Zwischen Lohnlücke, Selbstbehauptung und Sichtbarkeit
„Mit guter Einteilung der Zeit und Gebrauch ihrer Talente können Mädchen neben den schuldigen und vorzüglichen Geschicklichkeiten in Wirtschaftssachen auch Muße genug finden, Himmel, Erde und Menschen kennen zu lernen“, lautet ein Zitat der 1807 in Offenbach verstorbenen Schriftstellerin Sophie von La Roche. Zugegeben, was Sophie von La Roche, eine der früh finanziell unabhängigen deutschen Schriftstellerinnen vor über 200 Jahren deutlich machte, klingt zwar sprachlich antiquiert, ist aber bis heute hochaktuell: Bildung, Selbstbestimmung und die öffentliche Stimme von Frauen sind nach wie vor zentrale Voraussetzungen für Gleichstellung.
Ganz in dieser Tradition steht auch das Programm der Offenbacher Frauenwoche. Seit etlichen Jahren macht sie jedes Jahr pünktlich zum Internationalen Frauentag am 8. März feministische Perspektiven sichtbar, thematisiert gesellschaftliche Ungleichheiten und eröffnet Räume für Austausch, politische Einordnung, kulturelle Auseinandersetzung und praktisches Empowerment.
Auch 2026 lädt die Frauenwoche vom Freitag, 27. Februar bis Freitag, 13. März dazu ein, sich mit Fragen von Gleichstellung, Teilhabe und feministischen Gegenentwürfen auseinanderzusetzen. Organisiert wird das Programm vom Kommunalen Frauenbüro der Stadt Offenbach in Kooperation mit zahlreichen engagierten Akteurinnen und Akteuren aus Zivilgesellschaft, Kultur, Bildung und Gewerkschaften. Gemeinsam setzen sie ein starkes Zeichen für Gleichstellung, Teilhabe und eine demokratische Stadtgesellschaft, in der Frauen und Mädchen gemäß ihrer Rechte umfassend ernst genommen werden.
„Gleichstellung ist kein Randthema, sondern eine zentrale demokratische Aufgabe“, betont Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. „Noch immer arbeiten wir an der Umsetzung von Artikel drei im Grundgesetz. Vieles wurde in den vergangenen Jahren schon erreicht, aber es gibt leider noch immer Bereiche, in denen nach wie vor keine Gleichstellung erreicht ist. Das zeigt die Frauenwoche auf und stärkt mit dem anspruchsvollen Programm auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt.“
Frauen und Mädchen, divers und laut
„Die Angebote der Frauenwoche machen auf Leerstellen, Probleme und fortbestehende Ungleichheiten aufmerksam. Zugleich sind sie Ausdruck davon, wie viel Kraft, gegenseitige Solidarität und Empowerment es in den vergangenen Jahrzehnten gab und weiterhin gibt.“ Die Frauenwoche beginnt am 27. Februar pünktlich zum Equal Pay Day, der auf die ungleiche Bezahlung der Geschlechter bei gleicher Arbeit aufmerksam macht. Der sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke, beträgt in der Bundesrepublik seit einigen Jahren konstant 16 Prozent beziehungsweise die ersten 58 Tage des Jahres. Erst dann haben Frauen das Gleiche wie Männer verdient. Ein Höhepunkt des Programms ist der „Frauen*Marsch für gleiche Rechte“ am Freitag, 6. März, um 17 Uhr. „Das ist ein sichtbarer und lautstarker Auftakt auf den Internationalen Frauentag“, so Halwachs, „der gleichstellungspolitische Forderungen in den öffentlichen Raum trägt und ein Zeichen gegen strukturelle Benachteiligung in Offenbach setzt. Organisiert wird der Marsch durch die Offenbacher Innenstadt vom Offenbacher Frauenbündnis, einem breit aufgestellten Zusammenschluss aus frauenpolitischen Initiativen, Beratungsstellen, Gewerkschaften, Bildungsakteurinnen und -akteuren, zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Vertreterinnen.
Am Dienstag, 10. März spricht die Juristin Prof.in Dr. Ulrike Lembke über den verfassungsrechtlichen Auftrag zur Durchsetzung der Gleichberechtigung und die daraus resultierende Verantwortung sowie Handlungsspielräume für die kommunale Gleichstellungsarbeit. Der Vortrag „Recht, Verantwortung, Widerstand: Wie Gleichstellungsarbeit Demokratie auf lokaler Ebene stärkt“ ist online nach Anmeldung unter www.kreisgg.de/equalpay um 16 Uhr verfügbar.
Mit der Filmvorführung „Sisterqueens“ nimmt die Frauenwoche am Donnerstag, 12. März, um 17 Uhr die Perspektiven junger Frauen und Mädchen in den Blick. Der Dokumentarfilm begleitet Mädchen, die dabei sind, ihre Stimmen zu finden und sich mit Fragen von Identität, Diskriminierung und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen. Im anschließenden Gespräch kommen Vertreterinnen der Offenbacher Mädchenarbeit sowie Mädchen und junge Frauen im SCAPE° in der Frankfurter Straße 39/ Rathaus Plaza zu Wort.
Darüber hinaus bietet die Frauenwoche ein abwechslungsweiches Programm, das mit Theater-, Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen, Kunstprojekten und Museumsführungen, Infoständen, Gesprächsformaten und sogar einem Frauenfrühstück der Gewerkschaftsfrauen unterschiedliche Zugänge zu feministischen Themen eröffnet. Eingeladen sind alle, die sich für Gleichstellung, Gerechtigkeit und ein respektvolles Miteinander interessieren. Ob neugierig, suchend, kritisch oder bereits gut vernetzt: Die Frauenwoche bietet Raum zum Dazukommen, Mitdenken und Mitgestalten.
Das vollständige Programm der Offenbacher Frauenwoche 2026 ist beim Frauenbüro der Stadt Offenbach erhältlich.
(Text: PM Stadt Offenbach)


