Rödermark: Kontroverse Debatten rund um die Kipferl-Kreuzung

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Über 50 Teilnehmer diskutierten am Parkplatz am Friedhof über die Verkehrssituation entlang der L 3097. (Foto: PS)

Die Anwohner belastet die Verkehrssituation entlang des innerörtlichen Abschnitts der Landesstraße 3097 teilweise stark. Dies wurde am Dienstag auch bei einem Treffen deutlich, zu dem die Stadt unter anderem übergeordnete Behörden und Vertreter der Verkehrsinitiative „BIVER“ eingeladen hatte. Unter den rund 50 Teilnehmern kam es auch zu kontroversen Debatten.

Bürgermeister Jörg Rotter und die Erste Stadträtin Andrea Schülner blickten in ihren einleitenden Worten auf die bisherige Arbeit des „Runden Tisches Verkehr“ und der daraus resultierenden Fokusgruppen zurück. Artur Singer, der Leiter des Fachbereichs öffentliche Ordnung, nannte noch einmal die Forderungen, die von den Anwohnern in der Fokusgruppe „Kipferl Kreuzung“ aufgestellt wurden. Um diese Themen drehten sich am Dienstag dann auch die Diskussionen.

1. LKW-Durchfahrtsverbot auf der L 3097

Seit Jahren sorgen Lastwagen, die die L 3097 und damit auch Mainzer-, Hanauer- und Nieder-Röder Straße als Schleichweg zwischen den Autobahnen A5 und A3 nutzen, bei Anwohnern für Ärger. Bei dem Treffen am Dienstag fielen Sätze wie „Wenn ein LKW durch ein Schlagloch fährt, dann zittert bei mir das ganze Haus“ oder „Man fällt nachts aus dem Bett“.

Dass es bald ein LKW-Durchfahrtsverbot geben wird, steht laut den Behördenvertretern mittlerweile fest. Der Weg dorthin ging über etliche Stationen: Auf Grundlage des von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens eines Planungsbüros hatte die Stadt ein LKW-Durchfahrtsverbot für Ober-Roden beantragt. Der Kreis hat das Durchfahrtsverbot nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium in Darmstadt mittlerweile angeordnet. Zuständig für die Umsetzung ist Hessen Mobil, das unter anderem für eine umfangreiche Beschilderung (der Verkehr muss schon weit vor Rödermark abgefangen werden) sorgen muss. Derzeit läuft bei Hessen Mobil die öffentliche Ausschreibung für den Auftrag. „Wir hoffen, dass wir spätestens Anfang kommenden Jahres die Schilder vor Ort haben. Vielleicht klappt es auch schon dieses Jahr“, sagte Stefanie Heid, die als Vertreterin von Hessen Mobil an dem Termin teilnahm.

Kritik kam von Norbert Kern, dem Sprecher der Verkehrsinitiative BIVER. In Sachen LKW-Durchfahrtsverbot sei man mittlerweile „im sechsten Jahr, ohne dass sich was tut“. Kern zeigte sich zudem überrascht über die seiner Meinung nach zu positiven Ausführungen der Ersten Stadträtin Andrea Schülner als zuständige Dezernentin und des Fachbereichsleiters Artur Singer über das bislang Erreichte. „Sichtbar passiert ist seit Jahren nichts“, meinte Kern.

2. Kein Kreisel als Ampelersatz an der Kipferl-Kreuzung

Dem Wunsch der Anwohner nach einer Kreisel-Lösung an der Kipferl-Kreuzung statt der bestehenden Ampel erteilte Bürgermeister Jörg Rotter aus finanziellen Gründen eine Absage. Einen Kreisel auf der Landesstraße könne nur Hessen Mobil anordnen. „Möglicherweise genehmigen die ihn uns auch“, sagte Rotter. „Aber bezahlen müssen wir.“ Zuschüsse vom Land gebe es in diesem Fall nicht. Bei der aktuellen Haushaltslage seien Kosten für den Bau eines Kreisels in Höhe von 800.000 bis 1 Million Euro nicht machbar.

3. Forderung nach Tempo 30

BIVER fordert Tempo 30 auf der L 3097 im Bereich Mainzer, Hanauer und Nieder-Röder Straße. Damit soll die Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner verringert werden, aber auch Sicherheitsaspekte sprächen für Tempo 30. Es komme regelmäßig zu gefährlichen Situationen.

Die Stadt könne Tempo 30, zumal die L 3097 eine Landesstraße ist, nicht einfach eigenständig anordnen, sagte Fachbereichsleiter Artur Singer. „Ein Schild ist zwar schnell aufgestellt, aber im Hintergrund muss man das ausführlich begründen“, meinte Singer . Nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, wie etwa erhöhte Unfallzahlen, überschrittene Lärmwerte oder ein direkter Zugang der in Frage kommenden Straße zu Schulen und Kindergärten, ist die Einführung von Tempo 30 möglich.

4. Mehr Geschwindigkeitskontrollen mit mobilen und festen Blitzern

BIVER fordert auch die Installation von festen Blitzern. Aber auch da sei man an die Vorgaben gebunden, sagte die Erste Stadträtin Andrea Schülner. Man könne nicht einfach irgendetwas aufstellen, ohne das Einverständnis der übergeordneten Behörden zu haben. „Wir haben in mehreren Gesprächen zugesagt, dass wir dranbleiben. Wir machen regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen, Wir sind regelmäßig im Austausch, ob es ausreicht, um feste Blitzeranlagen zu installieren“, versicherte Schülner.
Andreas Bamberg, der Leiter der Polizeistation Dietzenbach, gab zu bedenken, dass vor der Installation eines festen Blitzers mit Blick auf mögliche Klagen von Rasern alles rechtlich genau geprüft werden sollte. Sonst bestehe die Gefahr des Rückbaus auf Kosten der Steuerzahler. Bei einer Stadt im Verkehrsbereich zu arbeiten, sei der undankbarste Job. „Es sieht jedes Mal für den Bürger so aus, dass die Stadt nichts macht und es nicht voran geht. Es geht aber deswegen nicht voran, weil alles überreguliert ist“, meinte Bamberg mit Blick auf die rechtlichen Vorgaben.

5. Erneuerung des Fahrbahnbelages auf den innerörtlichen Abschnitten der L3097

Im Rahmen der sogenannten „Sanierungsoffensive“ wurden Landesstraßen von Hessen Mobil dahingehend beurteilt, wann die nächste Sanierung nötig ist. Bei den bis 2027 vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen ist die L 3097 nicht dabei, sagte Hessen Mobil-Vertreterin Stefanie Heid. Beim Treffen setzten sich einige Anwohner dafür ein, dass mit Blick auf Schlaglöcher und Bodenwellen zumindest Ausbesserungen vorgenommen werden.

6. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Frankfurter Straße

Die städtischen Vertreter berichteten bei dem Treffen auch darüber, dass ein Gutachten zum Thema „Mögliche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen auf der Frankfurter Straße“ in Auftrag gegeben wurde. Erste Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Das weitere Vorgehen soll dann mit Bürgerbeteiligung besprochen werden. Zur Verkehrsberuhigung könnten beispielsweise versetztes Parken, Bepflanzungen oder eine tempoabhängige Pförtnerampel beitragen.

„Wir sind sehr auf die angekündigten konkreten Maßnahmen gespannt, welche nun ausgearbeitet werden und bedanken uns beim Bürgermeister und der Ersten Stadträtin sowie den weiteren Akteuren für das Treffen, welches bei uns einen doch insgesamt positiven Eindruck hinterlassen hat“, schreibt die Verkehrsinitiative „BIVER” in einer Stellungnahme.

(Text: PS)