Mörfelden-Walldorf: Schäden durch Starkregenereignissen vorbeugen

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(Symbolfoto: Pixabay)

Rückstausicherungen müssen gewartet und betriebsbereit sein

„Im August 2023 richtete das Starkregenereignis in ganz Mörfelden-Walldorf großen Schaden an. Nicht zuletzt aufgrund der klimatischen Veränderungen können diese Wetterereignisse leider immer wieder vorkommen“, warnt Erster Stadtrat Karsten Groß.

Falsche Gerüchte bei Starkregenereignissen im Umlauf

Insbesondere großflächige Schadenslagen mit vielen überfluteten Kellern sorgen dann für Ärger und Frustration bei den Betroffenen. Mitunter kursieren in solchen angespannten Situationen falsche Gerüchte und Vorwürfe. Demnach hätten die Stadtwerke es versäumt, im Kanalsystem einen „Stöpsel“ zu ziehen und damit die Überflutungen verursacht oder manche Gebiete seien absichtlich geflutet worden, um technische Anlagen der Stadtwerke zu schützen.

„Beides ist natürlich Unsinn, denn im Entwässerungssystem gibt es weder „Stöpsel“ oder ähnliche Absperrvorrichtungen. Es ist auch nicht technisch möglich, Gebiete gezielt zu überfluten“, macht Jochen Göbel (Betriebsleiter der Stadtwerke) deutlich.

Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die Größe der Kanäle. Diese seien schlicht zu klein gebaut worden und nur deshalb würde es in Mörfelden-Walldorf zu Überflutungen kommen.

„Tatsächlich ist es aber so, dass Entwässerungssysteme in ganz Deutschland seit Jahrzehnten auf bestimmte Regenereignisse ausgelegt werden – hierzu gibt es einschlägige Regelwerke und Vorgaben, die auch in Mörfelden-Walldorf angewendet werden und nach denen wir uns richten, insbesondere in den letzten Jahren“, sagt Göbel.

Die Kanäle und Abwasseranlagen noch wesentlich größer zu bauen, um vor Überflutungen zu schützen, ist nicht sinnvoll, unverhältnismäßig teuer und bringt zudem Nachteile. „In der Realität würden sich die Überflutungsprobleme bei Starkregen in Mörfelden-Walldorf nur innerstädtisch verlagern, da es schlicht an leistungsfähigen Vorflutern für eine schadensfreie Ableitung der anfallenden Wassermengen mangelt“, weiß Göbel.

Zusätzlich kämen neue Probleme durch die für den Normalbetrieb völlig überdimensionierten-Anlagen hinzu. „Es käme dann zu einem geringeren Abtransport der Fäkalien und damit verbunden zu einem deutlich höheren Reinigungsaufwand bzw. immer wieder zu schlechten Gerüchen im Stadtgebiet“, veranschaulicht Groß.

Weiterhin ist zu beachten, dass jedes Niederschlagsereignis anders und die Kapazität des Systems auch nicht alleine entscheidend ist, um Schaden abzuwenden. „Dem Starkregen im Juni 2007 ging starker und großkörniger Hagel voraus. Die Straßeneinläufe waren durch Hagelkörner größtenteils verlegt und der nachfolgende Starkregen floss nur teilweise in die Kanäle und überflutete deshalb Straßen und Keller“, sagt Göbel.

Auch wenn es in Zukunft Starkregenereignisse geben wird, die das Abwassersystem überfordern, arbeiten die Stadtwerke an Lösungen. „Die Mitarbeiter:innen der Stadtwerke überprüfen kontinuierlich, wo wirtschaftlich darstellbare und sinnvolle Optimierungen im Kanalsystem möglich sind, um mittelschwere Regenfälle möglichst schadfrei abzuleiten. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Anlagen umgebaut und z. B. in der Brückenstraße eine zusätzliche Regenentlastung geschaffen“, erklärt Groß.

Starkregensimmulation für Mörfelden Ost

Der östlich der Bahn gelegene Teil von Mörfelden ist in der Vergangenheit am stärksten von Starkregenereignissen betroffen gewesen. Einige Maßnahmen wurden daher in den letzten Jahren ergriffen. Um die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen zu überprüfen, führen die Stadtwerke aktuell für dieses Gebiet eine Starkregensimulation durch. Überprüft werden z. B. Neubau bzw. Ertüchtigung diverser Regenüberläufe. Außerdem wird untersucht, welche Folgen definierte Ereignisse inzwischen hätten und welche weiteren Verbesserungen sinnvoll sein könnten.

Merkblatt zum Thema Rückstausicherungen informiert Hauseigentümer:innen

Auch Hauseigentümer:innen sind angehalten, sich gegen einen Rückstau aus dem Kanal vorzubereiten. Dieser kann übrigens nicht nur bei stärkerem Regen bzw. Starkregen auftreten, sondern auch beim Ausfall eines Pumpwerks. „Daher ist es wichtig, dass die vorgeschriebenen Rückstausicherungen nicht nur eingebaut, sondern auch gewartet und betriebsbereit sind“, erinnert Göbel.

Um Bürger:innen zu informieren, haben die Stadtwerke ein Merkblatt erstellt, dass über die städtische Homepage www.moerfelden-walldorf.de abrufbar ist unter: rathaus / gesellschaften /stadtwerke / formulare-informationen / informationen / Rückstauinformation.

Wer sichergehen will, dass der Keller bei starkem Regen nicht voller Wasser läuft, der sollte zudem selbst das Gebäude nach Schwachstellen überprüfen. „Manchmal können bereits überschaubare bauliche Vorkehrungen wie hochgezogene Kellerlichtschächte verhindern, dass auf der Regen oder Kanalwasser in das Gebäude eindringen kann“, empfiehlt Göbel.

(Text: PM Stadt Mörfelden-Walldorf)