Ohne Fachkräfte aus dem Ausland geht es nicht

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Asklepios-Geschäftsführer Jan Voigt beim Vortrag. (Foto: Asklepios)

Veranstaltung der Sektion Offenbach des Wirtschaftsrats Hessen in der Asklepios Klinik Langen

Das Krankenhauswesen in Deutschland ist nach den Worten von Asklepios-Regionalgeschäftsführer Jan Voigt besser, als es manchmal in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Immer deutlicher sei aber der Fachkräftemangel auch beim Pflegepersonal zu spüren. Die Krankenhäuser kämen ohne Personal aus dem Ausland nicht mehr aus. Voigt ist für die Asklepios Kliniken Langen, Seligenstadt, Wiesbaden und Lich verantwortlich. Er sprach bei einer Veranstaltung der Sektion Offenbach des Wirtschaftsrats Hessen zum Thema „Wege aus dem Notstand: Demografischen Wandel und Fachkräftemangel managen“, zu der sich zahlreiche Zuhörer aus der Region in den Räumen der Asklepios Klinik Langen eingefunden hatten.

Jost Augustin, der Geschäftsführer der Personalberatung Jost Augustin Executive Search GmbH, Hamburg, machte deutlich, für Unternehmen, die angesichts des aktuellen Fachkräftemangels „nicht aufgewacht“ seien und Personalthemen nicht als Chefsache ansähen, werde es „extrem schwierig“. Thomas Günther, Sprecher der Sektion Offenbach des Wirtschaftsrats und Unternehmer in Rödermark, zeigte sich überzeugt, dass der demografische Wandel einen viel größeren negativen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft habe als der Klimawandel.

Für Asklepios-Geschäftsführer Jan Voigt ist beim Pflegenotstand Bürokratie nicht die Lösung

Immer weniger Personal im Gesundheitswesen bei einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen: In den nächsten Jahren werden rund 50.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland fehlen. Schon heute ist von 30.000 fehlenden Vollzeitfachkräften in der Pflege die Rede. Zudem treten rund 13 Millionen Babyboomer demnächst in den Ruhestand.
Für die Krankenhäuser und das Gesundheitswesen bekomme der Fachkräftemangel eine „ganz besondere Note“, sagte Voigt. Es fehlten nämlich die Menschen, die man brauche, um mehr Patienten zu versorgen. Voigt ging auch auf die Struktur des Gesundheitswesens ein: Die sei kompliziert und nicht leicht zu durchschauen. Es gebe zudem überaus viele Partikularinteressen und bürokratische Vorgaben. Wenn von Pflegenotstand die Rede sei, werde fast immer nach neuen Gesetzen gerufen. Die Bürokratie sei jedoch „nicht die Lösung“.

Die Asklepios Klinik Langen, zuständig für den Kreis Offenbach, habe in der Corona-Pandemie mit Abstand die meisten Patienten in Hessen versorgt. Aktuell sei festzustellen: „Wir wachsen, und wir wissen nicht wohin“. Die Kliniken in Langen und Seligenstadt hätten ihre Angebote aufeinander abgestimmt; nichts Anderes habe die aktuelle Krankenhausreform als Ziel. Er glaube nicht, dass der vom Bundeskabinett gerade gebilligten Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministers helfe, sagte Voigt.

In den Asklepios-Kliniken Langen, Seligenstadt und Wiesbaden werden bis 2035 rund 15 Prozent der Mitarbeiter in den Ruhestand treten. Die an der Langener Klinik ausscheidenden Ärzte, die entweder in den Ruhestand treten oder sich häufig als Facharzt niederlassen, könne man durch den Status des Lehrkrankenhaueses und das attraktive Spektrum kompensieren. Außerdem profitiert die Asklepios Klinik Langen vom Asklepios Bildungszentrum für Pflegefachberufe in Dreieich: Von dort übernehme man rund 80 Absolventen im Jahr, sagte Voigt. Dazu rekrutiere Asklepios pro Jahr fast 40 Pflegekräfte aus dem Ausland: etwa aus der Türkei, vom Balkan und demnächst auch aus China.
An der Asklepios Klinik Langen sei das Fachkräfteproblem derzeit also „nicht akut und virulent“. Für das außerhalb der Europäischen Union angeworbene Pflegepersonal lässt sich die Klinik bevollmächtigen, die notwendigen Amtsgänge zu erledigen. Bis alle Formalitäten erledigt seien, Mitarbeiter nach Deutschland kommen und als Pflegekraft eingesetzt werden könnten, vergingen jedoch bis in vielen Fällen bis zu zwei Jahre. Voigt äußerte den Wunsch an die Politik, diese Vorlaufzeiten zu verkürzen.

Wichtig wie Unternehmen von potenziellen Kandidaten wahrgenommen werden

Jost Augustin war interner „Headhunter“ bei Asklepios, ehe er sich als Personalberater selbständig machte. Für Asklepios ist er weiterhin tätig. Bei der Personalakquisition ist nach seinen Worten von großer Bedeutung, wie ein Unternehmen von potenziellen Kandidaten wahrgenommen werde. Für eine Klinik, die Mitarbeiter suche, sei es nötig, „ihre eigene DNA“ hervorzuheben und eine eigene Marke zu entwickeln: „Wie schaffe ich es, dass alle das Gefühl haben, wir sind Langen?“ Dies sei wichtig, um am Markt wahrgenommen zu werden. Jeder unternehmerisch Tätige wisse, dass das Thema Personal „extrem wichtig“ sei. Gerade in vielen Krankenhäusern sei diese Wahrnehmung aber „sehr unterentwickelt“, die Asklepios Kliniken jedoch insgesamt und insbesondere aber die Asklepios Klinik in Langen in diesem Bereich positive Leuchttürme.

Nach angeregter Diskussion mit Teilnehmenden aus Wirtschaft und Medizin schloss Voigt die Veranstaltung mit den besten Gesundheitswünschen und dem Versprechen: „wenn es damit nicht klappen sollte, sind wir heute und zukünftig mit unseren Experten für sie da“.

(Text: PM LPR)