Eppertshäuser Kampfsportler rettet Mann vor Messerstecher

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Hat einen Mann vor einem Messerstecher gerettet: der Eppertshäuser Hüseyin Imam, der Meistergrade in vier Kampfkünsten besitzt. (Foto: jedö)

Der Eppertshäuser Hüseyin Imam hat einem Mann wahrscheinlich das Leben gerettet. Bei einem Vorfall, der bereits am 20. März vor dem Pfungstädter Penny-Markt geschah und den der 40-Jährige auf Anregung der Polizei dem Autor dieser Zeilen nun als positives Beispiel für Zivilcourage anvertraut hat, stoppte und entwaffnete er einen Messerstecher. Auch zwei Kollegen halfen dem hoch dekorierten Kampfsportler (bis 2015 im Kickbox-Weltcup unterwegs), das heftige Ereignis zu beenden.

Imam ist Außendienst-Mitarbeiter eines Unternehmens, das für die Entega im Glasfaser-Vertrieb tätig ist. Dadurch ist der Eppertshäuser im ganzen Landkreis unterwegs. An besagtem Tag war er mit Kollegen zum Mittagessen nahe dem Pfungstädter Penny-Markt verabredet. Dort wurde er Zeuge eines Streits, der zunächst nicht allzu dramatisch schien, wenig später aber eskalierte.

„Zwei Männer standen vor dem Eingang des Markts und haben sich gestritten“, erzählt Imam, wie die Sache begann. „Beide waren Mitte 30, einer ein Schwarzafrikaner, der andere ein Osteuropäer.“ Lautstark diskutiert hätten sie auf Deutsch, „beide waren sehr aggressiv“. So aggressiv, dass sie einen älteren Mann weggestoßen hätten, der zu ihnen gekommen sei, um zu schlichten. Für Imam, der die Szene beobachtete, der Grund, zum ersten Mal einzuschreiten. Woraufhin sich der Osteuropäer in den Markt trollte und der Afrikaner den Schauplatz verließ – allerdings nur scheinbar.

Denn nur wenige Minuten später stießen beide vor dem Eingang erneut aufeinander. Nun eskalierte die Situation: „Der Angreifer hatte sich in einem Geschäft nahe dem Markt ein Küchenmesser gekauft“, berichtet Imam. Der entsprechende Kassenbon sei später bei ihm gefunden worden. Damit sei er auf sein Opfer, das gerade den Markt verlassen hatte, losgegangen.

Mutmaßlich 30 Sekunden habe die Attacke gedauert, bis Imam zum zweiten Mal einschritt, wie er schätzt. Bis dahin hatte der Messerstecher das Opfer schon am Hals erwischt, glücklicherweise nicht tödlich. Mehrere Kunden und Mitarbeiterinnen des Penny-Markts hätten den Vorfall schockiert verfolgt, teils durch die Glasscheibe des Markts. „Eine ältere Frau ist allerdings eingeschritten“, sagt Imam. Durch ihren Schrei sei er auf das erneute Aufeinandertreffen der beiden Männer aufmerksam geworden.

Nun folgte der für den Eppertshäuser kritischste und gefährlichste Teil: „Ich habe keine Sekunde überlegt und bin sofort hingerannt. Erst als ich dem Angreifer in den Arm gegangen bin, habe ich das Messer gesehen.“ Dessen Klinge, so stellte sich später heraus, sei 30 Zentimeter lang gewesen. Die Aggressivität sei auf beiden Seiten enorm gewesen, „die hatten rote Augen und wollten sich töten!“ Mit einem Armhebel aus dem Jiu Jitsu entwaffnete Imam den Mann. Die Selbstverteidigungs-Technik ist neben Kickboxen, Kung-Fu und Taekwondo eine von vier Kampfkünsten, in denen der Sportler und Ausbilder (auf Wettkämpfen früher für den GKV Lotus Eppertshausen aktiv, wo er lange auch als Trainer fungierte; bis heute gibt er Selbstverteidigungs-Kurse) mindestens den ersten Meistergrad besitzt.

Dann eilten seine Kollegen Anil Can Candas und Semih Aydin herbei, mit denen er eigentlich eine entspannte Mittagspause hatte verbringen wollen. Aydin nahm den Messerstecher in den Polizeigriff. Das Trio verständigte die Polizei und den Rettungswagen, in dem der Angegriffene noch vor Ort behandelt wurde. Später folgten die Zeugenaussagen. Der Prozess in dieser Sache hat noch nicht begonnen.

Andere Leute hätte zu ihm gesagt: „Du bist ja lebensmüde!“, blickt Hüseyin Imam auf die riskante Angelegenheit zurück. „Tatsächlich hat der Angreifer das Messer knapp an meinem Bauch vorbei gestoßen. Ich weiß nicht, ob ich so eingeschritten wäre, hätte ich das Messer gleich gesehen.“ Denn obwohl man den Eppertshäuser früher getrost als Kampfmaschine bezeichnen durfte, sei mit das Wichtigste, was er den Schülern seiner Kurse beibringe: „Die beste Verteidigung ist Weglaufen! Die Selbstverteidigungs-Techniken dienen immer dazu, den Angreifer kurz außer Gefecht zu setzen, um dann weglaufen zu können.“ Selbst ein herausragender Kampfsportler wie er sei gegenüber einem Gegner mit Messer klar im Nachteil, betont er.

Ein Aspekt ist ihm, der selbst türkische Wurzeln hat, angesichts der Herkunft der beiden Streithähne ebenfalls wichtig: „Solche Vorfälle schaden vor allem Leuten wie uns, die auch einen Migrationshintergrund haben, aber schon in der dritten Generation hier sind.“ Beim Gerichtsprozess dürften Imams Aussagen jedenfalls eine wichtige Rolle für die juristische Aufarbeitung und das Urteil spielen.

(Text: jedö)