Mit einem Foto fing alles an: Werner Ellermann hat ein Buch über Münster geschrieben

185
Hat ein Buch zur Münsterer Ortshistorie geschrieben: Werner Ellermann. (Foto: jedö)

Ohne das Schwarz-Weiß Foto aus dem Jahr 1936 hätte es die neuste Veröffentlichung zur Münsterer Ortshistorie nicht gegeben. Vor anderthalb Jahren fiel es Werner und Christina Ellermann in die Hände – und stellte das Ehepaar zunächst vor ein Rätsel. Das Bild zeigt im Hintergrund Hermann Josef Haus, so viel war klar. Haus war der Großvater von Christina Ellermann, einer gebürtigen Haus, und von 1928 bis 1945 Münsters Bürgermeister. Doch wer war der uniformierte Mann im Vordergrund, und was war der Anlass dafür, dass er inmitten eines Spaliers aus Männern in SS-Kleidung einen Kranz trug? Mit dieser Frage begann im November 2022 eine Recherche, die nicht nur darauf Antwort gab, sondern in ein 160 Seiten dickes und reich bebildertes Buch mit Werner Ellermann als Autor mündete: Vor wenigen Tagen ist „Münster – Lokalgeschichte vom Kaiserreich zur Demokratie“ erschienen.

Mit diesem zunächst rätselhaften Foto fing alles an. Es zeigt vorn in Uniform Karl Roßkopf und im Hintergrund in Zivilkleidung Hermann Josef Haus. (Repro: jedö)

Vorweg: Es ist das erste Buch des 74-jährigen Münsterers, der früher als Lehrer an der Offenbacher Marienschule arbeitete, in der Gersprenz-Gemeinde vielen aber vor allem durch sein ehrenamtliches Engagement im Männergesangsverein (33 Jahre Vorsitzender) ein Begriff ist. „Die Recherche fing ganz harmlos an und ging dann auf 160 Seiten hoch“, lacht er, der unter anderem beim Eintauchen in alte Ausgaben des „Starkenburger Provinzial-Anzeigers“, die im Schloss Fechenbach in Dieburg archiviert sind, Unterstützung von seiner Frau erhielt.

Herausgekommen ist ein daten- und faktenreiches Werk, das dank der Finanzierung durch die Bürgerstiftung Münster vorerst in einer Auflage von 100 Exemplaren gedruckt worden ist und bei Werner Ellermann unter der Telefonnummer 06071-34994 für 15 Euro telefonisch bestellt werden kann. Den Erlös will er spenden. Zu einem Teil des Inhalts referierte er Anfang März bereits als Gast des Heimat- und Geschichtsvereins, stieß dabei auf reges Interesse.

Besonders ausführlich widmet sich Ellermann jener zunächst unbekannten Person vom Foto aus dem Familiennachlass, die er als Karl Roßkopf zu identifizieren vermochte. Der 1909 in Münster Geborene studierte Medizin, machte im Juli 1935 sein Staatsexamen in Bonn, nahm zu dieser Zeit aber auch schon eine politische Funktion in seiner Heimat ein: Von 1934 bis 1939 war Roßkopf Ortsgruppen-Leiter der NSDAP in Münster. Im ersten Kriegsjahr wurde er in die Wehrmacht einberufen, diente als Fallschirmjäger und schließlich als Oberarzt, auch an der Ostfront. Von dort wechselte er 1943 als Stabsarzt an den Fliegerhorst nach Rothenbergen, wo er bis Kriegsende blieb.

„Dort war er auch für die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung zuständig“, erzählt Werner Ellermann, was er insbesondere aus Spruchkammer-Akten zusammengetragen hat. Denn nach dem Krieg wurde Roßkopf, der 1929 in die NSDAP eingetreten war, in Darmstadt der Prozess gemacht. Er ging mit einer Geldstrafe glimpflich für den Münsterer aus – auch weil Roßkopf beispielsweise polnische Gefangene gut behandelt, im Offiziersstatus in Rothenbergen abgeschossene Piloten nach der Festnahme vor dem Mob beschützt und dort in den letzten Kriegstagen den Abbau von Panzersperren gegen die heranrückenden Amerikaner angeordnet haben soll. Zudem duldete er in Münster sogar in den Kriegsjahren Hermann Josef Haus als Bürgermeister, obwohl dieser Sozialdemokrat war.

Die weiteren Themen, die Werner Ellermann in seinem Buch aufgreift, reichen noch weiter zurück als in die NS-Zeit. Seinen Titel verdient sich das informative, an Quellennachweisen reiche Werk auch durch die Beleuchtung der Münsterer Bürgermeister-Wahlen von 1928, des Gemeinderats und seinen Aufgaben von 1911 bis 1937 und die örtlichen Krieger- und Ehrenmäler für die Gefallenen von 1870/71 und die Gefallenen von 1914/18. Bei einer Gedenkstunde entstand auch das eingangs erwähnte Bild: Es wurde dort aufgenommen, wo sich an der Darmstädter Straße heute der „Platz des Friedens“ befindet.

(Text: jedö)