Die, zumindest zu Beginn, knapp 200 Zuhörer in der Kulturhalle Rödermark hatten reichlich Frage- und Redebedarf. Rund vier Stunden dauerte die Bürgerversammlung letztlich. Der an die Wand geworfene Zeitplan war jedenfalls schnell überholt. Um halb elf standen Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) und Erste Stadträtin Andrea Schülner (AL/Die Grünen) immer noch fleißig Rede und Antwort. 66 Fragen hatten Bürger im Vorfeld alleine schriftlich eingereicht. Auch wenn die Fragen zumindest teilweise thematisch zusammengefasst wurden, war ordentlich Sitzfleisch gefragt. Zumal es nach der schriftlichen noch in die mündliche Fragerunde ging.
Mehrere Rödermärker hätten sich gewünscht, dass die Bürger früher über die „desaströse Finanzsituation“ der Stadt informiert worden wären. Dem entgegnete Kämmerin Andrea Schülner, dass die Stadt immer umfangreich und transparent informiert habe. 2026 werde es sicher zur nächsten Grundsteuererhöhung kommen, war die Vermutung mehrerer Fragesteller. Da noch keine hessische Kommune wisse, mit welchen finanziellen Mitteln sie im kommenden Jahr ausgestattet sein wird, könne man dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten, wich Schülner aus.
Bei Fragen zum städtischen Stellenplan verwies Jörg Rotter auf die Wiederbesetzungssperre von sechs Monaten für dauerhaft frei werdende Stellen in der Verwaltung hin, mit Ausnahme des Bereichs der Kinderbetreuung. Mit der bevorstehenden Eingliederung der Kommunalen Betriebe in die Stadtverwaltung erhofft sich der Rathauschef Synergieeffekte. Rotter gab mit Blick auf Forderungen nach Personaleinsparungen zu bedenken, dass die Stadt, anders als Unternehmen in der freien Wirtschaft, Pflichtaufgaben erfüllen muss. Der Stellenananstieg der letzten Jahre sei auf den Kinderbetreuungsbereich zurückzuführen. Mit Blick auf Forderungen nach einem Baustopp der schon vor Jahren beschlossenen Stadtumbauprojekte verwies Rotter noch einmal darauf, dass dann die Zwei-Drittel-Förderung wegfallen würde und die Stadt für alle bislang angefallenen Kosten alleine aufkommen müsste.
Gefragt wurde auch, warum denn weiter am „Luxusprojekt“ Hopper festgehalten würde. Abgesehen davon, dass der Hopper ein Projekt des Kreises ist, finde er sehr guten Anklang bei der Bevölkerung, meinte Andrea Schülner mit Blick auf steigende Nutzerzahlen. Der öffentliche Personennahverkehr ist eine Aufgabe des Landkreises, bei einer Einstellung des Hoppers, der bei Bedarf fährt, müssten möglicherweise als Ersatz teurere Busse eingesetzt werden, um die Aufgaben zu erfüllen.
Blitzer könnten doch zur Verbesserung der städtischen Einnahmen führen, regten mehrere Fragesteller an. Bei der Installation von festen Blitzeranlagen sei die Genehmigung durch übergeordnete Stellen nötig, entgegnete Erste Stadträtin Andrea Schülner. Mögliche Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung dürften dabei nicht im Vordergrund stehen, vielmehr richte sich die Installation von Blitzern nach Gefahrenstellen.
Mit Blick auf eine Frage zur Ausweisung neuer Gewerbegebiete wies Jörg Rotter auf die neuen Gewerbegebiete Kapellenstraße und Hainchesbuckel hin. „Wir werden aber auch nicht mehr massiv wachsen können“, meinte Rotter hinsichtlich der Vorgaben des Planungsverbandes. Kritisch wurde von mehreren Bürgern angemerkt, dass die Stadt das Traditionsgasthaus „Schasser“ in Urberach vor ein paar Jahren gekauft hat und dieses seitdem leer steht. Ziel sei es, eine Gesamtentwicklung für den Ortskern von Urberach in Gang zu setzen, sagte Jörg Rotter. Dies brauche aber noch Zeit und einen Investor. Außerdem müsse man noch weitere Grundstücke erwerben.
Mit Blick auf die städtischen Finanzen liefen derzeit schon die Sparrunden für künftige Haushalte, berichtete der Bürgermeister: „Wir versuchen alles Mögliche, aber wir dürfen auch nicht am Ende unsere eigene Stadt kaputt machen und alles, was wir an Errungenschaften haben, zuschließen.“
(Text: PS)


