
Der FVCA Eppertshausen gehört alljährlich zu den Späten, was seine Fastnachtssitzungen anbelangt. Dafür kommen die beiden Shows der „Carneval Abteilung“ des Fußball-Vereins in der Bürgerhalle stets im Doppelpack daher. So auch am Freitag und Samstag: In mehr als fünf Stunden vor jeweils restlos ausverkauftem Haus haben 180 Bühnenaktive mal wieder alles gezeigt, was gute Saalfastnacht ausmacht – schnelle Tänze, manchen Gag und durch die reiche musikalische Komponente genug Mitmach-Gelegenheiten. Die Premiere am Freitag haben zudem ein Abschied und eine Zäsur geprägt.
Letzte fällt auf, wirkt aber nicht völlig ungewohnt: Lutz Murmann fungiert vorerst als neuer Sitzungspräsident des FVCA, wo Jörg Helfmann diese Aufgabe 2025 nach 22 Jahren abgegeben hat. 2027 wird Murmann mit seinem Sohn Colin sowie Kevin Grimm zunächst zwei „Lehrlinge“ unter seine Fittiche nehmen. Ab 2028 sollen diese beide die Sitzung zu zweit moderieren. Um die richtigen Worte ist Murmann Senior nie verlegen. Kein Wunder, ist er in der Vergangenheit doch schon mal als „Präsi“ eingesprungen.
Während diese Lösung schon gefunden ist, muss sie an anderer Stelle noch her: Wer folgt auf Hans Müller, der ein halbes Jahrhundert lang das FVCA-Protokoll geschrieben und vorgetragen hat? Bei der Premiere am Freitag gibt es statt des Rückblicks auf die vergangenen zwölf Monate den gebührenden Abschied von „Bosse-Hans“, auf den sein Schwiegersohn Klaus Müller die Laudatio hält. Unter den Ovationen des Publikums erhält Hans Müller wenig später eine besondere Auszeichnung für seine scharfen Beobachtungen: die „Spitze Feder“. Sichtlich erfreut nimmt der Eppertshäuser, der in etwa genauso lang Vorsitzender des Gesangvereins Germania ist, Statue und Applaus entgegen und genießt den weiteren Abend auf einem der Premiumplätze. Wie es in Sachen FVCA-Protokoll weitergeht, will die Abteilung nach dieser Kampagne besprechen.
Am grundlegenden Konzept dürften die närrische Regie und die neuen Sitzungspräsidenten auch künftig wenig ändern. Die Eppertshäuser wissen, dass es in Zeiten überschaubarer Aufmerksamkeitsspannen nur noch selten Sinn macht, im weit fortgeschrittenen Stadium des Abends längere Wortvorträge zu servieren. Gewitzelt wird beim FVCA diesmal ausschließlich in der ersten Hälfte: Der mittlerweile zum Teenager gereifte Marc Sperl (13) fragt sich in seiner wieder einmal unnachahmlichen Manier, ob sich wohl die Künstliche Intelligenz oder die menschliche Dummheit durchsetzen werde. Auch Reiner Sperl liefert ein Solo und lässt dabei (bis zum versöhnlichen Ende) kein gutes Haar an seiner Frau. Dazu blicken Finn Kreher und Colin Murmann in einem Zwiegespräch in frühere Eppertshäuser Zeiten zurück.
Mit dem Auftritt der FVCAianos deutet der FVCA nach zwei Stunden erstmals an, wohin die Reise nach der Pause verstärkt gehen wird: Singen, Schunkeln, Mitmachen. Beim „Eppertshäuser Settchen“ hakt sich der ganze Saal unter, dann präsentiert die 2023 gegründete, gesundheitlich bedingt kurzfristig vom Quintett zum Quartett geschrumpfte Gruppe ihren eigenen Hit „Fassenacht is da“. Mit einem Mix aus Playback-Show und Tanz verabschieden Choract elfköpfig die Zuschauer in die Sitzungsunterbrechung.
Danach sorgen mit der Guggemusik ICE Breakers (Offenbach) und den Travestiekünstlern Tante Gladice & Muddi (Frankfurt) die einzigen externen Protagonisten des Abends für Stimmung. Die Elferrats-Show vor dem großen Finale mit den FVCAianos stammt wieder aus den eigenen Reihen. Ebenso alle Tänze, acht an der Zahl: Als Jüngste wirbeln mal wieder die Funny Dancers (Leitung: Jessica und Annett Pretscherno) durchs Bühnenlicht, auch die Jugendgarde (Vanessa Essinger, Laura Ouaajoura, Viktoria Murmann) und One2Step (Laura Hürtgen, Kim Blickhan) mit einem diesmal extrem temporeichen Ritt durch die jüngere Pophistorie zeugen von der erfolgreichen Nachwuchsarbeit der Eppertshäuser Fastnachter.
Dazu kommen die erfahrenen Tänzerinnen von Knackfrisch (Iris Gotta, Sina Lichtenhahn), die große Garde, Remix (ebenfalls von Laura Hürtgen und Kim Blickhan trainiert und drei Jahre nach der Gründung auf 16 Frauen angewachsen), das Damenballett (Tanja Dick, Sabrina Dreher, 17 Frauen und ein Hahn im Korb) und natürlich das Männerballett (Tatjana Gotta, Sandra Dormehl). Die Herren der Schöpfung entführen diesmal in den Zirkus. „Manege frei!“ für die große FVCA-Sitzung wird es nach den beiden langen, aber nie langatmigen Abenden vom Wochenende dann wieder 2027 heißen.
(Text: jedö)

