Dr. Boris Böddinghaus über seine Aufgabe als Sprecher im Landesverband Infektionsschutz Hessen
„Hygiene ist ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, übertragbare Erkrankungen zu verhindern“, sagt Dr. Boris Böddinghaus, Leiter der Abteilung Hygiene und Umwelt im Gesundheitsamt Frankfurt am Main sowie Sprecher des Fachausschusses Infektionsschutz im Landesverband Hessen der Ärztinnen und Ärzte und Zahnärztinnen und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Ein langer Name, hinter dem eine verantwortungsvolle Aufgabe steht. Der Landesverband vertritt zum einen die beruflichen Interessen der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Hessen und fördert zum anderen den kollegialen Austausch untereinander — durch regelmäßige Veranstaltungen, Tagungen und Mitgliederversammlungen.
Hygieneanforderungen regional abgestimmt
Außerdem sorgt der Landesverband dafür, dass Hygieneanforderungen regional abgestimmt werden, beispielsweise durch Checklisten. Ein praktisches Beispiel sind die Hygiene-Checklisten für Kindertagesstätten, die regelmäßig aktualisiert und standardisiert werden. Diese Checklisten überprüfen den hygienischen Umgang in den Einrichtungen – von der Hände- und Flächenhygiene bis zur korrekten Reinigung von Spielmaterialien. Natürlich sind auch in Krankenhäusern und Altenheimen Hygienepläne unerlässlich, die regelmäßig überprüft und angepasst werden. Eine der wichtigsten Aufgaben der Abteilung Hygiene im Gesundheitsamt ist daher die Begehung der unterschiedlichsten Einrichtungen in Frankfurt. „Bei den Begehungen geht es uns vor allem darum, Einrichtungen zu unterstützen und zu beraten“, sagt Böddinghaus. Die Digitalisierung dieser Pläne und Prozesse bietet nicht nur eine schnellere Erfassung von Daten, sondern auch deren schnellere Auswertung und eine transparentere Überprüfung der Einrichtungen. Eine smarte Verwaltung schafft außerdem Bürgernähe und erleichtert Abläufe, zum Beispiel durch digitale Anträge.
„Als Gesundheitsämter arbeiten wir kommunal und bürgernah, gleichzeitig setzen wir geltendes Recht um. Doch gute Praxis entsteht erst im Austausch unserer Erfahrungen. Daher ist es wichtig, Gesetzgebenden kompetentes und lebendiges Feedback zu geben. Die Corona-Pandemie hat uns deutlich gemacht: Infektionsschutz ist wichtig, aber nicht alles – ebenso zählen Praktikabilität und die Würde des Menschen. Diesen Kompromiss immer wieder zu suchen und näherzubringen, ist meine Motivation als Sprecher im Landesverband Infektionsschutz“, erklärt Böddinghaus.
“Rechtsgrundlagen wie die Hessische Hygieneverordnung lebendig halten”
„Wir wollen Rechtsgrundlagen wie die Hessische Hygieneverordnung lebendig halten. Außerdem stimmen wir uns beispielsweise zu geeigneten Begehungsintervallen ab oder haben die landesweite Verfügbarkeit von Impfstoffen für die Gesundheitsämter im Blick“, sagt Böddinghaus. Ein aktuelles Beispiel für eine Herausforderung stellt der Umgang mit neuen Erregern wie „Candida auris“ dar, einem multiresistenten Pilz, der zunehmend in Gesundheitseinrichtungen auftaucht. In solchen Fällen müssen harmonisierte Vorgehensweisen entwickelt werden.
Die Interessen der Verbandsmitglieder vertreten Böddinghaus und die weiteren Fachausschussmitglieder in regelmäßigen Treffen mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege. Zudem sorgt der Landesverband dafür, dass Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO) für Hygiene und Infektionsschutz in medizinischen Einrichtungen in der Praxis umgesetzt werden können. „Der Landesverband ist wichtig, weil Gesundheit Ländersache ist“, sagt Böddinghaus. Aus den Landesverbänden setzt sich der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) zusammen.
Der Fachausschuss Infektionsschutz beinhaltet die Fachbereiche Infektiologie und Hygiene – mit beidem ist Böddinghaus bestens vertraut. Nach dem Studium in Hannover kam er für den Facharzt in Medizinischer Mikrobiologie nach Frankfurt. Seit 2007 ist er im Gesundheitsamt tätig, davon 15 Jahre in der Abteilung Infektiologie, bis er vor zweieinhalb Jahren die Abteilungsleitung Hygiene und Umwelt übernahm. Die Aufgabengebiete der Abteilung sind vielfältig: Anpassungen an den Klimawandel und das Gesunde Städte-Netzwerk, Gesundheit in allen Politikbereichen, Hygiene im Bereich Trink- und Badewasser, für Jung und Alt in Kindertagesstätten und Altenpflegeheimen sowie in Medizinischen Einrichtungen gehören ebenso dazu wie der Beitrag zu einer gesundheitsförderlichen Umwelt. Die Themen des Landesverbandes gehen Hand in Hand mit Böddinghaus’ täglichen Arbeitsbereichen. „Ich habe festgestellt, dass ich als Sprecher für den Fachausschuss die gleichen Themen auf dem Schreibtisch habe wie als Abteilungsleiter. Umso wichtiger, sie anzugehen und uns Gehör im Ministerium zu verschaffen, Probleme zu platzieren und Lösungen anzugehen. Der Landesverband verleiht den Anliegen mehr Gewicht.“
Rund 700 Begehungen im Jahr in medizinischen Einrichtungen, Krankenhäusern, Kitas und Altenpflegeheimen
Rund 700 Begehungen im Jahr macht seine Abteilung unter anderem in medizinischen Einrichtungen, Krankenhäusern, Kitas und Altenpflegeheimen. Eine wichtige präventive Maßnahme: Durch die Auswertung von Routineüberprüfungen kann zum Beispiel die Häufung bestimmter Bakterien auffallen. Verstärkte Hygienemaßnahmen verhindern, dass sich Personen mit diesen Bakterien infizieren. Regelmäßige Kontrollen halten also die Hygienestandards hoch. Das sind im Übrigen nicht nur Routinebegehungen, sondern auch Begehungen, die aus einer im Gesundheitsamt eingegangenen Beschwerde resultieren.
Zur besseren Gesundheit trägt Hygiene entscheidend bei. Das wusste schon Johann Peter Frank (1745 bis 1821), der als Begründer des Öffentlichen Gesundheitswesens gilt. Der Staat müsse Verantwortung für angemessene Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie einen hygienischen Umgang mit unserem wichtigsten Lebensmittel, dem Trinkwasser, tragen. Damals ging es hauptsächlich um Seuchenschutz. Mittlerweile hat sich der Gesundheitsschutz deutlich weiterentwickelt und der Öffentliche Gesundheitsdienst liefert eine große Bandbreite an Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz – das sind die Funktionen des ÖGD.
„Hygiene und Umwelt hat heute die Gesundheit aller im Blick und sorgt im Hintergrund dafür, dass die Menschen, in unserem Fall in Frankfurt am Main, gar nicht erst erkranken. Wir setzen uns für eine gesündere Bevölkerung in einer gesunden Stadt ein, versuchen, jede einzelne Person zu erreichen und haben besonders vulnerable Gruppen im Blick“, sagt Böddinghaus. „Mit Aufklärung und präventiven Maßnahmen schützen wir die Bevölkerung vor übertragbaren Krankheiten.“
(Text: PM Gesundheitsamt Frankfurt)

