Ausweitung des ÖPNV in Offenbach

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(Symbolbild: Ant Rozetsky auf Unsplash)

Der Reorganisationsprozess im Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke zeigt deutliche wirtschaftliche Erfolge. Mit der Übernahme von Sonderverkehren können darüber hinaus zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden. Aufgrund dieser beiden positiven Effekte kann das Stadtbusangebot zum Fahrplanwechsel im Dezember um 160.000 Kilometer pro Jahr ausgeweitet werden.

Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Juni 2021 waren die Ausgaben für den ÖPNV für das Jahr 2022 auf 14 Millionen Euro und auf 13 Millionen Euro für die Folgejahre gedeckelt worden. Erreicht werden sollte die Einhaltung dieses Deckels durch Einsparungen beim Busangebot und in den Betriebsabläufen sowie den weiteren Angeboten im Geschäftsfeld Mobilität. Die Einsparungen im Busangebot von 550.000 Kilometer pro Jahr wurden bereits im Juli 2022 umgesetzt, Einsparungen im Betrieb und bei weiteren Angeboten folgten sukzessive im Rahmen eines Reorganisationsprozesses.

„Dieser Prozess ist sehr erfolgreich verlaufen und Dank des großen Engagements und der Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Geschäftsführung auf dem Betriebshof und dem Knowhow unserer externen Berater sind wir nun sogar in der Situation, dass wir seit der Vereinbarung des Deckels 2,5 Millionen Euro weniger verausgabt haben als vorgesehen“, berichtet Bürgermeisterin und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß. „Mir war es damals wichtig, mit den Einsparvorgaben drei Zusagen zu verbinden: Erstens die Vereinbarung eines Mindestangebots – damit wurden weitere Einsparungen beim Umfang des Busangebots ausgeschlossen. Zweitens wurde ein Inflationsausgleich vereinbart. Und drittens wurde zugesagt, dass für den Fall, dass weniger Geld, als mit der Deckelvereinbarung zugestanden wurde, verausgabt wird, dieses Geld im System bleibt. Durch die dritte Zusage sind wir nun in der Lage wieder mehr Busse fahren zu lassen und damit das Angebot für die Offenbacherinnen und Offenbacher wieder zu verbessern.“ Die 2,5 Millionen Euro, die weniger verausgabt wurden, werden nun zur Verfügung gestellt, um für die Jahre 2025 bis 2027 eine Ausweitung des Busangebots zu finanzieren. „Damit das Angebot auch nachhaltig weiter bestehen bleibt, schlagen wir den Stadtverordneten vor, das bisherige Mindestangebot um dieses Mehr an Verkehrsleistung auszuweiten“, so Bürgermeisterin und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß.

Zusätzliche Einnahmen durch Sonderverkehre

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren seit Beginn des Reorganisationsprozesses sehr engagiert und haben die Reorganisation mitgetragen. Gemeinsam ist es uns gelungen, Prozesse zu verbessern“, berichtet Anja Georgi, Geschäftsführerin im Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke. „Es hat sich auch gezeigt, dass wir in vielen Bereichen schon gut aufgestellt sind und das Einsparpotential in den Betrieben daher eher gering ist. Die positive finanzielle Entwicklung hängt auch mit der Idee zusammen durch Sonderverkehre Einnahmen zu generieren. Sie wurde bei uns im Team entwickelt und erweist sich als wirtschaftlich erfolgreich. Die Sonderverkehre sorgen nicht nur für eine bessere Auslastung des Fahrpersonals in den Randzeiten, sie werden auch von vielen Mitarbeitenden gerne gefahren und sind so ein starker Beitrag zur Motivation unseres Fahrpersonals.“

„Den größten Einspareffekt haben wir durch die Reduzierung des Busangebots seit Juli 2022 um rund 550.000 Kilometer pro Jahr erzielt: Knapp 1,6 Millionen Euro wurden 2023 dadurch gespart. Durch die Summe der vom Beratungsunternehmen KCW vorgeschlagenen Maßnahmen, die wir im Zuge des Reorganisationsprozesses umgesetzt haben, wurde ebenfalls ein guter Effekt erzielt: Hier haben wir 2023 etwa 600.000 Euro eingespart. Positive Effekte in Höhe von etwa 730.000 Euro können wir auf Ideen aus dem Betrieb zurückführen“, erläutert Heiko Linne, Geschäftsführer des Stadtwerke-Unternehmens Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB). „Durch diese Einsparungen und Mehreinnahmen ist es uns gelungen, den Haushaltsdeckel in den letzten zwei Jahren jeweils deutlich zu unterschreiten.“

Angebotsausweitung zum Fahrplanwechsel im Dezember

2023 haben etwa 12,4 Millionen Fahrgäste die Busse der Stadtwerke genutzt. „Das zeigt, wie wichtig für viele Menschen in unserer Stadt ein gutes Busangebot ist“, betont Bürgermeisterin Sabine Groß. „Dazu zählt natürlich auch die Zuverlässigkeit und da punkten die Stadtwerke: Während 2023 in vielen Städten und Kreisen Verkehre aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen und Personalmangel ausfielen, ist in Offenbach keine Fahrt ausgefallen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember können wir das Angebot nun wieder ausweiten.“

„Wir können das Verkehrsangebot um etwa 160.000 Kilometer pro Jahr ausdehnen. Damit erbringen wir ab 2025 eine Fahrleistung von knapp 3,6 Millionen Kilometer pro Jahr, vor den Kürzungen im Juli 2022 waren es mehr als 3,9 Millionen Kilometer,“ so Anja Georgi. „Unsere Verkehrsplaner haben das Angebot, die Auslastung und die aktuellen Fahrgastzahlen genau angeschaut sowie die Funktion des ÖPNV als Daseinsvorsorge berücksichtigt. Auf dieser Basis haben wir die Linienführung so optimiert, dass sowohl der Kundennutzen als auch betriebliche Belange berücksichtigt werden.“

Zum Fahrplanwechsel wird es eine Betriebsausweitung an Sonntagen geben: Zwischen 5 und 8 Uhr morgens fahren die Busse künftig auf allen Linien im Stundentakt – mit Ausnahme der Linien 107 und 120, die auch weiterhin nicht an Sonntagen verkehren werden.

„Für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, beispielsweise in der Pflege oder am Flughafen, ist es wichtig, dass Busse auch am frühen Sonntagmorgen fahren“, so Bürgermeisterin Sabine Groß. „Durch die nun wieder verfügbaren Mittel ist es zum Fahrplanwechsel möglich, die Linie 106A wieder zur Linie 106 auszubauen und die Linie 108 bis zur Haltestelle Biebernseeweg fahren zu lassen. Die Linie 106 verläuft dann von der Caritas über den Marktplatz, Offenbach Ost und den Wetterpark zum Seniorenzentrum. Somit sind mit der Linie 106 künftig wieder beide Offenbacher Krankenhäuser sowie der VDE und das THW besser angebunden. Durch die Verlängerung der Linie 108 kann das Anni-Emmerling-Haus wieder besser angebunden werden. Die genauen Fahrzeiten werden bestmöglich auf die Schichtpläne von Caritas und Anni-Emmerling-Haus abgestimmt. Dabei sind auch die Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn und auf andere Busse zu berücksichtigen“, erläutert Bürgermeisterin Sabine Groß. „Die Linie 106 wird zwischen Offenbach Ost und dem Seniorenzentrum zu den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt verkehren und von Offenbach-Ost bis zur Caritas im Stundentakt. Durch die Verlängerung der Linie 106 haben Bewohnerinnen und Bewohner entlang der Buchhügelallee, der Seniorenwohnanlagen und des Seniorenzentrums wieder einen kürzeren Weg zur Bushaltestelle. Auch Innovationscampus, Quartier 4.0, die Schulen am Buchhügel, das Polizeipräsidium und das Achat Hotel als Tagungshotel sowie der Wetterpark und die Kinder- und Jugendfarm auf dem Buchhügel werden durch die neue Linienführung gut zu erreichen sein.“

Auch auf den anderen Linien wird es zum Fahrplanwechsel Anpassungen geben. Unter anderem verkehrt die Linie 102 künftig zwischen der S-Bahn-Station Bieber Waldhof (Industriegebiet) und dem Hauptbahnhof (statt bisher dem Kaiserlei). Fahrgäste profitieren von der direkteren Linienführung und der Umsteigemöglichkeit am Hauptbahnhof. Fahrgäste, die Richtung Westen gelangen möchten, haben an der Haltestelle Offenbach Ost oder am Marktplatz die Möglichkeit, auf die Linien 103, 104, 105 oder 108 umzusteigen.

Die Linien 105 und 108 werden zum Fahrplanwechsel bis zum Kaiserlei verlängert. So können E-Busse am Kaiserlei zwischengeladen und so effizienter eingesetzt werden. Mit der Verlängerung der Linie 105 wird eine neue Direktverbindung der Sportanlagen und Schulen auf der Rosenhöhe zum Kaiserlei geschaffen. Durch die Verlängerung der Linie 108 vom Marktplatz zum Kaiserlei werden die westlichen Stadtteile Offenbachs auf direktem Weg angebunden.

Ausgeweitetes Angebot soll als neues Mindestangebot definiert werden

„Damit die Ausweitung des Verkehrsangebots auch langfristig aufrechterhalten werden kann, benötigen wir ab 2026 eine Neuregelung, in der das ausgeweitete Angebot als Mindestangebot definiert und finanziert werden kann“, erläutert Bürgermeisterin Sabine Groß. „Dies muss nun auch im jetzt anstehenden neuen Öffentlichen Dienstleistungsauftrag (öDA) zwischen den Stadtwerke-Gesellschaften Nahverkehr in Offenbach GmbH (NiO) und Offenbacher Verkehrs-Betriebe GmbH (OVB) berücksichtigt werden.“

(Text: PM Stadtwerke Offenbach)