Am vergangenen Samstag fand im Windpark Siegfriedseiche in Grävenwiesbach eine große Katastrophenschutzübung des Hochtaunuskreises statt. Die Übung simulierte einen ausgedehnten Waldbrand, verursacht durch herabstürzende Trümmerteile einer brennenden Windkraftanlage. Außerdem war eine Jugendgruppe, die nahe des Windparks im Wald unterwegs war, durch Feuer und herabfallende Trümmerteile zum Teil schwer verletzt worden. Bei der Übung kam es vor allem auf das Zusammenspiel der verschiedenen Einsatzkräfte an. Insgesamt waren rund 250 Personen im Einsatz.
„Es ist wichtig, dass wir solche Übungen immer wieder durchführen“, sagte Landrat Ulrich Krebs, der die Übung beobachtete. „Denn wir müssen für einen Ernstfall bestmöglich gewappnet sein. Wir müssen prüfen, ob die Einsatzpläne umsetzbar sind. Und zugleich müssen wir schauen, ob die verschiedenen Einsatzkräfte gemeinsam ein solches Szenario meistern können.“ Welche Bedeutung einer solchen Übung beigemessen wird, verdeutlichte auch die Tatsache, dass Regierungspräsident Prof. Dr. Jan Hilligardt für die beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelte Obere Brand- und Katastrophenschutzbehörde nach Grävenwiesbach gekommen war. „Ich bin immer wieder beeindruckt über die Professionalität der Einsatzkräfte“, sagte er. „Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass viele Einsatzkräfte im Ehrenamt tätig sind und sie hier bei dieser Übung auch ihre Freizeit für die Sicherheit der Allgemeinheit opfern.“ Regierungspräsident und Landrat bedankten sich daher ausdrücklich bei allen Teilnehmern.
Wenn ein Windrad brennt, muss in einem weiträumigen Umkreis abgesperrt werden. Personen, die sich in diesem Radius befinden, müssen in Sicherheit gebracht werden, da Lebensgefahr besteht. Diese Aufgabe übernahmen die Kräfte der Grävenwiesbacher Feuerwehren. Zu Fuß und mit Tragen wurden die „Verletzten“ zu einer Sammelstelle gebracht. Ein Löschzug aus Weilrod schützte mit Kreisregnern die Sammelstelle vor einem Übergreifen der Flammen. Ein Löschzug der Feuerwehr Schmitten sicherte mit Düsenschläuchen den Zufahrtsweg dorthin. Kameradinnen und Kameraden aus der Feuerwehr Wehrheim unterstützten bei diesen kräftezehrenden Aufgaben. Die Löschwasserversorgung aus den Zisternen in Grävenwiesbach übernahmen weitere Feuerwehrkräfte mit Tanklöschfahrzeugen aus Kronberg, Usingen, Weilrod und Schmitten.
Die Erstversorgung der „Patienten“ übernahmen Notfallsanitäter-Auszubildende des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Hochtaunus und des Malteser Hilfsdienstes Hochtaunus mit Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeugen. Für die Auszubildenden bot sich eine gute Gelegenheit, die Versorgung Verletzter bei großen Schadensereignissen zu üben, da sich die Vorgehensweise zu üblichen Einsätzen unterscheidet. Denn normalerweise versorgt ein Rettungsteam einen Menschen individuell. Bei einer Vielzahl Verletzter müssen aber ihre begrenzten Ressourcen anhand medizinischer Priorität auf viele Menschen verteilen.
Zur Unterstützung bei der Versorgung und weiteren Behandlung kam ein Sanitätszug des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes zum Einsatz. Die sanitätsdienstlich ausgebildeten Helferinnen und Helfer eilten mit einem großen Gerätewagen und mehreren Krankentransportwagen an die Einsatzstelle. Dadurch konnten sie die Kräfte des Rettungsdienstes nach und nach abzulösen, so dass diese die am „schwersten verletzten Personen“ zügig ins Krankenhaus brachten. Die „leichter verletzten Personen“ wurden im weiteren Verlauf mit den Krankentransportwagen in die Klinik gebracht.
Da im Ernstfall bei einer solchen Lage zwei Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen würden, unterstützte die Bergwacht Hochtaunus vom Großen Feldberg die Rettungsmaßnahmen, indem sie einen speziell organisierten und ausgestatteten Platz für die Landung mehrerer Rettungshubschrauber herrichtete. Das THW half der Feuerwehr und dem DRK bei der Bildung eines Bereitstellungsraumes für die anrückenden Fahrzeuge.
Auch ein Hubschrauber der hessischen Polizei wirkte bei der Übung mit. Die Polizeiflieger unterstützten die Feuerwehren aus der Luft. Hierzu wurden im Wald unterschiedliche Abwurfpunkte markiert, über die der Hubschrauber seinen Außenlastbehälter gefüllt mit 850 Litern Wasser, die er am Hattsteinweiher aufgenommen hatte, punktgenau entleeren konnte. Da der zielgerichtete Abwurf Übung benötigt, nehmen die Pilotinnen und Piloten in regelmäßigen Abständen an solchen Waldbrandübungen teil.
Helferinnen und Helfer der Feuerwehr Grävenwiesbach sowie ein Betreuungszug des DRK sorgten für die Betreuung und Versorgung der Einsatzkräfte sorgten. Dazu wurde auf dem Sportfeld der Jugendherberge eine Verpflegungsausgabe hergerichtet. Hier konnten sich die eingesetzten Kräfte, aber auch die „Verletzten“ und alle anderen Unterstützer nach der Übung bei Gegrilltem und Kaltgetränken stärken.
Neben dem Regierungspräsidenten und dem Landrat beobachteten Vertreter aus dem hessischen Innenministerium, dem Umweltministerium sowie weiterer Behörden und Ämter die Übung.
Der Dank gilt neben den Einsatzkräften aus Ehren- und Hauptamt allen Unterstützenden wie dem Team Jugendherbe Grävenwiesbach, welches für die Übung ihre Räumlichkeiten und das Sportfeld zur Verfügung gestellt hat. Die Mitglieder der Rettungshundestaffel Hochtaunus e.V., das DLRG sowie der Jugendfeuerwehren aus Grävenwiesbach mimten die Verletzten. Ein enger Austausch und gute Zusammenarbeit fand mit der kommunalen Ordnungsbehörde, der Gemeinde Grävenwiesbach, HessenForst und zahlreichen weiteren Beteiligten statt.
(Text: PM Hochtaunuskreis)