
Für die Kolpingsfamilie Eppertshausen sind es spannende Wochen. Im Herbst endete an der Spitze der 200 Mitglieder großen Gruppierung die Ära des Vorsitzenden Marcus Schledt, dessen Nachfolge Ralf Hess antrat. Inzwischen wirft mit dem Settchesball am Fastnachtsonntag (diesmal der 15. Februar) die größte, mit Unterstützung aus dem Chor St. Sebastian gestemmte Veranstaltung der Kolpingsfamilie ihre Schatten voraus. Für das närrische Ereignis in der Bürgerhalle passen die Macher diesmal das Konzept an. Unter anderem geht es früher los und die Settchen treten gleich zweimal auf.
Doch der Reihe nach: Sein neues Amt ist Ralf Hess mit viel Respekt angegangen, „Marcus Schledt hat riesengroße Fußabdrücke hinterlassen“, weiß der 50-Jährige, der aus der Pfalz stammt, schon dort Teil der Kolpingsfamilie (in Hochspeyer) war und vor zehn Jahren nach Eppertshausen zog. Dort ist der verheiratete Vater dreier Kinder längst heimisch geworden und hat sich innerhalb des aktiven Stamms, den er auf rund „50 bis 80“ Kolpingbrüder und -schwestern beziffert, bestens eingelebt. „Ich bin hier in eine funktionierende Kolpingsfamilie gekommen“, freut er sich. „In Hochspeyer hatten wir leider mit Überalterung zu kämpfen, hier haben wir allen 25 Kinder und Jugendliche in der Kolpingjugend.“ Besonders habe ihn „fasziniert, dass hier bei Veranstaltungen zum Abbau mehr Leute da sind als zum Aufbau“. Das sei oft anders, doch dank des Einsatzes vieler Mitglieder ließen sich etwa der Gottesdienst am 1. Mai, „Flammkuchen und Wein“ sowie der Kindermaskenball erhalten.
Und natürlich der Settchesball, der in Sachen Aufwand und Zuspruch die größte Dimension hat. Wobei Ralf Hess, der vorher Beisitzer war und im neuen Vorstand Marcus Schledt noch als Stellvertreter an seiner Seite weiß, hier an Patricia Schledt weitergibt. Sie ist Teil eines inzwischen deutlich verjüngten Organisationsteams der Kolpingsfamilie, in dem die meisten zwischen Anfang 20 und Mitte 30 sind und den Settchesball in die sechste Dekade geführt haben. Seit der Premiere 1971 fiel das Event, das ein Mix aus Kostümball und großer Party ist, nur einmal wegen des Golfkriegs und zweimal wegen Corona aus und steigt dieses Jahr zum 53.-mal.
Obwohl die Veranstaltung „in den letzten Jahren gut gelaufen“ sei, modifiziere man 2026 das Konzept, sagt Schledt. Dies umfasst insbesondere einen früheren Beginn des Settchesballs. „Wir wollen, dass er eine Veranstaltung für alle Generationen bleibt“, betont Patricia Schledt. In jüngerer Vergangenheit dominierte das Publikum unter 30. „Da manche am Montag arbeiten müssen, fangen wir nun schon um 18.11 Uhr an.“ Von 18.30 bis 19.30 Uhr lockt eine „Settchen-Hour“ mit vergünstigten Getränken und die „Lieblingsband“, die sich abermals mit DJ Vim abwechselt, spielt ihr erstes Set auf einem Podest vor der Bühne, um näher an den Gästen zu sein.
Vor allem aber tanzen die Settchen dieses Jahr zweimal: Sie treten um 21 und um 0 Uhr auf, so dass ihren Tanz auch jene sehen können, die nicht ganz so lang bleiben können. „Die Settchen werden vor ihrem ersten Auftritt außerdem schon im Saal sein, was sonst nicht der Fall war“, erläutert Schledt. Mit 35 Aktiven – 23 junge Frauen, ein Dutzend junge Männer – prosperiert die Gruppe weiter. Vor einigen Jahren war sie noch deutlich kleiner und rein weiblich. Zum zweiten Mal ist fürs Training und die Choreografie das Trio Hannah Stumpf, Kiara Kummer und Martina Wanko Mendez verantwortlich.
Ein neues Gewand bekommt auch der bühnenabgewandte Teil des großen Bürgerhallen-Saals, der mit seinem Barbereich Gelegenheit bietet, sich etwas aus dem Trubel rauszunehmen. Zum neuen Thekenkonzept zählt zudem ein größeres Angebot an alkoholfreien Getränken. „Wir hoffen, dass wir auch die ältere Zielgruppe ansprechen“, sagt Patricia Schledt. Wie in der Kolpingsfamilie selbst sei das Miteinander aller Altersgruppen erklärtes Ziel. Mit Blick auf den Ball und den vollzogenen Generationenwechsel habe das gut funktioniert: „Bei den Älteren gibt es viel Mut und Offenheit, wenn wir was Neues ausprobieren wollen.“ Die erfahrenen Kräfte in der Eppertshäuser Kolpingsfamilie ließen den jüngeren Freiraum und stünden zugleich mit Rat und Tat zur Seite.
Eingelassen werden beim Settchesball auch diesmal Personen ab 16 Jahren. Der Abend steht diesmal unter dem Motto „Sterne, All und Settchesball“ – entsprechende Outfits sind deshalb besonders gern gesehen. Der Vorverkauf beginnt am 18. Januar. Tickets kosten im Vorfeld 12 Euro (erhältlich im Eppertshäuser Geschäftshaus Sperl, bei den Settchen und online) und an der Abendkasse 15 Euro.
(Text: jedö)
