Die Landeshauptstadt Wiesbaden kritisiert die wiederholten Versäumnisse der DB InfraGo bei wichtigen Infrastrukturvorhaben in der Stadt und fordert deutlich mehr Verlässlichkeit bei Planung und Umsetzung. Erst nach mehrmaliger Nachfrage hat das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn nun der Stadtverwaltung gegenüber bestätigt, dass sich der für 2026 angekündigte barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Kastel erneut verzögern wird.
„Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Querelen bei der Wallauer Spange und dem Neubau der Bahnsteige am Ländchesbahn-Haltepunkt Igstadt ist diese Verzögerung nicht weiter tragbar. Die wichtigsten Projekte und Maßnahmen der DB InfraGO in Wiesbaden sind seit Jahren im Verzug. Das ist für die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr hinnehmbar“, erklärt Verkehrsdezernent Andreas Kowol.
Am stark frequentierten Bahnhof Kastel wird der barrierefreie Ausbau nun offensichtlich erneut um mehrere Jahre verzögert. Nach ursprünglicher Planung sollte dieser bereits 2022 barrierefrei ausgebaut werden. Tatsächlich wurden 2022 lediglich neue Blindenleitstreifen verlegt sowie eine Treppenanlage inklusive Handlauf erneuert. Die für die Barrierefreiheit zentralen Aufzüge fehlen bis heute, weil damals Gleissperrungen (sogenannte Sperrpausen) nicht im notwendigen Umfang zur Verfügung standen. „Bereits im Zuge der letzten Verschiebung 2022 haben wir der Deutschen Bahn deutlich gemacht, dass die damals angekündigte Verzögerung bis ins Jahr 2026 bei diesem für die Städte Wiesbaden und Mainz so wichtigen Bahnhof für uns nicht akzeptabel ist“, sagt Kowol. „Dass hier nun erneut eine mehrjährige Verzögerung im Raum steht, lässt sich den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt schlichtweg nicht mehr erklären. Da hilft es auch nicht wirklich, dass die Deutsche Bahn uns in Aussicht stellt, unter Umständen zumindest den Aufzug am Hausbahnsteig noch 2026 verwirklichen zu können.“
Vor dem Hintergrund der bisherigen Abläufe ist aus Sicht der Stadt zu befürchten, dass ein barrierefreier Ausbau des Mittelbahnsteigs frühestens gegen Ende des Jahrzehnts – etwa um das Jahr 2029 – verwirklicht sein könnte, auch wenn die Bahn hierzu bislang keine belastbare Zeitangabe macht.
Kastel ist der mit Abstand zweitwichtigste Bahnhof in Wiesbaden und ein zentraler Knoten für den gesamten Ballungsraum Mainz-Wiesbaden – hier nutzen täglich rund 9.000 Fahrgäste die Züge. „Dass es der Deutschen Bahn trotz dieses Fahrgastaufkommens seit Jahren nicht gelingt, eine barrierefreie Erreichbarkeit der Bahnsteige zu verwirklichen, ist für uns gerade mit Blick auf mobilitätseingeschränkte Menschen, auf Familien mit Kinderwagen und die vielen Pendlerinnen und Pendler nicht nachvollziehbar“, betont Kowol.
Wallauer Spange und Bahnhof Igstadt: Schlüsselprojekte der DB InfraGo stocken
Über die aktuelle Diskussion über die Wallauer Spange, einem der wichtigsten Schienenprojekten der Rhein-Main-Region, wurden in den letzten Tagen bereits ausführlich berichtet. Und auch bei weiteren Vorhaben läuft es mit der DB InfraGo unzufriedenstellend. So hat die Stadt Wiesbaden beim Bahnhof Igstadt seit Planungsbeginn immer darauf bestanden, dass der seitens der Deutschen Bahn favorisierte Mittelbahnsteig neben einer Zuwegung aus Richtung Westen zwingend auch aus dem östlich gelegenen Ortskern direkt erreichbar sein muss. Nach Abschluss der Planung und erfolgreich verlaufenem Planfeststellungsverfahren teilte die Bahn der Landeshauptstadt allerdings mit, dass eine östliche Zuwegung nun aufgrund mittlerweile geänderter bahninterner Richtlinien nicht mehr umgesetzt werden könne. Stattdessen solle der Mittelbahnsteig entweder nur noch von Westen her erreichbar sein oder alternativ erneut Außenbahnsteige geplant werden: Letzteres würde jedoch eine zusätzliche Verzögerung von etwa drei Jahren bedeuten.
„Wenn nach jahrelanger, gemeinsam erarbeiteter Planung plötzlich interne Richtlinien geändert werden und damit über Jahre abgestimmte Lösungen einseitig verworfen werden, ist das auch für die betroffenen Stadtteile kaum vermittelbar“, so Kowol. „Auch in den Vororten brauchen wir verlässliche Zusagen der Bahn, damit die Menschen das Vertrauen in den Schienenverkehr nicht endgültig verlieren.“
Stadt fordert verlässliche Perspektive
Die Stadt Wiesbaden macht deutlich, dass sie die strukturellen Engpässe im Schienennetz und die gesetzlichen Vorgaben für Sperrpausen anerkennt, jedoch von DB InfraGo ein Vielfaches mehr an Stringenz, Verlässlichkeit und interner Abstimmung für die Projekte im Wiesbadener Raum erwartet. „Wir wissen, dass das Netz hoch belastet ist und jede Baumaßnahme sorgfältig koordiniert werden muss“, sagt Kowol. „Aber wenn uns bei nahezu jedem größeren Vorhaben plötzlich über unvorhergesehene neue Hürden aus den DB-eigenen Verwaltungsabläufen berichtet wird, im Anschluss Termine kippen und Zusagen verschoben werden, leidet am Ende das Vertrauen in die Bahn insgesamt. Es reicht jetzt: Wir brauchen verlässliche Zeitpläne, transparente Entscheidungen und eine klare Priorität für die Projekte in Wiesbaden und im Rhein-Main-Gebiet“
Die Landeshauptstadt kündigt an, die Anliegen der Fahrgäste weiterhin mit Nachdruck gegenüber DB InfraGo, dem Bund und den zuständigen Fachbehörden zu vertreten und eine verbindliche Perspektive für die Wallauer Spange, den Bahnhof Igstadt und den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Kastel zu erwirken.
(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)

