Neue Parks, Ruhestörungen und Verkehr beschäftigen die Anwohnenden
60 Personen folgten der Einladung des Oberbürgermeisters sich zu den Stadtteilen Kaiserlei, Hafen, Nordend und Westend am Montag, 26. Januar, auszutauschen. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke besucht bei der Veranstaltung „OB vor Ort“ regelmäßig die Stadtteile mit einem Team aus verschiedenen Ämtern und Stadtwerke-Gesellschaften.
OB Schwenke zeigte zunächst auf, was alles erreicht wurde seit seinem letzten Stadtteil-Besuch im September 2024. Die KWU-Türme kommen weg. Im zukünftigen „Kaiserviertel“ sollen öffentlich geförderte Wohnungen sowie Räume für Gewerbe und Büros an der Strahlenberger Straße entstehen. Der Goethering werde als Anlagenring bis zum Mainufer verlängert. Der Radfahrstreifen sei wieder klar und dauerhaft markiert worden und an der Hafenallee auf Höhe des Inselstegs sei die Fußgängerquerung verkehrssicher umgesetzt. Zum Thema Trinkwasser möchte der Magistrat erreichen, dass es in Offenbach eine weitgehend vergleichbare Wasserqualität gibt.
Offenbach ist ein gefragter Standort
OB Schwenke erläuterte im Anschluss die großen strategischen Linien der Stadtpolitik, von Wirtschaftspolitik über Bildung und Wohnen bis zur Innenstadt-Entwicklung. Offenbach habe weniger Gewerbesteuereinnahmen als andere Kommunen. Zurückzuführen sei das auf den hohen Verlust an Arbeitsplätzen in den 1990-er Jahren. 80 Prozent der Industrie-Arbeitsplätze in Offenbach seien damals weggebrochen. „Wenn man diese Dimension hört, 80 Prozent weggefallen, dann wird auch klar, warum der Kampf um eine wirtschaftliche Erholung unserer Stadt eben so schwierig ist – und deshalb auch lange dauert“, so OB Schwenke und erläuterte, dass er für die wirtschaftliche Entwicklung eine klare inhaltliche Strategie verfolge. Diese zeigt bereits konkrete Erfolge: Der Wirtschaftsstandort Offenbach am Main entwickelt sich entgegen dem bundesweiten Trend positiv. Mit 53.710 Arbeitsplätzen gab es Mitte 2025 so viele Jobs wie seit 51 Jahren nicht mehr in der Stadt, zugleich erzielte Offenbach mit 135 Millionen Euro einen neuen Rekord bei den Gewerbesteuereinnahmen. Gleichzeitig macht die weiterhin niedrige Beschäftigtendichte von 36,9 Prozent – deutlich unter dem Niveau von vor 50 Jahren mit damals 45 Prozent – klar, dass trotz dieser positiven Entwicklung weiterhin viel zu tun bleibt, um die wirtschaftliche Basis der Stadt dauerhaft zu stärken.
Der positive Trend zeigt sich auch in den Stadtteilen: Im Hafen hätten mittlerweile das Recycling-Unternehmen Blasius Schuster, die Recruiting-Firma TOPEOPLE sowie TMS Trademarketing Service ihren Firmensitz und das IT-Sicherheitsunternehmen Pan Dacom werde seinen dort bauen. Im Kaiserlei seien die IT-Servicegesellschaft der deutschen Krankenkassen ITSG und Lorenz Snacks untergekommen.
Im neuen Innovationscampus Offenbach im Osten der Stadt würden der Ventilhersteller Samson mit 2.000 Arbeitsplätzen eine der größten Industrieproduktionen deutschlandweit und das Biotech-Unternehmen BioSpring mit rund 1.500 Arbeitsplätzen die aktuell größte Produktionsstätte für Oligonukleotide weltweit bauen.
Trotz der guten Entwicklung sei die Stadt aber nach wie vor von dem Kommunalen Finanzausgleich des Landes abhängig, arbeite aber konsequent daran mehr Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erwirtschaften.
Der OB ging auch auf die Ausgaben der Stadt ein: die meisten Investitionen flössen in die Bildung, zum Beispiel in die Sanierung von Kindertagesstätten und Schulgebäuden. „Und Bildung ist auch der Grund, warum wir den ehemaligen Kaufhof gekauft haben“, unterstrich Schwenke. Dort soll nach der Sanierung die Stadtbibliothek einziehen, die dann mehr ruhige Arbeitsplätze mit schnellem Internetzugang für Kinder anbieten könne, die in beengten Wohnverhältnissen lebten.
Zu den weiteren zentralen Themen der Stadtpolitik zählen die Entwicklung der Innenstadt, wofür es das Zukunftskonzept Innenstadt gebe, bezahlbarer Wohnraum, Sicherheit und Sauberkeit.
Ruhestörungen, Verkehr und Parken
In der Fragerunde für die Bürgerinnen und Bürger ging es um einige Themen, die das Ordnungsamt betreffen. Ein älterer Mann beschwerte sich über Autos, die auf dem Gehweg in der Rödernstraße parken, sodass weder eine Person mit Rollator noch mit Kinderwagen vorbeikomme. Das Ordnungsamt wird hier Kontrollen veranlassen. Das gleiche gilt für den Spielplatz an der Goetheschule, der auch nach den Öffnungszeiten genutzt werde, wie der Gemeindepfarrer von St. Peter berichtete. Der OB erklärte, dass die Stadtpolizei mittlerweile täglich rund um die Uhr erreichbar sei. Bürgerinnen und Bürger können ihr problematische Orte nennen, damit die Stadt dort Kontrollen veranlassen könne. Das machte auch gleich eine Frau, die angab, dass an der Hafentreppe nach wie vor auch nachts Musik abgespielt werde.
Ebenfalls ein Fall für das Ordnungsamt ist die 30-er-Zone am Schillerplatz Richtung Dreieichpark, wo nach Angaben eines Herrn zu schnell gefahren werde. Der OB kündigte an, dort ein Seitenradar hinstellen zu lassen.
Ein Mann lobte, dass im Viertel schon viel Gutes passiert sei, eine Sache aber immer noch unverändert sei: der Fußweg im Bereich Goethering / Bettinastraße sei immer noch nicht befestigt. Hier erklärte der neue Leiter des Amtes für Planen und Bauen Ron Reck, dass es zum Goethering eine Bürgerbeteiligung gegeben habe. Die Vergabe der Planungsleistung erfolge in 2026 nach dem Grundsatzbeschluss in der kommenden Stadtverordnetenversammlung und im Folgejahr die Bauleistung. Zu der Bürgerbeteiligung am Goethering gab es die Nachfrage, ob die Straßenbahn im August-Bebel-Ring verlaufen soll. Bezüglich der Straßenbahn gebe es eine Machbarkeitsstudie, so Reck, bei der untersucht wurde, wie sie verlaufen könnte. Ein bevorzugter Korridor sei der August-Bebel-Ring und der Goethering.
Ein Mann fragte, ob die Preise für das Parkhaus Messe anwohnerfreundlich gestaltet werden können. Der OB wies darauf hin, dass das Parkhaus der Messegesellschaft gehöre. Die Stadt sei zwar Anteilseignerin, allerdings gehöre ihr nicht die Mehrheit. Das Parkhaus sei unter der Woche gut ausgelastet, sodass es keinen Druck gebe, etwas zu ändern. Zudem habe es Versuche gegeben, es für Anwohnende zu öffnen, was zu Beschwerden geführt habe, weil es vermehrt vermüllt wurde.
Mehr Grün, Mängel und Sauberkeit
Ob der Park an der Hafeninsel erst entwickelt werde, wenn alle Gewerbeflächen bebaut seien, fragte ein junger Mann. Tatsächlich sei angedacht, die Inselspitze zunächst als Baustelleneinrichtungsfläche zu nutzen, so Božica Niermann, Leiterin der Wirtschaftsförderung und Prokuristin der Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG. Da aber die Bebauung nicht zeitnah erfolge, werde jetzt geprüft, ob der Park unabhängig von den Bauprojekten umgesetzt werden könne.
Ebenfalls um die Begrünung ging es einer Frau, die sich nach den Nachpflanzungen am Maindamm erkundigte. Der OB erläuterte, dass auf den meisten Dämmen und Deichen keine Bäume stünden, weil diese die Stabilität gefährden würden. Die meisten der am Offenbacher Maindamm gefällten Bäume hätten zudem nicht länger als zehn Jahre bestehen können. Nach der Ertüchtigung des Maindamms würden mehr Bäume gepflanzt, als vorher dort standen.
Eine junge Frau wollte wissen, ob die Stadt Ideen habe, um öffentliche Plätze zu gestalten. Zum Beispiel mit Blumenkästen und Sitzmöglichkeiten. Der für das Nordend zuständige Quartiersmanager Marcus Schenk erläuterte, dass es bereits einen Minipark in der Ludwigstraße gebe und die Johannes-Morhart-Straße dauerhaft für den Verkehr gesperrt werden solle, um Aufenthaltsmöglichkeiten für Familien zu schaffen. Allerdings sei es wichtig, für solche Vorhaben Akzeptanz zu schaffen, da dadurch auch Parkplätze wegfallen. Das Quartiersmanagement nehme gerne Ideen aus der Bevölkerung auf. Um zusätzliche Freiräume für Anwohnende gehe es auch bei der Entwicklung des Goetherings und beim Schillerplatz, ergänzte Reck. Der OB berichtete, dass es im Kaiserlei neben dem Gelände des Ruder- und Bootsclub SG Wiking noch zwei Grundstücke für die gewerbliche Entwicklung gebe. Eine Bedingung für das Baurecht sei, dass auch ein großer Park entstehen müsse. Die Fläche dürfe nur bis 2030 für die Baustelleneinrichtung genutzt werden.
Eine Frau machte auf einen durch Bäume beschädigten Gehweg in der Berliner Straße aufmerksam. Sie erhielt den Hinweis, solche Schäden über den Offenbacher Mängelmelder anzuzeigen. Allerdings gebe es keine richtig gute Lösung, bei der auch die Bäume gut erhalten werden können. Die Verkehrssicherungspflicht sei nicht mehr erfüllt, wenn sich eine Stolperkante von mehr als zwei Zentimeter Höhe bilde.
Eine weitere Frau meinte, dass in Italien die Städte sauberer seien, weil die Abfallkörbe dort größer seien und kleinere Schlitze hätten. Christian Loose vom Stadtservice erwiderte, dass die Größe und Form nicht helfen würde, wenn Menschen sie nicht nutzen wollten. Er wies darauf hin, dass überfüllte Mülleimer ebenfalls über den Mängelmelder gemeldet werden können.
An einem Fußweg gegenüber der Hafeninsel würde die Beschilderung nach erfolgten Bauarbeiten fehlen, sodass dieser nun auch von Radfahrenden genutzt werde, berichtete ein Mann. Dies und auch die Anregung die Beleuchtung unter der Walter-Spiller-Brücke zu verbessern, wird von der Stadt geprüft.
(Text: PM Stadt Offenbach)

