Notfallmediziner der Asklepios Klinik Langen warnt vor sorglosem Umgang mit dem heimischen „Fingerhut“

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Dr. Michael Schütz, Chefarzt Anästhesie und Perioperative Medizin der Asklepios Klinik Langen. (Foto: Asklepios)

Durch die vielen Regenfälle in diesem Winter und Frühjahr ist es in diesem Frühling auffallend bunt, Blumen und Pflanzen gedeihen besonders prächtig. Doch nicht alle Pflanzen sind nur schön, oder so harmlos wie sie aussehen. „In diesem Frühjahr beobachten wir in den Gärten, Wiesen und Wäldern des Kreis Offenbach eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Fingerhutpflanzen. Die sehr hübschen, aber leider auch giftigen Pflanzen stellen, insbesondere für kleinere Kinder und Haustiere, eine potenzielle Gefahr dar“, warnt Dr. Schütz, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und interdisziplinäre Intensivmedizin.

Warum warnen Sie heute insbesondere vor dem „Fingerhut?

„Bei einer Radtour am vergangenen Wochenende sahen meine Frau und ich zufällig wie eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter ein paar Fingerhüte pflückte und in ihren Kofferraum legen wollte. Da schrillten bei uns beiden die Alarmglocken. Wir sprachen sie sofort an und warnten sie, denn alle Teile der Fingerhutpflanze sind giftig, insbesondere die Blätter und Stängel. Verantwortlich für die Giftigkeit sind die Digitalisglykoside, vor allem das Digitoxin“, so Dr. Schütz. Glücklicherweise nahm die junge Frau die Warnung ernst und weder sie noch ihre Tochter trugen Schaden davon. Doch schon der Verzehr von nur 2,5 Gramm Blättern kann für einen erwachsenen Menschen tödlich sein. Erste Vergiftungsanzeichen, die dann tagelang anhalten sind Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen und einer verminderten Pulsfrequenz bei gleichzeitig ansteigendem Blutdruck. Der Tod erfolgt meist durch Herzstillstand.

„Das Gift kann dabei nicht nur durch Verzehr, sondern auch über die Haut aufgenommen werden. Daher sollten Fingerhutpflanzen niemals mit bloßen Händen berührt werden. Auch für Haustiere stellt der Fingerhut eine Gefahr dar. Besonders sind Kinder gefährdet, wenn sie mit den hübschen Blüten spielen oder sie in den Mund stecken. Aus diesem Grund sollten Familien mit kleinen Kindern den Roten Fingerhut möglichst nicht im eigenen Garten anpflanzen.

Bereits geringe Mengen der Pflanzenteile können Vergiftungserscheinungen hervorrufen“, erläutert Dr. Schütz und rät zu folgenden Schutzmaßnahmen:

– Vermeiden Sie Hautkontakt mit der Pflanze.
– Tragen Sie Handschuhe bei der Gartenarbeit.
– Informieren Sie ihre Kinder über die mögliche Gefahr.
– Entfernen Sie ggf. die Pflanzen aus Ihrem Garten, wenn Kinder oder Haustiere Zugang haben.

„Sollten Sie jedoch Kontakt mit einer Fingerhutpflanze gehabt haben und die oben genannte Symptome beobachten, dann kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren Hausarzt. Bei schweren Vergiftungsanzeichen suchen Sie sofort die nächstgelegene Notaufnahme auf“, rät Dr. Schütz abschließend.

Weitere Informationen zur Pflanze

(Foto: privat)

Der heimische Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist häufig an Waldrändern, Hängen und Lichtungen zu sehen und ist aktuell auch in vielen Gärten anzutreffen. Von Mai und August blühen an dem bis zu 1,50 Meter langem Blütenstängel zahlreiche glockenförmige, purpurfarbene oder weiße Blüten, die an Fingerhüte, wie sie beim Nähen verwendet werden, erinnern. Nicht giftig ist der Fingerhut übrigens für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, die sich von ihrem Nektar ernähren und für die der Fingerhut eine gute Nahrungsquelle darstellt.

(Text: PM LPR)