das Krisenmanagement in unserer Metropolregion und schließlich auch die Bevölkerung profitieren.“

(Text: PM Stadt Frankfurt)