Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in Eppertshausen“ ist beendet

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Einige der Teilnehmer des Regionalprojekts „Ich lebe und arbeite in Eppertshausen“ bei der Abschlussveranstaltung im kleinen Saal der Bürgerhalle. Ebenfalls auf dem Foto: Bürgermeister Stephan Brockmann (hinten links) und der Fachbereichsleiter Soziales der Gemeinde, Lutz Murmann (hinten rechts). Von der Kreisagentur für Beschäftigung sind Joachim Trautmann (hinten, Dritter von rechts) und Fachgebietsleiterin Claudia Goes (vorne, Dritte von rechts) zu sehen. (Foto: Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Zehn von 34 Teilnehmern sind schon vermittelt

Es gibt sie überall, auch in Eppertshausen: Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen seit längerer Zeit arbeitslos sind, oft seit mehreren Jahren. Die Vermittlung dieser Personen in den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt ist so etwas wie die Königsdisziplin, der sich die Kreisagenturen für Beschäftigung stellen. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg geschieht das seit 17 Jahren in Form des Regionalprojekts „Ich lebe und arbeite in …“. Gerade ist es zum dritten Mal in Eppertshausen beendet worden.


„Die Regionalprojekte sind unsere Leuchtturm-Projekte“, sagt Joachim Trautmann. Als „Jobcoach“ der KfB hat er sie schon mehrfach in verschiedenen Kommunen geleitet; in Eppertshausen stand das Projekt 2025 erstmals unter seiner Regie. Vorher habe er mit Eppertshausen keine Berührungspunkte gehabt, sei deshalb unter anderem „überrascht gewesen, was für ein großes Industriegebiet es hier gibt“. Wobei es das Projekt trotz seines Titels nicht ausschließlich darauf anlegt, dass arbeitslose Teilnehmer, die in Eppertshausen leben, eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle an ihrem Wohnort finden. Allerdings sei der der Startpunkt, „und wenn es dann ein Arbeitsplatz in Münster wird, ist das natürlich auch in Ordnung“, sagt Trautmann.

Aus seiner Sicht hat das Regionalprojekt diverse Vorteile. „Die Teilnehmer bleiben in ihrer Kommune“, zählt er auf. „Außerdem haben sie neun Monate lang einen festen Ansprechpartner, der sie an die Hand nimmt.“ Wichtig auch: „Dieser Ansprechpartner ist nicht ihr Fallmanager. Der könnte das auch gar nicht leisten, dafür sind wir dann da.“ Stark mache das Projekt auch, dass es ortsübergreifend einerseits zwar einem „klaren, guten Konzept“ folge. „Zugleich sind wir aber total flexibel.“ Hätten die Teilnehmer Bedarf, könnten beispielsweise externe Profis in Fragen der Schuldenberatung oder des Stromsparens hinzugezogen werden.

In Eppertshausen fanden zwischen dem 8. April und dem 9. Dezember mehr als 20 Workshops für rund 80 potenzielle Teilnehmer statt, von denen 34 das Angebot aktiv nutzten. Trautmann führte in diesem Zeitraum rund 90 persönliche Gespräche und begleitete die Teilnehmer intensiv auf ihrem Weg. Bei der dritten Auflage von „Ich lebe und arbeite in Eppertshausen“ haben sich dadurch schon erste Erfolge eingestellt: Von den 34 Teilnehmern fanden sechs eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung. Zudem nahm eine Teilnehmerin einen Minijob auf und drei Teilnehmerinnen starteten eine Qualifizierung im Bereich Erziehung beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft beziehungsweise eine Ausbildung im Kfz-Bereich.

Darüber hinaus erwartet der Projektverantwortliche weitere Arbeitsaufnahmen, weil sich einige Teilnehmer noch im Bewerbungsprozess befinden. Circa ein Drittel der Projektteilnehmer in Eppertshausen waren Ukrainer. Auch insgesamt machte Migranten den größten Anteil aus: „Auch Syrer, Afghanen und zwei Jamaikaner waren dabei“, berichtet Trautmann. Die Vielfalt innerhalb der Gruppe machte man auf kulinarische Weise bei einem „Tag der Nationalitäten“ sichtbar. „Unter anderem die vielen ukrainischen Menschen geben gut Gas“, lobt Trautmann. Vor zwei, drei Jahren hätten vielen noch die Sprachkenntnisse gefehlt, um in deutschen Firmen Fuß zu fassen. „Jetzt befinden sich viele auf dem B1- oder B2-Level und sind soweit, sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.“

In der Feedback-Runde zum Projektabschluss im kleinen Saal der Bürgerhalle äußerten sich mehrere Eppertshäuser Teilnehmer in Eppertshausen begeistert: „Das Projekt hat sehr geholfen“, „inhaltlich perfekt, hat viel gebracht“, „ich konnte viel Deutsch lernen und sprechen“ und „hat sehr geholfen, einen Job zu finden“, lauteten einige Fazits.
Das dritte Regionalprojekt in Eppertshausen war kreisweit bereits das 73. seit 2008.

Bislang nahmen mehr als 1 800 Langzeitarbeitslose an den Projekten teil. Davon fanden durchschnittlich etwa 50 Prozent innerhalb der Projektlaufzeit eine neue Arbeits- oder Ausbildungsstelle oder starteten in die Selbstständigkeit. Auch Ladadi-Sozialdezernentin Christel Sprößler (SPD) konstatiert: „Wenn Kommune, Unternehmen und Arbeitsmarktakteure an einem Strang ziehen, profitieren alle Beteiligten.“ Die Regionalprojekte seien nicht nur ein starkes Signal für regionale Zusammenarbeit, sondern auch nachhaltige Beschäftigungsförderung, weil durch die lokalen Kontakte und die enge Bindung an den eigenen Wohnort die Jobs nicht gleich wieder aufgegeben würden. In Eppertshausen findet die nächste Auflage des Projekts voraussichtlich 2028 statt.

(Text: jedö)