Nitratergebnisse der Brunnenwasseruntersuchungen in Babenhausen

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Nitratuntersuchung in Babenhausen.
Nitratuntersuchung im Labormobil des VSR-Gewässerschutz vor einem Getreidefeld. Bild: Anja Roth

Die Nitratbelastung im Brunnenwasser sinkt trotz vielen Auflagen zur Düngemenge
und Düngezeitpunkt nicht so wie gehofft. Das stellte der VSR-Gewässerschutz bei der
Auswertung der am 29. Mai in Babenhausen abgegebenen 68 Brunnenwasserproben
fest.

Die gemeinnützige Organisation fordert noch mehr Unterstützung für das
Anlegen von Baumstreifen auf den Feldern. Diese Agroforstsysteme führen
nachweislich zu einer erheblichen Senkung der Nitratbelastung ohne den Ertrag auf
dem Acker zu verringern.

Matthias Ahlbrecht und der Ehrenamtler Frank Sombrowski beantworteten am
Informationsstand viele Fragen von besorgten Brunnenbesitzern zu der
Nitratbelastung und der Verwendung des Wassers. Mache Bürger erkundigten sich,
ob Bekannte oder Nachbarn auch noch Wasserproben untersuchen lassen können.
“Auf der Homepage vsr-gewaesserschutz.de erfährt jeder, der den Termin verpasst
hat, wie man noch eine Wasserprobe mit der Post zusenden kann”, erklärt Harald
Gülzow. Alle bis Ende Oktober zugeschickten Proben unterstützen die
Messkampagne des Vereins und fließen in die Jahresauswertung für den Kreis
Darmstadt-Dieburg ein.

Die Brunnenwasserergebnisse vom diesjährigen Termin in Babenhausen hat der
Physiker Harald Gülzow bereits ausgewertet. In jeder 5. Probe aus den privat
genutzten Brunnen stellte er eine Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l)
Nitrat fest. Besonders erschreckend fand der Gewässerexperte die festgestellte
Belastung in den Gartenbrunnen in Babenhausen mit 109 Milligramm Nitrat pro
Liter (mg/l), in Dreieich mit 77 mg/l, in Sickenhofen mit 68 mg/l, in Mainaschaft
mit 62 mg/l und in Harrshausen mit 60 mg/l. Etwas weniger hoch belastet ist das
Wasser in Hergershausen mit 58 mg/l Nitrat, in Mainhausen mit 54 mg/l, in
Münster mit 52 mg/l Nitrat und in Groß-Zimmern mit 50 mg/l im Grundwasser.
Doch auch dort sieht Harald Gülzow noch Handlungsbedarf. Er betont, dass die
Nitratrichtlinie, dazu verpflichtet eine Überschreitung des Nitratgrenzwertes von 50
Milligramm pro Liter im Grundwasser zu verhindern. „Im letzten Moment konnte
gerade noch das Vertragsverletzungsverfahren mit hohen Strafzahlungen wegen der
Nichteinhaltung der Richtlinie letztes Jahr abgewendet werden. Bis zur nächsten
Überprüfung muss die Nitratbelastung deutlich sinken.“ sagt Harald Gülzow.
Im Kreis Darmstadt-Dieburg bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 75 Prozent
aus Ackerflächen. Es dominieren Felder ohne Bäume. Diese verschwanden im Zuge
der Intensivierung der Landwirtschaft. Das leichtlösliche Nitrat im Dünger wird durch
Regenfälle schnell in tiefere Bodenschichten verlagert. Dort können die Feldfrüchte
die Nährstoffe nicht mehr zum Wachstum verwenden. Im Gegensatz dazu können
Bäume mit ihren tiefen Wurzeln das in die Tiefe transportierte Nitrat für sich nutzen.
„Bäume auf den Feldern hilft das Nitrat wieder an die Oberfläche zu befördern und so
in der Zukunft die Nitratbelastung im Brunnenwasser zu verringern.“ berichtet Harald
Gülzow.

Dieses moderne Agroforstsystem, eine Kombination von Forst- und Landwirtschaft
wurde an die Technik und die Produktionsweise der heutigen Landwirtschaft
angepasst. Auf dem Feld stehen Baumstreifen aus schnellwachsenden Bäumen wie
Pappeln, Weiden oder Erlen, die alle vier bis sechs Jahre geerntet und als
Hackschnitzel zur Energiegewinnung verkauft werden. Der Abstand zwischen den
Baumreihen bietet genügend Platz für Trecker, Grubber und Erntemaschinen zur
Bearbeitung von Getreide, Zuckerrüben, Mais und Raps. Die Angst, dass die Bäume
zu Ernteeinbußen führen, hat sich nicht bestätigt. „Während an den Baumstreifen
tatsächlich weniger Ertrag ist, beobachtet man ab einer gewissen Distanz zu den
Bäumen in den meisten Fällen eine höhere Produktion als bei einem Vergleichsacker
Pressemitteilung VSR-Gewässerschutz e.V. ohne Baumstreifen. Bei trockenen und heißen Sommer kommt es auch ohne Bewässerung zu weniger Ernteausfällen, da die Bäume vor Verdunstung schützen“, sagt Harald Gülzow. Außerdem weist er darauf hin, dass Landwirte mit Agroforst zum Klima- und Artenschutz beitragen.

Landwirtinnen und Landwirte können seit Anfang 2023 für Agroforstflächen
Förderungen beantragen. Harald Gülzow hat jedoch festgestellt, dass die Höhe und
die Bedingungen zum Erhalt dieser Fördergelder nicht zu einer bedeutenden
Zunahme der Agroforstfläche führte. Das liegt daran, dass die Neuanlage von
Agroforstsystemen sehr teuer ist und erst nach Jahren das Holz verkauft werden
kann. „Deshalb erhalten die Landwirte in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern für
die Neuanlage von Baumstreifen auf den Feldern bereits weitere Unterstützung. Das
muss unbedingt auch für die Landwirte in Hessen erfolgen. Die Landwirte dürfen mit
den hohen Investitionskosten nicht allein gelassen werden.“ betont Harald Gülzow.

(Text: PM VSR-Gewässerschutz e.V.)