Die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge in Südhessen nimmt weiter ab. In den letzten 30 Jahren haben nur im Jahr 2021 während der Corona-Pandemie noch weniger Personen eine Ausbildung begonnen. Der Rückgang betrifft jedoch nicht alle Landkreise und Berufsfelder.
Im Jahr 2025 wurden im IHK-Bezirk 2.557 Ausbildungsverträge geschlossen (Stichtag 31.12.2025). Das ist ein Rückgang um weitere 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Rückgang betrifft ausschließlich technische Berufe: In diesem Bereich wurden 867 Verträge geschlossen, 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Der kaufmännische Bereich verzeichnet dagegen 1.690 neue Ausbildungsverträge – ein leichter Zuwachs von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum IHK-Bezirk zählen die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Odenwald und die Stadt Darmstadt.
Insbesondere in technischen Berufen zurückhaltender bei der Ausbildung
„Die Betriebe zeigen sich insbesondere in technischen Berufen zurückhaltender bei der Ausbildung”, sagt Dr. Marcel Walter, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar. „Die Ausbildung in technischen Berufen ist besonders kostenintensiv, da die Azubis viel Zeit in der Lehrwerkstatt verbringen und nicht von Anfang an produktiv eingesetzt werden. Ausbildungsplätze sind hier daher immer eine Investition in die Zukunft und zielen auf eine langfristige Beschäftigung ab. Angesichts der weltpolitischen und wirtschaftlichen Lage fehlt insbesondere den Industrieunternehmen – die oft exportorientiert sind – Planungssicherheit. Darunter leidet das Angebot an Ausbildungsplätzen.“
Dies ist jedoch nicht der alleinige Grund für den Rückgang bei den Ausbildungsverträgen: Laut einer bundesweiten Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Dachverbands der deutschen IHKs, aus dem Jahr 2025 konnten fast die Hälfte der Unternehmen nicht alle Lehrstellen besetzen. „Geeignete Auszubildende zu finden, ist auch für südhessische Unternehmen eine Herausforderung“, kommentiert Geschäftsbereichsleiter Marcel Walter. „Hier braucht es eine umfassende Berufsorientierung an weiterführenden Schulen.“
In Südhessen ist der Anteil der neuen Azubis mit Hochschul- oder Fachhochschulreife auf 26,8 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 15 Jahren. „Insbesondere Gymnasien sollten das Studium nicht als alleinigen Karriereweg darstellen”, fordert Walter. „Eine Ausbildung bietet nicht nur Praxisnähe und Gehalt von Beginn an, sondern auch viele Entwicklungsmöglichkeiten. Im Anschluss an die Ausbildung können die Fachkräfte beispielweise eine Weiterbildung machen, die gleichwertig mit einem Uniabschluss ist – auch im Hinblick auf die Verdienstmöglichkeiten.”
Rückgang im Landkreis Groß-Gerau am stärksten
Innerhalb Südhessens verlief die Entwicklung der Ausbildungszahlen regional unterschiedlich. Die meisten Ausbildungsverträge wurden weiterhin in Darmstadt (730) und im Kreis Groß-Gerau (602) geschlossen. Gleichzeitig ging hier jedoch die Zahl der neuen Ausbildungsverträge zurück: in Darmstadt um 4,7 Prozent, im Landkreis Groß-Gerau um 7,8 Prozent. Die Landkreise Darmstadt-Dieburg (546 Verträge, plus 0,9 Prozent), Bergstraße (488 Verträge, plus 4,7 Prozent) und Odenwaldkreis (191 Verträge, plus 6,1 Prozent) verzeichneten dagegen aufgrund eines Zuwachses im kaufmännischen Bereich mehr neue Verträge als im Vorjahr. In technischen Berufen sind die Ausbildungszahlen jedoch in allen südhessischen Landkreisen sowie in der Stadt Darmstadt gesunken.
Ein Blick auf die Berufsfelder bestätigt die unterschiedlichen Entwicklungen im technischen und kaufmännischen Bereich: Metallberufe (336 Verträge, minus 15,2 Prozent), Elektroberufe (107 Verträge, minus 16,4 Prozent) und Chemieberufe (148 Verträge, minus 8,1 Prozent) verlieren bei der Zahl der neuen Ausbildungsverträge deutlich gegenüber dem Vorjahr; Berufe im Handel (619 Verträge, plus 1,6 Prozent) und im Gastgewerbe (172 Verträge, plus 8,2 Prozent) sowie Verkehrsberufe (144 Verträge, plus 13,4 Prozent) gewinnen.
Beliebtester Ausbildungsberuf war im Jahr 2025 Verkäufer/in – 262 Personen entschieden sich in Südhessen für diese Ausbildung. Damit kletterte der Beruf unter den am häufigsten gewählten Ausbildungen um zwei Plätze nach oben. Wie im Vorjahr finden sich außerdem Kaufleute für Büromanagement und Kaufleute im Einzelhandel unter den Top 3 der beliebtesten Ausbildungsberufe.
Ukrainer sind im Arbeitsmarkt angekommen
Eine weitere Erkenntnis der Ausbildungsbilanz: Die Ukrainerinnen und Ukrainer sind im Ausbildungsmarkt angekommen. Über alle Ausbildungsjahre hinweg stammen 64 Auszubildende aus der Ukraine. Damit hat sich ihre Zahl gegenüber dem Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Gemeinsam mit Menschen aus Afghanistan (64) stellen sie – nach Türkinnen und Türken (125) – die zweitstärkste Nationalität unter den Azubis aus dem Ausland. „Ausländische Auszubildende spielen eine wichtige Rolle bei der Deckung des Fachkräftebedarfs”, kommentiert Dr. Marcel Walter. Der Anteil der ausländischen Azubis ist weiter gestiegen – sie machen nun 15,6 Prozent aller Auszubildenden aus.
Ausbildungsplätze können im Ausbildungsportal der IHK Darmstadt eingestellt und gesucht werden: https://ausbildung.darmstadt.ihk.de.
(Text: PM IHK Darmstadt)


