
Bei der Suche nach neuen Einsatzkräften geht die Freiwillige Feuerwehr Groß-Gerau auch ungewöhnliche Wege: Mit einem Aufdruck auf Pizzakartons will sie Hunger auf ihr für die ganze Stadtgesellschaft so wichtiges Ehrenamt machen.
Die ersten Exemplare der Kartons sind am Donnerstag in der Pizza Bar Lounge „Da Nico“ vorgestellt worden. Sie tragen die Aufschrift „Hunger auf wahre Größe? Dann werde bei uns zum Alltagesheld! Deine Freiwillige Feuerwehr der Kreisstadt Groß-Gerau“. Über einen QR-Code, der sich mit dem Handy scannen lässt, kommt man zur Mitmachseite der Groß-Gerauer Feuerwehr. Geplant ist, dass sich noch weitere Pizzerien beteiligen.
Groß-Gerau hat keine Berufsfeuerwehr
Was vielleicht etwas seltsam anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Vor allem aufgrund der Größe des Feuerwehrstützpunkts am Groß-Gerauer Nordring vermuten viele, dass die Stadt eine Berufsfeuerwehr hat. Dem ist allerdings mitnichten so: Die Einsatzkräfte aus Groß-Gerau, Dornheim, Wallerstädten und Berkach opfern allesamt ihre Freizeit, um Brände zu löschen und Menschenleben zu retten.
Dabei kommt es auf jede einzelne Feuerwehrfrau und jeden einzelnen Feuerwehrmann an. „Wir brauchen dringend Freiwillige, um die nötige Personalstärke halten zu können“, sagt Groß-Geraus Bürgermeister Jörg Rüddenklau. Er wirbt fürs Engagement bei der Wehr. Die Zusammenarbeit in einem starken Team mache Freude, zudem ließen sich jede Menge Fähigkeiten erwerben, die man im Leben brauchen könne. Rüddenklau weiß, wovon er spricht: Bevor er Bürgermeister wurde, war er selbst zehn Jahre lang ehrenamtlicher Wehrführer bei der Einsatzabteilung Groß-Gerau.
Jede neue Kraft ist willkommen
Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Carsten Kortwig legte dar, dass die Groß-Gerauer Feuerwehren aktuell in allen Stadtteilen zusammen über knapp 170 Kräfte verfügen. Das reicht knapp, doch wäre Kortwig ein kleiner Sicherheitspuffer mehr als nur lieb. „Wir freuen uns auf jede und jeden, der bei uns reinschnuppern will und im besten Fall dann auch dabeibleibt“, betont Kortwig. In der Einsatzabteilung kann man vom 17. bis 65. Lebensjahr aktiv sein. Etwa ein Fünftel der Kräfte sind mittlerweile Frauen.
Bürgermeister Rüddenklau würde es begrüßen, wenn sich Freiwillige aus verschiedenen Kulturkreisen fänden. „Das kann bei Einsätzen helfen – auch, um Betroffenen Ängste zu nehmen.“
Im Jahr 2025 insgesamt 319 Einsätze bewältigt
Im Jahr 2025 haben die Freiwilligen Feuerwehren insgesamt 319 Einsätzen bewältigt. Dazu kam ein Vielfaches an Stunden bei Übungen und Lehrgängen. Das regelmäßige Training ist entscheidend, um im Ernstfall auf den Punkt da zu sein.
Das Aufgabenspektrum reicht von Löscheinsätzen über Unfälle und technische Hilfsleistungen bis hin zur Tierrettung und anderen Dingen. In Groß-Gerau mit seinem rund 54 Quadratkilometer großen Stadtgebiet gibt es darüber hinaus viele Einrichtungen, die sich nicht überall finden: etwa die Kreisklinik oder große Industrieanlagen. Das bringt für die Wehr, die im Übrigen auch für die Autobahnen zuständig ist, besondere Herausforderungen mit sich.
„Da Nico“ unterstützt die Aktion gern
Denni Morciano von der Pizzeria Bar Lounge „Da Nico“ hat die Werbeaktion der Groß-Gerauer Feuerwehren gern unterstützt. „Jeder von uns kann einmal auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen sein. Sie leistet tolle Arbeit. Daher war es für uns keine Frage, hier mitzumachen.“
Mit Werbung auf Pizzakartons hat Morciano Erfahrung. Ein großes Unternehmen aus Groß-Gerau hatte bei ihm auf 35.000 Kartons geworben – und darüber sieben Mitarbeiter gewonnen, von denen fünf noch im Betrieb sind.
Weitere Gaststätten hätten bereits zugesagt, Pizzakartons mit Feuerwehrwerbung zu verwenden, so Kortwig. Zum Start der Aktion kommen 2000 Kartons mit „Da Nico“-Aufdruck zum Einsatz, auf weiteren 2000 Exemplaren wird ohne Gaststättennennung für die Feuerwehr geworben. Und wer weiß: Vielleicht hat in naher Zukunft manch ein Pizzafan auch einen Wasserschlauch in der Hand und hilft, wenn die Feuerwehr zu einem Brand ausrücken muss.
(Text: PM Kreisstadt Groß-Gerau)

