Wiesbaden: Erste Ergebnisse des Zensus 2022 veröffentlicht

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Wiesbaden (Foto: Marcus Surges auf Pixabay)

Mit Spannung waren sie erwartet worden: die Ergebnisse des Zensus und vor allem die neuen „amtlichen“ Einwohnerzahlen. Am Dienstag, 25. Juni, haben die statistischen Ämter des Bundes und der Länder die ersten Erkenntnisse aus dem Zensus 2022 und natürlich auch die neuen Einwohnerzahlen bekanntgegeben. Letztere sind von besonderer Bedeutung für zahlreiche politische und gesellschaftliche Bereiche, denn nach ihnen werden beispielsweise die Wahlkreise eingeteilt und die Zahlungen in Finanzausgleichssystemen vorgenommen. Darüber hinaus liefert der Zensus aber auch wichtige demografische Daten sowie Informationen zu erwerbsstatistischen Gegebenheiten und zum Gebäude- und Wohnungsbestand.

„Die ersten Zahlen des Zensus sind nun auch für die Landeshauptstadt Wiesbaden verfügbar und bieten uns wertvolle Einblicke in die demografische Entwicklung unserer Region. Diese Daten sind ein essenzielles Werkzeug, um fundierte Entscheidungen zu treffen und unsere Ressourcen gezielt einzusetzen. Gemeinsam können wir nun noch effektiver an der Gestaltung einer zukunftsfähigen und lebenswerten Kommune arbeiten“, betont Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

Zensus-Stichtag war der 15. Mai 2022 und für dieses Datum wurde für die Landeshauptstadt Wiesbaden eine amtliche Einwohnerzahl von 284.260 festgestellt. Diese Zahl wurde nicht einfach dem städtischen Einwohnermelderegister entnommen, sondern auf Basis einer umfangreichen Stichprobe und eines komplexen Hochrechnungsverfahrens nach einer deutschlandweit einheitlichen Methodik ermittelt. Damit sollten Über- und Untererfassungen in den Registern statistisch korrigiert werden. Dies ist auch der Grund dafür, dass die neue amtliche Einwohnerzahl von jener Zahl abweicht, die die Wiesbadener Kommunalstatistik monatlich feststellt und veröffentlicht. Deren Datengrundlage ist nämlich gerade das Einwohnermelderegister, und dort waren im Mai 2022 rund 295.000 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Personen, die zwar gemeldet sind, aber nicht (oder nicht mehr) an der Meldeanschrift wohnen, gibt es seit jeher – natürlich nicht nur in Wiesbaden. Solche „Karteileichen“ wurden im Rahmen des Zensus stichprobenweise ermittelt; mit dem hochgerechneten Ergebnis wurde dann die Registerzahl nach unten korrigiert.

Übrigens hatte die Stadt mit einer eigenen Erhebungsstelle, die beim Amt für Statistik und Stadtforschung angesiedelt war, maßgeblichen Anteil an der Zensuserhebung. So waren in Wiesbaden rund 130 Erhebungsbeauftragte im Einsatz, die in den per Stichprobe ausgewählten Haushalten und an Sonderanschriften um die 24.000 Interviews führten.

Über die bloße Einwohnerzahl hinaus liefert der Zensus aber auch umfangreiche Daten zu demografischen und sozialen Strukturen. Besonders interessant sind dabei jene Bereiche, über die bislang nur wenige oder keine kommunalen Informationen vorliegen, so etwa zur Erwerbstätigkeit und zum Bildungsstand der Bevölkerung. Von den Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern waren zum Stichtag des Zensus 136.620 erwerbstätig. Die meisten verdienten ihr Geld als Angestellte oder Arbeiterinnen und Arbeiter (114.860), darüber hinaus arbeiteten 7.790 Beamtinnen und Beamte sowie 13.350 Selbständige.

Von allen Erwerbstätigen hatten 38.430 eine Lehre beziehungsweise eine Berufsausbildung im dualen System absolviert. 12.430 verfügten über einen Fachschulabschluss und 49.080 über einen Bachelor- oder Masterabschluss, ein Diplom oder waren sogar promoviert. 36.680 arbeiteten ohne beruflichen Bildungsabschluss. Was den Bildungsstand der Wiesbadenerinnen und Wiesbadener insgesamt angeht: 108.230 verfügten über ein Abitur oder die Fachhochschulreife, weitere 51.170 über einen mittleren Schulabschluss und 43.030 über einen Haupt- beziehungsweise Volksschulabschluss. 24.710 hatten keinen allgemeinbildenden Abschluss.

Auch zum Gebäude- und Wohnungsbestand bringt der Zensus neue Zahlen. Grundlage war hierbei keine Stichprobe, sondern eine Vollerhebung, die das Hessische Statistische Landesamt unter den Wohnungseigentümern und -verwaltern durchgeführt hat. Im Mai 2022 wurden in Wiesbaden 40.114 Gebäude mit Wohnraum gezählt. Von den Wohngebäuden verfügten 23.999 über ein und zwei Wohnungen sowie 15.147 über drei und mehr Wohnungen. Die Gesamtzahl der Wohnungen in Wiesbaden belief sich auf 150.388, die durchschnittliche Wohnfläche betrug 82,9 Quadratmeter und die durchschnittliche Nettokaltmiete 9,20 Euro pro Quadratmeter. Der Anteil des selbst genutzten Wohneigentums lag in Wiesbaden bei 27,3 Prozent. 5.027 Wohnungen standen im Mai 2022 leer, darunter galten 2.790 als innerhalb von drei Monaten für den Bezug verfügbar und zählten somit zum „marktaktiven Leerstand“.

Detaillierte Ergebnisse haben die statistischen Ämter jetzt in einer bundesweiten Auswertungsdatenbank bereitgestellt, die ab sofort über das Internetportal www.zensus2022.de zugänglich ist. Kleinräumige Zensus-Ergebnisse für Wiesbaden, etwa für Ortsbezirke, wird es allerdings erst in den kommenden Monaten über die Statistikstelle der Stadt Wiesbaden geben.

Geht es nach den Planungen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, wird bei der nächsten Zensus-Runde 2031 ein neues Verfahren angewandt: Es sollen dann keine eigenen Erhebungen mehr stattfinden, sondern alle Erkenntnisse sollen aus bestehenden Datenquellen gewonnen werden: aus vorhandenen Registern oder aus solchen, die bis dahin noch aufzubauen sind.

Fragen beantwortet das Amt für Statistik und Stadtforschung, Telefon (0611) 315691, E-Mail amt-fuer-statistik-und-stadtforschung@wiesbaden.de.

(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)